Heutzutage noch ein überraschendes Campingkonzept auf dem Markt zu präsentieren, ist gar nicht so einfach. Der Campingboom der vergangenen Jahre brachte nämlich nicht nur astronomische Zulassungszahlen hervor, sondern auch unzählige Camperschmieden mit den verrücktesten Ideen.
Ralf Uhlhorn hat es dennoch geschafft, dass vielen seiner Standbesucher auf der Urlaubsmesse CMT 2024 die Kinnlade herunterfiel. Das Konzept von StarVan, das der Cloppenburger dort vorstellte, hatte in der Form nämlich noch niemand gesehen: Er präsentierte einen Mercedes Sprinter, der sich mit einem elektrischen Heck-Slide-out von 5,93 auf 7,13 Meter verlängern lässt. Der Gedanke dahinter: ein kompakter Camper, der nachts zum XXL-Van wird.
StarVan und BS Camperwerk
Im Campingmodus lässt sich der StarVan dank des Slide-outs von 5,93 auf 7,13 Meter verlängern. Das schafft viel Platz im Heckraum des kompakten Kastenwagens auf Mercedes-Sprinter-Basis.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Ralf Uhlhorn arbeitete früher als Wohnmobilverkäufer für verschiedenste Hersteller und nutzte seine Erfahrung mit Kunden, um ein ganz besonderes Campingfahrzeug zu entwickeln, bei dem Kastenwagenfans keine Kompromisse eingehen müssen. Die elektrische Variante des Slide-outs, die 3000 Euro extra kostet, fährt per Knopfdruck nach hinten. "Die Konstruktion ist besonders robust, denn wir verwenden dafür einen Förderbandmotor aus der Lebensmittelindustrie. Der wurde gebaut, um für fünf Jahre 24 Stunden lang an sieben Tage die Woche zu laufen. Der Hersteller der Technik hat mir per Handschlag versichert: Wenn einer der Motoren in unseren Fahrzeugen jemals ausfallen sollte, gibt's kostenlosen Ersatz", erklärt Uhlhorn.

Ausfahrbares Schlafzimmer

Rund 120 Kilogramm mehr bringt der Sprinter mit dem ungewöhnlichen Heckschlafzimmer auf die Waage. Das Bauteil selbst wiegt zwar mehr, doch das Gewicht der massiven Hecktüren entfällt. Eingebaut wird das Heckstück in Emsbüren (Niedersachsen) bei einem Spezialisten, der normalerweise die Einsatzfahrzeuge von THW und Rettungsdienst umrüstet.
Im Anschluss tritt der leere Mercedes Sprinter seine Reise nach Bad Bramstedt nördlich von Hamburg an. Bei BS Camperwerk entsteht der hochwertige Innenausbau, der aus dem Transporter einen echten Camper macht. Bereits seit 15 Jahren lassen Inhaber Björn Siebert und sein mittlerweile 15-köpfiges Team hier Campingträume wahr werden, für Autohäuser, kleine Marken und seit Anfang 2024 auch für Ralf Uhlhorn und StarVan.
StarVan und BS Camperwerk
StarVan-Erfinder Ralf Uhlhorn zeigt Redakteurin Jenny Zeume die Designauswahl.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Angefangen hat alles (wie so häufig) mit dem privaten Campingbus-Ausbau des Chefs, der auch noch zufällig gelernter Möbeltischler ist. Heute entstehen in Bad Bramstedt zahlreiche Van-Variationen auf den unterschiedlichsten Basisfahrzeugen.
Überraschend: Der VW Bus, Mutter aller Campingfahrzeuge, gehört bei BS Camperwerk nicht mehr zu den Dauergästen. "Das war lange anders", erzählt Björn Siebert. "Der Bulli war mal unser Hauptfahrzeug für Ausbauten. Aber mittlerweile entscheiden sich viele Kunden, auch aus Kostengründen, für Konkurrenten, zum Beispiel aus Frankreich." Von Gaskästen über Scharniere und Profile bis hin zu Kantblechen entwickelt BS Camperwerk alles im eigenen Haus. Die Produktion übernimmt ein Partnerbetrieb.
StarVan und BS Camperwerk
Der moderne Mercedes Sprinter bildet die Basis des Vans.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
„Seit der Corona-Pandemie haben wir unsere eigene Schneiderei“, erklärt der 44-jährige Chef. "Gerade in dieser Zeit hat sich nämlich gezeigt, dass Abhängigkeit von zu vielen Zulieferern nicht gut ist." Das und die Tatsache, dass BS Camperwerk noch eine echte Manufaktur ist, ermöglichen einen hohen Individualisierungsgrad der ungewöhnlichen Slide-out-Vans. Ob Polster, Möbeloptik oder andere Kleinigkeiten: Björn Siebert versucht jeden Wunsch zu erfüllen.
Die Teile für die StarVan-Ausbauten werden in der hauseigenen CNC-Fräse zugeschnitten. Die Fronten der Möbel bestehen aus einem Leichtbaumaterial, der Rest aus dem bei Camper-Manufakturen so beliebten Pappelsperrholz. Zwei Modelle stehen aktuell zur Auswahl: der StarVan Cruiser mit Hinterradantrieb und 3,5-Tonnen-Zulassung sowie die 4,2 Tonnen schwere Allradvariante Rebel 4x4, den Ralf Uhlhorn zum Fototermin bei BS Camperwerk mitbrachte.
StarVan und BS Camperwerk
Die Küche hat eine optimale Größe für zwei Camper. Der Induktionsherd ist optional.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Mit 139.990 Euro (Cruiser) und 161.900 Euro (Rebel 4x4) Startpreis sind die ungewöhnlichen StarVans wahrlich nichts für den kleinen Geldbeutel. Dafür bekommen Camper, die wissen, was sie wollen, einen ganz besonderen, individualisierbaren Kastenwagen ganz nach ihrem Geschmack. Zudem bietet Ralf Uhlhorn seinen Kunden eine ordentliche Ausstattung ab Werk an. Neben dem (serienmäßig manuell bedienbaren) Heckauszug gehören unter anderem Solaranlage, Trockentrenntoilette, unterflur verbauter 20-Liter-Gastank, Dieselheizung und elektrische Abwasserventile dazu. Ein gelungenes Konzept, das auch eingefleischte Camper noch überraschen kann.