Reisemobil Corigon T 70 S im Test
Corigon T 70 S im Check: Purismus statt Luxus

Die Erwin Hymer Gruppe schickt als neuen Player Corigon ins Rennen. Der T 70 S muss als erster Abgesandter zeigen, was die Marke kann!
Bild: Bernd Hanselmann
Was ist wirklich neu, was nicht? So einfach kann Corigon diese Frage nicht beantworten. Zunächst scheint alles neu: die Marke, die Modelle, das Marketing. Doch wer genau hinschaut, erkennt durchaus Bekanntes.
Daran muss natürlich nichts Schlechtes sein, wenn die Basis stimmt. Die Erwin Hymer Gruppe tritt auch nicht an, mit der Marke Corigon das Reisemobil neu zu erfinden. Bei dem neuen Player geht es eher um Klassiker für Klassiker, um solide Modelle für eine Klientel, die nicht allzu progressiv ausfällt. Und die sehr viel Wert darauf legt, nicht zu viel zu bezahlen für das, was sie bekommt.
Im O-Ton klingt das so: "Die Fahrzeuge kombinieren bewährte Qualität mit einem besonders attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis." Wer in die Papiere schaut, liest als Hersteller Laika und als Marke Etrusco – das ist der wahre Kern des Corigon.

Im Grundriss wie in der Gestaltung setzt der Corigon T 70 S auf etablierte Lösungen.
Bild: Bernd Hanselmann
Kurz, Corigon will günstig sein, was der Grundpreis des T 70 S beweist. 59.999 Euro stehen auf dem Preiszettel. Doch dann rattert der Konfigurator fleißig mit: Rahmenfenster? 799 Euro. Fenster in der Dachhaube? 549 Euro. Isofix? 449 Euro. Dazu einen isolierten Abwassertank? 299 Euro.
Immerhin hat das den Vorzug, dass sich jeder seinen Corigon individuell zusammenstellen kann. Final kostet das deutlich mehr als den Lockpreis von 60.000 Euro, und es braucht Erfahrung, um die Häkchen auf dem Bestellformular richtig zu setzen. Doch Corigon will bewusst keine Modelle für Einsteiger bauen, keinen Fokus auf Familien legen, schon gar nicht auf überbordenden Luxus. Corigon spiegelt in seinem Namen den Begriff "Core", zu deutsch Kern, und "Go on", das für das Weitermachen steht. So ziemlich das Gegenteil einer Revolution also.
Das ist der Corigon T 70 S
Das zeigt auch der T 70 S, der erste Corigon, den wir fahren konnten. Der schlanke Teilintegrierte aus der Sieben-Meter-Klasse ist bereits auf den ersten Blick ein Klassiker: Betont ruhig wirkt seine schnörkellose Optik, kein Schnickschnack, kein Chichi, kein Ballast. Ein pures Reisemobil mit einer kantigen Dachhaube und dezentem linearen Dekor.

