Reisen und arbeiten: Tipps für das Mobile Office
Das sollte bei Workation beachtet werden

Reisen und arbeiten – davon träumen viele Camper. Doch was braucht man dafür? Und geht das rechtlich überhaupt? Wir klären, wie Workation möglich wird.
Bild: Jenny Zeume
Das Thema Workation ist in aller Munde. Besonders für Camper ist der Mix aus Reisen und mobilem Arbeiten attraktiv, schließlich hat man im Reisemobil alles dabei und ist maximal flexibel. Seit die Coronapandemie in vielen Branchen das mobile Arbeiten vorangetrieben hat, können sich immer mehr Arbeitnehmer vorstellen, für eine begrenzte Zeit Büro und Homeoffice gegen die Campingplätze Europas zu tauschen.
Die meisten haben dabei Bilder vom Tippen in der Hängematte am Traumstrand im Kopf. Schließlich leben es die Vanlife-Blogger in den sozialen Medien genau so vor. Vormittags ein paar Mails schreiben, mittags eine Runde surfen, am Nachmittag einige Meetings und abends mit den Füßen im Sand beim Sonnenuntergang einen Cocktail genießen. Doch ist Workation wirklich so einfach?
Workation: Disziplin und Eigenorganisation
Immer wieder höre ich von Freunden, was für ein Glück es sein muss, im Reisemobil unterwegs sein zu können. Und ja, das ist es. Es macht Spaß und ist aufregend – manchmal. Denn natürlich bringt das Arbeiten und Leben auf engstem Raum einige Herausforderungen mit sich und kann auch mal richtig nervig sein. Wer vom Reisemobil aus seiner Arbeit nachgeht, braucht – abgesehen vom passenden Job, in dem das überhaupt möglich ist – viel Disziplin und Eigenorganisation. Denn das Wort "Workation", das dieses mobile Arbeitsmodell beschreibt, beinhaltet nicht nur den Begriff "vacation" (Englisch für Urlaub), sondern auch "work" (auf Deutsch: Arbeit).

Arbeiten mit Ausblick. Das funktioniert bei sonnigem Wetter aber
meistens nur im Camper.
meistens nur im Camper.
Bild: Jenny Zeume
In der Sonne im See planschen und zwischendurch mal eben eine Mail schreiben? Das funktioniert nicht! Oft genug habe ich bei 30 Grad Außentemperatur und bestem Wetter ohne Klimaanlage mit zugezogenen Fensterverdunkelungen im Malibu gesessen, weil ich draußen im grellen Sonnenlicht nichts auf dem Display erkennen konnte. Eine ausgezogene Markise schafft zwar ein wenig Abhilfe, zum Beispiel bei Meetings, aber nicht genug, wenn man jedes Detail auf dem Bildschirm erkennen muss.
Arbeiten im Camper: Klare Gedanken durch aufgeräumten Arbeitsplatz
Schon im Homeoffice ist es schwer genug, sich nicht von den alltäglichen Dingen, die man noch erledigen muss, ablenken zu lassen. Dieser Effekt potenziert sich im Reisemobil, denn die To-do-Liste im Kopf ist um einiges komplexer, die Umgebung ungewohnter, und alltägliche Dinge wie Wäschewaschen sind aufwendiger und dauern länger. Daher ist es besonders wichtig, eine ruhige Umgebung und Routine zu schaffen und den Tag ganz klar in Arbeitszeit und Freizeit einzuteilen. Dazu gehört auch, Ordnung im Camper zu halten, denn ein aufgeräumter Arbeitsplatz sorgt für klare Gedanken.

