Die Konkurrenz hechelt meist hinterher. Skoda-Pilot Andreas Mikkelsen ist amtierender Weltmeister der Kategorie WRC2 und außerdem Europameister. In der vergangenen Saison fuhren die nationalen Champions in 21 Ländern von Argentinien bis Australien den Fabia Rally2. Trotzdem schaltet die tschechische Marke noch einen Gang hoch und präsentierte gerade die nächste Generation. „Der Neue ist schneller als der Alte“, warnt Mikkelsen die Konkurrenz schon mal vor.
Seit Jahren ist Skoda die erfolgreichste Marke in der Rally2. In dieser Klasse sind die Rallyeautos technisch relativ dicht dran am Basismodell. Der 1,6-Liter-Turbomotor (rund 290 PS) muss von einem Serienmotor stammen. Nachgerüsteter Allradantrieb und sequenzielles Fünfganggetriebe sind frei käufliche Standardteile.
In der Weltmeisterschaft spielen privat eingesetzte Rally2-Fahrzeuge nur die zweite Geige hinter den Rally1-Werksautos (Hybridantrieb, über 500 PS). Immerhin gibt es eine eigene Wertung mit WM-Titeln unter anderem für Fahrer und Teams (WRC2). Aber von der Europameisterschaft abwärts sind Skoda Fabia, Hyundai i20, Ford Fiesta, Citroën C3 und VW Polo fast überall die oberste Klasse. Auch in Deutschland.
Seit 2015 dominiert der Fabia die Klasse Rally2. Jetzt ist der noch schnellere Nachfolger startklar.

Ein lukratives Geschäft. Skoda hat seit 2015 knapp 470 Fabia Rally2 an Kundenteams in aller Welt verkauft – zum Stückpreis von je nach Ausstattung weit über 200000 Euro. Dass jetzt eine kostspielige Neuentwicklung nötig war, liegt an der Modellpolitik der Marke. Das Serienfahrzeug baut seit 2021 auf einer neuen Plattform auf (MQB-A0, wie auch zum Beispiel der VW Polo). Da mussten die Motorsportler nachziehen.
Die Techniker nutzten die Gelegenheit für zahlreiche Verbesserungen am jetzt Fabia RS Rally2 genannten Renner. Der längere Radstand (plus 94 Millimeter) gibt mehr Spielraum bei der Gewichtsverteilung, soll außerdem Vorteile auf schnellen Strecken und bei Sprüngen bringen. Äußeres Zeichen der optimierten Aerodynamik ist der größere Dachspoiler.
„Der Motor ist komplett neu, basiert jetzt auf dem TSI-Triebwerk, das Skoda in einigen RS-Modellen verwendet“, ergänzt Chefingenieur Aleš Rada. Mikkelsen bestätigt: „Der neue Motor hat mehr Drehmoment, ich muss weniger schalten.“ Außerdem ist der Vierzylinder speziell an das in der WM seit dieser Saison vorgeschriebene Synthetikbenzin angepasst.
Unklar ist, wann der Skoda Fabia RS Rally2 zum ersten Mal im Wettbewerb antritt. Die derzeitigen Störungen in den Lieferketten sorgen auch in Mladá Boleslav für Probleme bei der Teilebeschaffung. „Wir peilen Anfang September an“, bleibt Motorsportchef Michal Hrabánek vage.
Dann steht die Akropolis-Rallye in Griechenland auf dem Programm. WRC2-Champion Andreas Mikkelsen kann es kaum erwarten. Seine Titelverteidigung ist nach zuletzt zwei Ausfällen ins Stocken geraten.

Von

Christian Schön