Im Corigon kommt der neue Konzernkühlschrank aus China zum Einsatz. Er bietet 131 Liter Volumen.
Bild: Bernd Hanselmann
Das gilt ebenso für innen, alles wirkt routiniert verarbeitet und traditionell gestaltet, Aufreger finden sich keine. Dunkle Holzoberflächen setzen auf Konsens, im Kontrast dazu wirkt das Spiel aus glänzenden und matten Oberflächen in getöntem Weiß und Schwarz – zum Beispiel an den Griffen und Armaturen – dagegen durchaus zeitgemäß bis modern.
Ein Schwestermodell soll mit dem T 70 LS bald nachfolgen: Das L steht für Lounge-Sitzgruppe. Hier findet die Sitzbank parallel zur Außenwand Platz, man sitzt sich also gegenüber. In der Küche verzichtet das Modell auf die Auskragung der Arbeitsplatte – weniger Platz beim Kochen, dafür bietet es ein noch luftigeres Raumgefühl.
Fahrzeugdaten | Corigon T 70 S |
|---|---|
Motorisierung | 2.2 MultiJet Euro 6e |
Leistung | 103 kW (140 PS) bei 3500/min |
Hubraum | 2184 ccm |
Drehmoment | 350 Nm bei 1400/min |
Höchstgeschwindigkeit | ca. 145 km/h |
Getriebe/Antrieb | Sechsgang/Vorderrad |
Tankinhalt/Kraftstoffsorte | 60 l/Diesel + 19 l AdBlue |
Länge/Breite/Höhe | 6990/2320/2950 mm |
Radstand/Bereifung | 3800 mm/215/70 R 15 C |
Masse fahrbereit/Zuladung ca. | 2780/720 kg |
Anhängelast (gebremst/ungebremst) | 2000/750 kg |
Grundpreis/Testwagenpreis | 59.999 Euro/67.340 Euro |
Neben diesen beiden Varianten der "Pure" genannten einfachen, kostengünstigen Teilintegrierten startet Corigon mit zwei weiteren Modellkategorien – den nochmals schlankeren "Slim" sowie den besser ausgestatteten "Advanced". Auch zwei Kastenwagen sind bereits im Programm.
Das hat der Corigon
Der Einzelbettengrundriss folgt konsequent bewährtem Standard. Das ist kein Fehler, denn er bietet Platz genug im Heck zum Liegen, das längere der beiden Betten misst stolze 2,07 Meter. Beide lassen sich zu einer Liegewiese verbinden, und das sogar ohne Mehrpreis.
Das Bad auf der rechten Seite punktet mit einer praktischen Klappwand. So entsteht in Sekunden eine Dusche, die geräumig ist und in der geduscht werden kann, ohne ständig einen Vorhang am Körper kleben zu haben.

Wer im Hubbett schlafen will, muss mit erstaunlich wenig Kopffreiheit auskommen. Zudem hat das Bett in der unteren Position keine Arretierung.
Bild: Bernd Hanselmann
Gegenüber, auf der Fahrerseite, findet sich der 131 Liter große neue Konzernkühlschrank der Erwin Hymer Gruppe, ein Produkt, das keinen der großen Zulieferernamen trägt. Davor steht die Küche mit ausreichend Stauraum und, dank keck auskragender Arbeitsplatte, ausreichend Platz zum Vorbereiten und Kochen.
Was auch auffällt, ist das Diktat der marktgetriebenen Preispolitik. Der attraktive Grundpreis erklärt sich immer weiter durch die Aufpreisliste: Eine Fliegengittertür, Garderobenhaken und eine Steckdose im Küchenblock – ja, tatsächlich – kosten im sogenannten "Komfort Paket" 899 Euro Aufpreis. Immerhin sind dann die linke Stauraumtür und eine Steckdose in der Heckgarage dabei. Nicht jedoch ein Fenster in der Aufbautür. Das käme, gemeinsam mit einem Spiegel, einer Accessoiretasche und einer im Design etwas aufgepeppten Küche für weitere 499 Euro an Bord.

Viel Überhang kennzeichnet den T 70 S. Das macht ihn wendig, doch dafür schwenkt das Heck weit aus.
Bild: Bernd Hanselmann
Im Umkehrschluss bedeutet das für Interessenten, dass ein praktikabel ausgestatteter T 70 S rund 70.000 Euro kostet, vielleicht ein bisschen mehr. Doch die Zielgruppe, erfahrene Camper, kann das nicht überraschen.
So fährt der T 70 S
Standardmäßig liefert Corigon den T 70 S mit dem 140-PS-Motor aus, dazu – erwartbar – das manuelle Sechsgang-Schaltgetriebe. Weil der T 70 S nicht allzu schwer ist (rund 2,8 Tonnen Leergewicht meldet der Hersteller), bewegt sich der Teilintegrierte ausreichend flott, fordert aber mit seinem langen hinteren Überhang Vorsicht in Kurven und beim Rangieren.
Mehr Leistung ist Luxus, das beweist der Aufpreis von 6499 Euro für die 180 PS starke Variante, immerhin samt Achtstufenautomatik. Beim Standardmotor kostet sie 3499 Euro extra.
Ab Werk dabei sind stets eine manuelle Klimaanlage, ebenso eine Geschwindigkeitsregelanlage und übliche Fiat-Assistenten wie Seitenwindstabilisierung, Traction+ oder Berganfahrhilfe. Das Wichtigste also, so die Nachricht, ist in jedem Fall an Bord.
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