InterviewTermin mit Rolf Zuckowski im Café an der Hamburger Außenalster. Zuckowski bestellt ein Alster, der Interviewer zwei Kugeln Eis. Vanille und Erdbeere. Als Warm-up, bevor es ernst wird, möchte er Rolf noch kurz auf die Enten aufmerksam machen, die gerade zum Tauchen ansetzen.
Henny Karkheck ist Schul- und somit Verkehrsanfänger. Sechs Jahre alt, Fahrradfahrer, Fußgänger, Mitfahrer im Auto. Dass er bei Rot anhalten und im Pkw hinten sitzen muss, weiß er von Rolf Zuckowski.
Dessen "Schulweg-Hitparade" ist die musikalische Bibel der deutschen Verkehrserziehung. Und zwar seit 1979. Klar, Zuckowski hat auch Stücke geschrieben wie "Guten Morgen, Sonnenschein" für Nana Mouskouri.
Rolf Zuckowski
Stets dabei hat Zuckowski zwei Bestimmungstafeln für Vögel und Bäume.

Aber die echten Evergreens heißen "Mein Platz im Auto ist hinten" oder "Zebrastreifen". Ohrwürmer, die sich einprägen – auch inhaltlich. Dann wird’s investigativ:
Was fährst du für ein Auto, Rolf? Rolf Zuckowski: "Ich habe einen Westfalia Club Joker – das ist schon mein fünftes Wohnmobil. Und einen Toyota Yaris Hybrid, mit dem ich durchaus bis nach Berlin fahre. Ich hatte aber auch mal größere Autos, der Rover 75 etwa hat mir gut gefallen."
Bist du schon mal zu schnell gefahren? Zuckowski (lacht): "Nein, nieeee! Aber ich habe aktuell, glaube ich, keine Punkte. Wobei ich nicht rase, mein Reisetempo liegt zwischen 120 und 140 km/h."
Wohin fährst du mit deinem Wohnmobil? Zuckowski: "Wir waren in Schweden, in Spanien und gerade in der Schweiz. Wir schlafen allerdings nie im Auto. Wobei – nächstes Jahr wohl doch, da wollen wir nach Norwegen."
Der Interviewer ist inzwischen zu den Enten gegangen, er hat keine weiteren Fragen, und das Eis ist auch aufgegessen. Na gut, erzählt Herr Zuckowski eben dem Fotografen ein wenig aus seinen 75 Lebensjahren.
Rolf Zuckowski
Sicher über die Straße – Interviewer und Interviewter an der Hamburger Außenalster.

Das erste Mal ans Steuer eines Autos durfte er als Kind. Bei seinem Onkel Kurt lenkte er auf Autobahnfahrten den Buckel-Ford. Denn Onkel Kurt hatte im Krieg einen Arm verloren – was das Zigarilloanzünden während der Fahrt schwierig machte.
"Also saß ich auf dem Beifahrersitz und lenkte", sagt Rolf Zuckowski. "Gurte gab's ja noch nicht." Alle Beteiligten überlebten, ein Wirtschaftswunderzeit-Wunder.

Zuckowski spielt in der Kantine vor

Dass Zuckowski später zum großen Verkehrserklärer werden sollte, hat viel mit BILD und Axel Springer zu tun, dem Verlag, in dem auch AUTO BILD erscheint. Und das kam so: "Ich hatte die Verkehrslieder geschrieben und suchte eine Plattenfirma dafür. Aber die wollten die Hälfte der Produktionskosten von mir – so viel Geld hatte ich nicht."
Rolf Zuckowski
"Der Westfalia ist mein fünftes Wohnmobil. Im Alkoven reisen meine Instrumente mit", verrät Rolf Zuckowski.

Als Zuckowski dann las, dass die BILD-Aktion "Ein Herz für Kinder" im Fernsehen vorgestellt werden würde, setzte er sich mit seiner Gitarre einfach in die Kantine beim NDR, wo er auf BILD-Chefredakteur Peter Bartels (heute 79) wartete. "Dem spielte ich ‚Ich hab mich verlaufen‘ vor, und er war sehr gerührt." Bartels nahm Zuckowski kurzerhand mit in die Sendung. Der Rest ist (Erfolgs-) Geschichte.
Fachliche Beratung holte er sich vom Polizeiverkehrslehrer an der Grundschule seiner Tochter Anuschka und vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat. "Ich konnte ja nicht einfach so drauflossingen."

Auto ein wichtiger Ort zum Nachdenken

Für ihn selbst, sagt Zuckowski, sei das Auto ein wichtiger Ort zum Nachdenken. Viele Stücke seien auf der Autobahn entstanden. Etwa 1987 "In der Weihnachtsbäckerei". "Da hatte ich mir zum ersten Mal ein Autotelefon geliehen und zu Hause angerufen. Dort wurden gerade Plätzchen gebacken." Kurz danach, irgendwo auf der A 1 zwischen Bochum und Hamburg, war der Song fertig. Premiere hatte er bei "Wetten, dass..?".
Rolf Zuckowski
Am Ende gibt's Autogramme. Für Henny und seine Kollegen in der 1B von Frau Hüller.

Heute, mit 75 Jahren, fahre er zwar noch gern Auto, sagt Zuckowski. Aber der Verkehr sei anstrengender geworden. "Ich bin daher für ein Tempolimit auf den Autobahnen, das würde ein friedfertigeres Miteinander fördern. Ich glaube, dass es sich langfristig sogar auf den Volkscharakter auswirken würde." (Hymer Free S 600 und Westfalia Sven Hedin im Vergleich)
Im Lauf der Jahrzehnte hat Rolf Zuckowski mit seinen Ohrwürmern Deutschland ein wenig sicherer gemacht. Starben 1978 noch 1449 Kinder im Straßenverkehr, waren es im Jahr 2020 noch 48. Gurten und Gitarre sei Dank.
Am Ende zeigt Zuckowski dem Interviewer noch sein Wohnmobil und überreicht ihm ein Autogramm. "Ich bräuchte allerdings auch noch welche für meine Freunde in der Grundschule Wohltorf", sagt der Interviewer.
Dann muss Rolf Zuckowski los. Nachdem er weg ist, fragt der Interviewer den Fotografen: "Papa, wird jetzt eigentlich Rolf Zuckowski berühmter durch das Interview oder wir beide?"