Reisemobiltoilette: Clesana X1 im Test
Campingtoilette für 1100 Euro: Ist sie das Geld wert?

Eine Toilette, die Hinterlassenschaften in Beuteln einschweißt? Ein Trend? Wir haben die ungewöhnliche Campingtoilette Clesana X1 sechs Monate ausprobiert.
Bild: Axel Telzerow
- Axel Telzerow
Die Entsorgung der Toilettenkassette gehört zu den unbeliebtesten Aufgaben beim Campen. Die Clesana X1 will dieses Problem lösen – mit einer Toilette, die jede Nutzung einzeln in einer Hochbarriere-Folie verschweißt. Kein Wasser, keine Chemie, keine Kassette. Wir haben das ungewöhnliche System sechs Monate im Camper ausprobiert.
Aller Anfang ist schwer
Wer zum ersten Mal vor der Clesana steht, muss das Prinzip zunächst verstehen. Statt zu spülen, schließt der Nutzer nach dem Toilettengang den Deckel und startet per Knopfdruck den Verschweißvorgang. Wenige Sekunden später ist die Hinterlassenschaft luftund flüssigkeitsdicht verpackt. Um Folie zu sparen, lässt sich die Beutelgröße in S, M oder L wählen. Nach kurzer Eingewöhnung geht die Bedienung schnell in Fleisch und Blut über.

Dank Teleskopmechanismus lässt sich die Clesana X1 platzsparend transportieren.
Bild: Axel Telzerow
Im sechsmonatigen Praxistest arbeitete die Technik zuverlässig. Nur einmal geriet Toilettenpapier in die Schweißnaht, wodurch etwas Flüssigkeit austrat – die Auffangschublade fing sie jedoch vollständig auf.
Gerüche? Praktisch kein Thema
Einer der wichtigsten Punkte jeder Campingtoilette ist die Geruchsentwicklung. Hier hinterließ die Clesana im Test einen sehr guten Eindruck. Selbst bei sommerlichen Temperaturen blieb das System weitgehend unauffällig. Die verschweißten Beutel schließen Gerüche zuverlässig ein, sodass weder im Fahrzeug noch beim Öffnen der Schublade unangenehme Überraschungen auftraten.
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Im Vergleich zu klassischen Trenntoiletten, die auf einen separaten Urintank und Tierstreu für das große Geschäft setzen, ist die X1 in puncto Geruchsbelastung haushoch überlegen.
Stromversorgung unkompliziert
Der Strombedarf erwies sich im Test als überraschend gering. Die Toilette kann wahlweise über 12 oder 24 Volt, 230 Volt oder einen Akku vom Typ Einhell Power-XChange betrieben werden. Wir nutzten überwiegend den mitgelieferten Akku, unterwegs teilweise auch den 12-Volt-Anschluss einer Powerstation. Selbst auf längeren Reisen mussten wir uns um die Energieversorgung praktisch nie kümmern oder gar sorgen. Auch während des gesamten Testzeitraums wurde der Strombedarf nie zum kritischen Faktor.
Die Folgekosten nicht unterschätzen
Neben dem hohen Anschaffungspreis spielen natürlich auch die laufenden Kosten eine Rolle. Die Clesana X1 benötigt spezielle Hochbarriere-Folien sowie Absorber, die regelmäßig nachgekauft werden müssen. Je nach Nutzung entstehen dadurch Kosten von grob 25 bis 45 Cent pro Toilettengang.

Nach jeder Nutzung verschweißt die X1 Hinterlassenschaften luft- und flüssigkeitsdicht.
Bild: Axel Telzerow
Damit arbeitet die Verschweiß-Toilette deutlich teurer als klassische Kassettentoiletten oder viele Trenntoiletten. Wer jedoch regelmäßig frei steht und die gewonnene Unabhängigkeit von Entsorgungsstationen schätzt, dürfte die Mehrkosten im Alltag anders bewerten als Gelegenheitscamper, die überwiegend auf Campingplätzen unterwegs sind.
Nachteile bleiben nicht aus
Der größte Kritikpunkt bleibt der Preis. Mit rund 1100 Euro gehört die X1 zu den teuersten mobilen Toilettenlösungen auf dem Markt.
Hinzu kommen die laufenden Kosten für Folienliner und Absorber. Während eine klassische Kassettentoilette nach dem Kauf nur geringe Betriebskosten verursacht, entstehen bei jeder Nutzung der Clesana zusätzliche Ausgaben. Auch die Nachhaltigkeitsfrage wird nicht jeder Camper gleich bewerten. Zwar verzichtet das System vollständig auf Wasser und Sanitärchemie, gleichzeitig entstehen durch die einzelnen Beutel kontinuierlich Abfälle, die gesammelt und entsorgt werden müssen. Darüber hinaus benötigt man auf Reisen stets ausreichend Folienliner und Absorber als Vorrat. Wer diese vergisst, steht im Zweifel ohne funktionierende Toilette da.
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