Reisemobil-Neuheit: Westfalia Kipling
Schlafen ohne Umbau: der Urban Van mit festem Bett

Wie immer mehr in immer weniger passt, beweist Westfalia mit dem Kipling. Er bietet ein festes Querbett plus Toilette auf der Basis des Transit Custom.
Bild: Westfalia
- Thomas Rönnberg
Früher war nicht mehr Lametta, sondern manchmal auch weniger. In der Klasse der superkompakten Urban Vans – oder wie wir sie auch immer nennen wollen – konnten vier Menschen erst nach viel Umbau schlafen. Mehr ging im Auto gleichzeitig meist nicht.
Jetzt fährt Westfalia mit dem Kipling um die Ecke, benannt nach Rudyard Kipling, dem Autor von "Das Dschungelbuch". Als Basis nutzen die Franzosen (Westfalia war 2010 unter das Dach der Rapido-Gruppe geschlüpft) den bewährten Ford Transit Custom mit langem Radstand, der sich schon mehrfach als interessante Basis erwiesen hat. Sogar VW nutzt sie, um den neuen T7 als geklonten Zwilling entstehen zu lassen.

Hell und freundlich zeigt sich der Kipling. Der Tisch fällt für die Fahrzeugkategorie ziemlich groß aus.
Bild: Westfalia
Doch der Markt in dieser Klasse ist eng geworden. Die Kunden halten sich zurück. Da kann Unterscheiden helfen, und deswegen hat Westfalia bereits den Kelsey im Programm – in ähnlichem Format und mit einer Art Bad an Bord, Dusche und WC inklusive.
Kompakt und alltagstauglich
Für ein solches Mini-Wohnmobil genügen, wie beim neuen Kipling, knapp 5,50 Meter Alltagsauto. Und bei ihm muss nicht, wie bei den meisten, erst eine Sitz-Schlaf-Bank umgebaut werden. Nein, der Kipling kommt mit festem Querbett im Heck. Das geht, weil Westfalia ihm zwei Erker verpasst hat, damit 1,90 Meter Länge zusammenkommen. Breit ist das Bett 1,30 Meter – das ist in Summe nicht schlecht.
In einem Fach davor verbirgt sich, gegen Aufpreis allerdings, eine herausziehbare Kassettentoilette mit Spülung. Nur geduscht werden muss im Freien, der Anschluss ist vom Heck aus gut zugänglich. Ein abtrennbares Bad gibt es also nicht, doch einen gasbeheizten Warmwasserboiler.

Unter dem Bett hält der Kipling viel Stauraum bereit. Für das Erklimmen des Betts liegt eine Leiter lose dabei.
Bild: Westfalia
Also: fast alles an Bord. Und das Heckbett steht stets parat, ohne dass die Sitzgruppe umgebaut werden muss. Erstaunlich in einem Auto dieser Größe: Auch wenn hinten und oben geschlafen wird, lässt sich weiterhin kochen und am Tisch sitzen. Und es ließe sich sogar die Toilette nutzen, wobei dies eher eine praxisfremde Option sein dürfte.
Küche mit cleveren Details
Die Küche im Bereich der Schiebetür zeigt sich mit zwei Abdeckungen über Herd und Spüle funktional, der große Apothekerauszug ist praktisch. Der Kühlschrank, immerhin 51 Liter groß und mit Eisfach, sitzt auf der anderen Seite bequem in Griffhöhe.

Gut und schick gelöst ist die Küche, sogar mit indirekter Beleuchtung. Erstaunlich viel Platz bietet sie zudem.
Bild: Westfalia
Und wie sieht es mit dem Stauraum aus? Gar nicht schlecht: Zwei Schränke mit Schiebetüren auf der rechten Seite nehmen Gepäck auf, und unter dem Heckbett lässt sich auch größeres Sportgerät verstauen. Clever hat Westfalia das Querbett im Detail gelöst: So fest ist es nämlich nicht. Der Rost lässt sich von hinten wie von vorn auf die Hälfte zusammenschieben, die Matratze umklappen. Übrig bleibt ein Schlafplatz, dazu jedoch nochmals mehr Raum zum Laden.
Das alles macht den kompakten Kipling sehr speziell. Für den einen mag er die lange erwartete Universallösung sein, für den anderen eher ein unzumutbar enger Kompromiss. Was man zudem wissen sollte: Mit einem Startpreis von 68.190 Euro fällt er nicht wirklich günstig aus.
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