Reisemobil-Test: LMC Tourer Lift Ford H 664 G
Wie schneidet der LMC auf Ford-Basis im Dauertest ab?

Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Wenn ein neuer Testwagen kommt, ist das für uns immer ein ganz besonderer Moment. Wirkt das Reisemobil in freier Wildbahn so, wie wir es uns bei der Pressevorstellung ausgemalt haben? Welche Details wurden für die Serienfertigung noch verändert? Welche Verbesserungen gibt es gegenüber dem Vorgängermodell? Stimmt das Verhältnis von Preis zu Leistung? Wie praxisnah ist der Grundriss aufgeteilt? Und: Wie fährt es sich? Alles Fragen, die jetzt unbedingt geklärt werden wollen.
Zum Auftakt eines Dauertests steuern wir deshalb als Erstes unser abgesperrtes Testgelände an. Hier können wir gefahrlos und in aller gebotenen Sorgfalt in, auf und unters Mobil kriechen, alle Details inspizieren, Maße und Gewichte erheben und die Fahrsicherheit überprüfen.

Schön viel Arbeitsfläche und Stauraum in der Winkelküche.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Dazu fährt unser Fahrdynamik-Experte Tim Dahlgaard beispielsweise mehrere Ausweichversuche ("Elchtests") mit Geschwindigkeiten von bis zu 100 km/h, um die Abstimmung des Schleuderschutzes ESP bewerten zu können.
Das ist besonders bei Reisemobilen mit ihrem recht hohen Schwerpunkt sehr wichtig – Fehlfunktionen können hier bis zum Überschlag führen. Auch die Bremsen werden auf Standfestigkeit getestet. Zehn Vollbremsungen aus 100 km/h können die Bauteile so stark erhitzen, dass es zum sogenannten Fading kommt. Dabei lässt die Bremswirkung sukzessive nach, der Bremsweg wird länger – und entscheidet über Aufprall oder sicheren Stopp.
Technische Daten: LMC Tourer Lift Ford H 664 G
TECHNISCHE DATEN | LMC TOURER LIFT FORD H 664 G |
|---|---|
Motorisierung | 2.0 EcoBlue 170 |
Motor/Bauart/Zylinder/Einbaulage | Diesel/in Reihe/vier/vorn quer |
Hubraum | 1995 cm3 |
kW (PS) bei U/min | 125 (170) bei 3500 |
Nm bei U/min | 405 bei 1750 |
Höchstgeschwindigkeit | 140 km/h |
Getriebe | Sechsstufenautomatik |
Antrieb | Vorderrad |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | 235/65 R 16 C |
Reifentyp | Continental VanContact Eco |
Tankinhalt/Kraftstoffsorte | 70 l/Diesel + 24 l AdBlue |
Anhängelast gebremst/ungebremst | 1400/750 kg |
Länge/Breite/Höhe | 7060/2320/2830 mm |
Radstand | 3954 mm |
Testwagenpreis | 90.495 Euro |
Im schnellen Slalom zeigt sich dann, wie exakt die Lenkung arbeitet, wie das Mobil auf Lastwechsel reagiert, wie stark es wankt und letztlich auch, ob mangelhaft befestigte Einbauten eigene Wege gehen wollen. Manchmal verwinden sich die Aufbauten dabei auch, zeigen sich oder das Chassis als zu weich.
Kein besonders freundliches Aufnahmeritual, denken Sie jetzt? Tja, stimmt. Aber wir wollen doch wissen, mit wem wir uns da einlassen! Und wenn dann einer so freundlich und unkompliziert rüberkommt wie unser LMC hier, dann ist die Freude umso größer.
Ford Transit als Basis
Das ist er: Ein besonders beliebter Grundriss der Tourer-Baureihe, der aber ein alternatives Basisfahrzeug mitbringt: den Ford Transit. Der hat sich in den vergangenen Jahren wieder prima in der Branche etabliert. Seinen Einstand bei LMC gab er unter den Kastenwagen (Innovan 590 und 592); er ergänzt auch dort Ducato und Jumper.

Schöne offene Ablagen, stoffbespanntes und beleuchtetes Kopfteil am Bett – die Matratzen sind dick und bequem.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Bei den LMC-Teilintegrierten bildet die Tourer-Baureihe auf Jumper den Einstieg. Sie ist ab 71.900 Euro mit geradem Dachverlauf ohne Hubbett erhältlich oder mit Hubbett ("Lift") und vorn erhöhtem, geschwungenem Dach. Das ermöglicht eine tolle Stehhöhe von fast zwei Metern. Zudem ist das Hubbett formschön in den Dachhimmel integriert. Gefallen hat uns das – neben diversen weiteren Details – schon beim Test des Tourer Lift H 730 G, wodurch auch die Idee zu diesem Dauertest aufkam.
Und nun haben wir es mit einem etwas kleineren Lift-Grundriss zu tun, der auf klassische Werte setzt. So wird das Heck von zwei komfortabel erklimmbaren Längsbetten dominiert, die sich in eine Liegewiese verwandeln lassen. Trotz der dann eingehakten Leiter öffnet die Badezimmertür vollständig. Die Treppe offeriert sogar ein Wäschefach mit Durchreiche in den Heckstauraum. Und: Die Gardinen haben eine "Parkposition" neben den Fußenden, stören also nicht beim Schlafen!