An die mobile Powerstation von EcoFlow samt Solarpanel kann man den Laptop und bei Bedarf sogar das ganze Wohnmobil zum Laden anstecken.
Bild: Jenny Zeume
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass man – entgegen Vorurteilen, die über Workation kursieren – eher dazu neigt, länger am Rechner zu sitzen und Pausen zu vernachlässigen. Die Übergänge zwischen Job und privater Zeit verschwimmen. Gerade das Auslassen von Pausen führt aber dazu, dass sich das mobile Arbeiten stressiger anfühlen kann als das Arbeiten im Büro, obwohl man durch die Fenster des Campers die Adria sieht. Tipp: Feste Timer stellen, sowohl für Pausen als auch für den Feierabend. Das setzt klare Grenzen.
Mobile Office im Reisemobil: Fahrersitz ist nicht für das Arbeiten am Rechner konzipiert
Allerdings spielt auch hier Disziplin eine Rolle. Es bringt nichts, wie morgens im Bett den Snooze-Button zu drücken. Laptop zuklappen, aufstehen, den Körper strecken und raus aus dem Camper! Mir helfen kurze Yoga-Einheiten, um die verspannte Rücken- und Nackenmuskulatur zu lockern. Auch ein ausgedehnter Spaziergang nach Feierabend oder eine Schwimmeinheit im See tun gut. Weder die Rücksitzbank noch der Fahrersitz sind ergonomisch für das Arbeiten am Rechner konzipiert worden. Rückenproblemen mit Bewegung vorzubeugen, ist daher umso wichtiger.

So klein und so genial: Mit dem kabellosen HDMI-Extender kann man mit einem zweiten Bildschirm arbeiten.
Bild: Jenny Zeume
Ein großer Schwachpunkt beim Arbeiten im Camper ist die Technik. Besonders bei wichtigen Videomeetings, großen Dateien, die man verschicken muss, Clouds, in denen man arbeitet, oder geteilten Screens, an denen Schulungen stattfinden, muss die Internetverbindung stabil sein. Sonst ist Workation einfach nur frustrierend. Theoretisch haben zwar viele Campingplätze in Europa WLAN, praktisch reicht das aber meistens nicht bis zum Stellplatz oder ist viel zu langsam.
Arbeiten im Van: Wlan-Router und Musikbox sind ein Muss
Deshalb ist ein guter Router ein absolutes Muss für das Büromobil! Unser Malibu Van bekam bei der Nachrüstung das Modell Camper Connected von Megasat verbaut, das neben der LTE-Funktion über eine SIM-Karte zusätzlich als Repeater, also Verstärker, für vorhandene WLAN-Signale genutzt werden kann. Der Vorteil eines LTE-Routers: Durch seine Bauart und die Positionierung auf dem Dach des Campingfahrzeugs ist die Verbindung wesentlich stabiler als über einen Hotspot am Smartphone.

Guter Sound für die Lieblingsmusik darf nicht fehlen, ob bei der Arbeit oder im Feierabend. Hier fährt die JBL Flip 5 mit.
Bild: Jenny Zeume
Grundsätzlich sollte man vor der Abreise einen großen Testlauf machen und checken, ob die Technik einwandfrei läuft. Das gilt besonders für Camper, die überwiegend im Büro und damit im Firmennetz arbeiten. Funktioniert der VPN-Client? Laufen bald Passwörter ab? Habe ich alle Unterlagen dabei? Gute Vorbereitung ist das A und O! Dann können die Wochen im Reisemobil ein großartiges Erlebnis sein. Und auch der Chef ist eher geneigt, eine Workation erneut zu genehmigen, wenn der Workflow beim letzten Mal reibungslos war.
Mobile Office Gesetzgebung: Was bei Workation beachtet werden muss
"Gesetzlich haben Arbeitnehmer keinen Anspruch auf Workation. Ob jemand diese Form der mobilen Arbeit nutzen darf, muss mit dem Arbeitgeber geregelt werden. Üblicherweise ist im Arbeitsvertrag ein konkreter Arbeitsort vereinbart. Da kann ich meinem Chef nicht sagen, dass ich ab morgen in den Alpen am Rechner sitze. Auch wenn ich aktuell viel aus dem Homeoffice arbeite, hat der Arbeitgeber einen Anspruch darauf, dass ich jederzeit an den Arbeitsort komme. Deshalb sollte man von vornherein offen über das Thema sprechen und eine transparente Lösung finden. Dass ich ordnungsgemäß meine Arbeit erbringen kann, muss gegeben sein. Dazu gehören unter anderem die passende technische Ausstattung und eine stabile Internetverbindung. Ich muss erreichbar sein. Grundsätzlich kann man sagen: Workation in Deutschland ist unkompliziert, in der EU funktioniert es auch gut. Trotzdem muss man Workation vorher mit dem Arbeitgeber abklären beziehungsweise vereinbaren. Die größten Hürden gibt es in Drittländern", sagt Anwältin Dr. Astrid Schnabel.
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