Davon können die Vermarkter der Formel 1 nur träumen. Ins Finale der Rallye-Weltmeisterschaft in Australien (Start am Donnerstag um 22:03 Uhr deutscher Zeit) gehen noch drei Fahrer mit Titelchancen: der fünfmalige Weltmeister Sébastien Ogier (34, Ford), der nur drei Punkte zurückliegende Thierry Neuville (30, Hyundai) und Ott Tänak (31, Toyota), mit 23 Punkten Rückstand auf Ogier allerdings krasser Außenseiter im Showdown auf der anderen Seite des Globus.
Drei Punkte Unterschied zwischen Tabellenrang eins und zwei – bei dieser Konstellation könnte erst die allerletzte Wertungsprüfung (WP) des Jahres (am Sonntag um 3:18 Uhr deutscher Zeit) die Entscheidung bringen. Denn dabei – auf der sogenannten „Powerstage“ – werden noch einmal zusätzliche WM-Punkte vergeben, fünf für den WP-Sieger.
Neuville
Neuville wurde viermal Vizeweltmeister. Reicht es dieses Jahr für den Titel?
Pikanterweise zählt keiner der drei Titelkandidaten zu den Favoriten auf den Gesamtsieg. Denn die weichen und extrem staubigen Schotterpisten rund um die ostaustralische Hafenstadt Coffs Harbour bedeuten für die in der Startreihenfolge vorne einsortierten Fahrer große Nachteile. Zumindest während der ersten Etappe hat Titelverteidiger Ogier die unangenehme Aufgabe, im Ford Fiesta WRC (ca. 380 PS, Allrad) den Straßenfeger für die nachfolgenden Konkurrenten zu spielen. „Ich habe lieber einen Vorsprung, man weiß ja nie, was alles passieren kann. Außerdem habe ich die Rallye schon dreimal von der Spitze ausgewonnen. Warum sollte es nicht noch einmal klappen?“, macht sich der Franzose selbst Mut. 
Verfolger Neuville sieht dies natürlich anders. „Die drei Punkte Unterschied sind praktisch nichts. Ich bin sogar im Vorteil, weil ich am Freitag eine sauberere Strecke als Ogier habe. Wenn ich nach der ersten Etappe vor ihm liege, kann ich Weltmeister werden“, sagt der Belgier, der in Australien allerdings noch nie gewinnen konnte.
Tänak hofft auf die Chance des lachenden Dritten. „Ich werde nur Weltmeister, wenn die anderen beiden Probleme bekommen. Ich habe nichts zu verlieren und kann ohne Rücksicht attackieren“, prophezeit der Este.
Einziger Deutscher, der die 24 WP mit einer Gesamtlänge von 318 Kilometern in Angriff nimmt, ist Armin Kremer (49). Der frühere Deutsche und Europameister gönnt sich beim Finale einen Gaststart in der Kategorie WRC2 im Skoda Fabia (ca. 280 PS, Allrad). „Ich reise nicht um die halbe Welt, um nur mitzufahren. Im Gegenteil, ich werde Vollgas geben und will WRC2-Sieg holen“, lautet der selbstbewusste Eigenanspruch des Geschäftsmanns aus Mecklenburg-Vorpommern. 
Der neunmalige Weltmeister Sébastien Loeb (44), der überraschend den letzten WM-Lauf in Spanien gewann, ist in Australien nicht am Start.