Unterm TV gibt es vom Gang aus erreichbare Ablagefächer.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Beim Bad setzt LMC auf einen verschiebbaren Waschtisch, um den Raum optimal auszunutzen; mal sehen, wie sich das bewährt. Die Duschabtrennung teilt jedenfalls genug Platz zum Planschen zu. Ausreichend Ablagen gibt's auch, genau wie in der Küche gegenüber.
Sie profitiert vor allem vom halbhohen Schrank Richtung Bett und ihrer Winkelform. So wird wirklich viel Arbeitsfläche geboten. Die Spülenabdeckung reist in Haltern an der Schranktür sicher mit, in der beleuchteten Rückwand gibt's Platz für Gewürze.
Zwei Bordakkus mit von der Partie
Die große Kühl-Gefrier-Kombi hat neben dem Einstieg Platz genommen. Sie läuft nur mit Strom (Kompressor-Technik wie zu Hause), das muss man mögen. Denn die von der Umgebungstemperatur unabhängige Kühlleistung ist zwar über Zweifel erhaben, doch muss eben immer ausreichend "Saft" anliegen.
LMC spendiert daher zwei Bordakkus in Serie – tipptopp und echt konsequent; wir sind gespannt, wie lange sich damit in der Praxis kühlen lässt. Zudem sei erwähnt, dass eine Dieseltherme verbaut ist – die Gasflasche versorgt also lediglich den Herd.

Ein verschiebbares Waschbecken schafft bedarfsgerecht Platz im Bad.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Der Platz unter dem Kühlschrank wird jedenfalls durch ein Ablagefach genutzt. Neben ihm folgt ein schmales Sideboard mit TV-Platz und die Aufbautür, die mit ihrer überdurchschnittlichen Breite sowie dem Fenster sehr gut gefällt. Kleiderhaken gibt's hier vier, im Bad auch noch mal sechs plus Handtuchstange.
Das hat er: Eine gemütliche Halbdinette. Sie ist lichtdurchflutet, und das Raumgefühl wird nicht durchs Hubbett eingeschränkt. Der ergänzende, ausziehbare Seitenhocker erlaubt entspanntes Fläzen. Mit einer Einlegeplatte ist zudem der Tisch verlängerbar.
An Details wie diesen lässt sich ahnen, dass der Tourer Lift von Campern für Camper gemacht wurde. Er macht es seinen Nutzern leicht – und ist, zumindest in der "First Edition Ford", reichhaltig ausgestattet.

Massiver Thule-Heckträger mit Arretierung gegen Einklappen.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
So fährt er: Sicher und unkompliziert. Das Fahrwerk schafft es, den schwierigen Spagat zwischen komfortablem Ansprechen und straffer Rückmeldung zu meistern. Es dämpft Unebenheiten in der Fahrbahn feinfühlig, ohne schwammig zu wirken.
AUTO BILD-Messdaten: LMC Tourer Lift Ford H 664 G
Mess-Daten | LMC TOURER LIFT FORD H 664 G |
|---|---|
Max. Innenhöhe/-breite | 1985/2180 mm |
Bettenmaß Hubbett (L x B) | 1980 x 950 mm |
Bettenmaß Heck (L x B) | 1870/2020 x je 800 oder Liegewiese 2090 mm |
Masse fahrbereit | 3090 kg |
Zuladung/zlg. Gesamtgew. | 410/3500 kg |
Beschleunigung 0-50 km/h | 5,1 s |
0–80 km/h | 11,4 s |
0–100 km/h | 17,9 s |
Zwischenspurt 60–100 km/h | 11,5 s |
80–110 km/h | 14,2 s |
Wendekreis links/rechts | 15,6/15,7 m |
Bremsweg aus 100 km/h kalt | 40,5 m |
aus 100 km/h warm | 40,9 m |
Innengeräusch bei 50 km/h | 57 dB(A) |
bei 80 km/h | 63 dB(A) |
bei 100 km/h | 71 dB(A) |
Testverbrauch – CO2 | 11,1 l D - 294 g/km |
Reichweite | 630 km |
Zur Gewichtsersparnis kommen an der starren Hinterachse Blattfedern aus Kunststoff zum Einsatz. Dazu gesellen sich starke Bremsen, der stabile Geradeauslauf und ein relativ niedriges Geräuschniveau. So konnte der LMC in sämtlichen, eingangs beschriebenen Fahrdynamiktests überzeugen.
Auf ihn können wir uns also wirklich verlassen. Ist doch ein perfekter Start in die Dauertestbeziehung, oder?
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