Retter oder Verderber? Tja – schwer zu sagen. Als General Motors (GM) 1990 bei Saab einstieg, war das Überleben der Schweden-Marke erst einmal gesichert. Gleichteile-Politik war der Preis dafür. Und der 900 das erste GM-Saab-Modell. Im Juni 1993 kam er heraus, und zum Schrecken eingefleischter Saab-Anhänger basierte er rein technisch auf allerlei Opel-Komponenten. Nach dem sogenannten "New Generation"-Fünftürer kamen Anfang 1994 das dreitürige Coupé und das bei Valmet im finnischen Uusikaupunki gefertigte Cabriolet dazu. Keilform, Schrägheck, lange Schnauze – die Form war Saab, aber die Qualität früher 900-II-Modelle fühlte sich nach Chevy an: dünnes Blech, Knarzen, labile Vorderachsen, Kupplungsseil statt Hydraulik – Saab war gerettet, aber wertig war das Auto nicht.
"Erst 1995/96 waren die gröbsten Kinderkrankheiten beseitigt", sagt Erik Bende, freischaffender Saab-Spezialist aus Karben bei Frankfurt am Main. "Die späten Typen sind eindeutig besser." Die mit zwei Ausgleichswellen arbeitenden Saab-Vierzylinder gab es als Sauger mit 2,0 und 2,3 Liter Hubraum (133 beziehungsweise 130 oder 150 PS) sowie als Zweiliter-Turbo mit 185 PS. Der solide 2,5-Liter-V6 mit 170 PS aus Opel- Produktion kam nur auf geringe Stückzahlen.

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Während der V6 einen Zahnriemen hat, arbeiten die Vierzylinder mit Steuerketten. "Der Kettentrieb muss meist erst bei hohen Laufleistungen erneuert werden, dafür verlangen alle Vierzylinder regelmäßige Ölwechsel, um Ölschlammbildung zu vermeiden", sagt Bende. Schäden am Turbolader kommen vor, sind aber nicht die Regel.  Neben Fünfgang-Schaltgetriebe und Vierstufenautomatik bot Saab die (unbeliebte) Sensonic, eine Halbautomatik mit elektrohydraulischer Kupplung, in Verbindung mit dem Turbomotor an. Die nächste Neuerung hieß Saab 9-3: 1998 erschien der in 1200 Teilen überarbeitete Nachfolger des 900 II.
Auf welche Mängel man beim Kauf eines Saab 900 achten sollte, zeigen wir oben in der Bildergalerie. Außerdem werfen wir einen Blick auf weitere Mittelklasse-Limousinen und sagen, wer beim TÜV gut abschneidet.

Fazit

Die Marke Saab ist Geschich­te, doch der 900 SE Turbo ist ein attraktiver Gebrauchter: Für 2500 Euro gibt es hier ein richtig ordentliches Auto. Wertung: vier von fünf Sternen.