Sébastien Ogier hat es wieder getan. In Saudi-Arabien krönt sich der 41-jährige Franzose zum neunten Mal zum Rallye-Weltmeister – und zieht damit mit Rekordmann Sébastien Loeb gleich. Ein historischer Moment, den selbst Rallye-Legenden wie Juha Kankkunen nur staunend einordnen können.
Ogier holt den Titel mit vier Punkten Vorsprung auf Toyota-Teamkollege Elfyn Evans, der im entscheidenden Moment durch eine Reifenpanne eingebremst wird und den WM-Kampf gegen den Routinier verliert. „Ein unglaublich enger Fight bis zur letzten Prüfung“, sagt Kankkunen, heute Toyota-Vize-Teamchef und selbst viermaliger Champion. „Seb hat gezeigt, dass er im Moment der beste Fahrer der Welt ist – und vielleicht sogar aller Zeiten.“

Ogier und Kankkunen: WM-Titel mit vier Herstellern

Eine Besonderheit verbindet den Finnen und Ogier: Beide wurden mit vier unterschiedlichen Herstellern Rallye-Weltmeister. Kankkunen gewann mit Peugeot, Lancia und Toyota, Ogier nach seinen Erfolgen mit Volkswagen und Ford ebenfalls mit Toyota. „Wenn man mit mehreren Marken gewinnen kann, zeigt das wahre Talent und Anpassungsfähigkeit“, betont Kankkunen.
Ogiers WM-Story 2025 lebt von einer außergewöhnlichen Mischung aus Erfahrung, Präzision und Effizienz. Er ist nur in Teilzeit unterwegs, lässt drei Rallyes aus, startet bei elf von 14 Läufen – und fährt trotzdem eine seiner stärksten Saisons. Sechsmal gewinnt er, zehnmal steht er auf dem Podest. Nur ein Reifenschaden bei der Rallye Zentraleuropa verhindert eine perfekte Top-10-Serie.
Sébastien Ogier macht das Unmögliche wahr: Der 41-Jährige wird in Saudi-Arabien zum neunten Mal Rallye-Weltmeister.
Bild: Red Bull Content Pool
Für Ogier selbst ist das kaum zu glauben. „Es war zweifellos eine außergewöhnliche Serie – vielleicht die beste meiner Karriere“, sagt er. „Natürlich habe ich drei Rallyes weniger bestritten und manchmal von einer guten Startposition profitiert. Aber viele profitieren viel stärker davon. Ich lag so weit vorne in der Meisterschaft, dass ich zum Beispiel in Griechenland sogar als Zweiter starten musste.“

Ogier Ziel war gar nicht der neunte Titel

Trotz seiner Dominanz bleibt der Franzose bescheiden. „Dieser WM-Titel war eigentlich nicht mehr mein Ziel“, betont er. Nach seinem achten Titel 2021 hatte er das Kapitel für sich abgehakt. Damals schien für viele Experten klar: Der Rekord von Sébastien Loeb würde unerreichbar bleiben. Ogier sah das ähnlich – bis er im Sommer trotz „Altersteilzeit“ plötzlich wieder realistische Chancen hatte. „Ich bin glücklich und stolz, zu Loeb aufzuschließen“, sagt er. „Aber es war nie mein Antrieb. Die meisten – mich eingeschlossen – dachten, dass solche Rekorde nie wieder erreicht werden.“
Während Ogier feiert, herrscht im Toyota-Lager eine Mischung aus Stolz und Frustration. Elfyn Evans, zum fünften Mal Vizemeister, verpasst den lang ersehnten ersten britischen Titel seit Richard Burns um wenige Punkte. „Es war ein hartes Rennen“, sagt er. „Wir haben getan, was wir konnten.“ Doch es reicht nicht – Ogier bleibt am Finaltag eiskalt und verteidigt seinen Vorsprung mit der Routine eines ganz Großen.
Dass Ogier weitermacht, hat Toyota bereits bestätigt – wieder in Teilzeit, versteht sich. Doch nach dieser Saison ist klar: Bei Sébastien Ogier bedeutet Teilzeit immer noch Weltklasse. Und womöglich bald sogar mehr als neun.