Diese Geschichte hatte für die Viehwegs aus dem schönen Ammerland (Niedersachsen) ein Happy End, das nehmen wir schon mal vorweg. Aber das war so nicht abzusehen, dafür mussten sie kämpfen, haben zuerst einen Rechtsanwalt und dann AUTO BILD REISEMOBIL eingeschaltet. Bertram Viehweg (71) und seine Frau Sabine (63) haben übers Internet bei einem großen Händler ein Wohnmobil gekauft, das sich kurze Zeit später als Kernschrott erwies.
Rückblick. Sie hatten sich alles so schön vorgestellt, welch eine Vorfreude auf das neue Familienmitglied. Die Viehwegs haben einen Teil der Gartenmauer weggenommen, Rhododendren abgeholzt, weißen Kies für den Stellplatz aufgeschüttet. Und dann das.
Hilfe, wir haben Schrott gekauft! 17500 Euro haben sie für ihr Wohnmobil gezahlt, vorn und unten ein Fiat Ducato von 1995, knapp 200000 Kilometer auf der Uhr, Aufbau von Fendt; auf 6,75 Meter Länge gibt es Doppelbett, Dusche, Toilette, Wassertank, Küche, Sitzecke.
UND FEUCHTIGKEIT!
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Bestandsaufnahme: Unser Reporter Andreas May notiert, was am Fahrzeug der Viehwegs defekt ist.

"Mitte September haben wir den Camper bei einem Händler abgeholt", sagt Bertram Viehweg. Der Rentner ist gelernter Elektriker, handwerklich versiert und hat sich gleich an die Arbeit gemacht. Bad auf Vordermann gebracht, Wände lackiert, neue Matratze besorgt, die bunten 90er-Jahre-Polster runtergenommen und neu beziehen lassen.

Alles durchgefault

Doch dann kam der große Regen im Oktober, und dann war da dieser muffige Geruch. Viehweg nahm einen Schrank direkt neben dem Seiteneingang heraus: "Alles faul!" Dann nahm er den Belag an der Eingangstür hoch: unten Holz, drüber Styropor, der Bodenbelag. Aber auch hier alles durchgefault. Zwischen Bett und WC wäre er fast durchgekracht, so morsch ist es.
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Der Fußboden im Eingangsbereich: alles faul, morsch, marode. Der Sachverständige sagt: Totalschaden.

Ein klarer Fall für Gutachter Oliver Hallix aus Wilhelmshaven, der auch Vizechef des Caravaning-Gutachter-Fachverbands (CGF) ist und mit seinen Kollegen im Auftrag des ADAC deutschlandweit Wohnmobile prüft.
Dieses hier leider erst nach Kauf. Hallix ist auf 180, wenn er so was sieht, solch einen Murks: "Der Wohnmobilmarkt ist wegen der hohen Nachfrage derart überhitzt, dass solch fahrender Schrott angeboten wird – und die Leute kaufen das auch noch, weil sie Händler und frischem HU-Stempel vertrauen." Der Gutachter ist spezialisiert auf Wohnwagen und Wohnmobile, sieht derlei Schäden vier- bis fünfmal im Jahr. "Aber so schlimm war es noch nie."
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Das Bad hat Herr Viehweg schon renoviert.

Die große Frage lautet: Hat der Händler bei Ankauf keinen Feuchtigkeits-Check gemacht? Fest steht laut Gutachten: wirtschaftlicher Totalschaden, die fachgerechte Reparatur kostet 25.411,34 Euro. Hallix empfiehlt: "Sofort abmelden. Der Camper ist zwar fahrfähig, aber nicht verkehrssicher." (Konzeptvergleich mit vier Campern: Welcher ist der richtige für Sie?)

Händler reagiert

Die Viehwegs haben sich auf den ersten Schreck einen Anwalt genommen. Ralf Rosenbäck machte gleich Druck, sagt: "Eine Nachbesserung ist nicht zumutbar, da das Vertrauensverhältnis zerstört ist." Dann schaltet sich AUTO BILD REISEMOBIL ein, einen Tag später reagiert der Händler per Mail: "Selbstverständlich sind wir auch weiterhin bereit, die Gewährleistungsansprüche zu erfüllen und das Fahrzeug auf Wunsch des Kunden gegen Erstattung des Kaufpreises zurückzunehmen."
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Der 2,5-Liter-Diesel aus dem Fiat Ducato hat keinen Turbo und hält ewig. Ein Ölwechsel war bei 17.500 Euro aber nicht mit drin.

Fairer Zug! Außerdem will der Händler seine Qualitätsstandards prüfen, damit so was nicht mehr passiert: "Warum im Rahmen der Prüfung der Feuchtigkeitsschaden offensichtlich nicht hinreichend festgestellt und beseitigt werden konnte, ist für mich nicht mehr nachvollziehbar." Vielleicht sollte er über den ADAC-Camper-Check nachdenken. Hallix und seine Gutachter-Kollegen des CGF prüfen deutschlandweit ab 199 Euro auf sämtliche Schäden – für Gewerbe und privat. Die Viehwegs setzen nun auch auf den Profi-Check, denn sie wollen wieder ein neues altes Wohnmobil!

Wohnmobil-Check über den ADAC

Ist mein Camper das Geld wert? Um das zu klären, gibt es den ADAC Caravan- Gebrauchtwagen- Check für Wohnmobile und Wohn-wagen. Der ADAC arbeitet dabei mit dem Caravaning-Gutachter-Fachverband e. V. (CGF) zusammen. Der Check kostet je nach Größe 199 bis 350 Euro, richtet sich derzeit an Händler, soll dieses Jahr auch für Privatleute angeboten werden. Die Sachverständigen des CGF (cgf-ev.de) prüfen bereits jetzt für Private.