Schwedische Studie
Airbags sind für Männer gut

Für Frauen ist die Schleudertrauma-Gefahr bei Auffahrunfällen dreimal so hoch wie für Männer. Das könnte an männlich genormten Crashtest-Dummies liegen, wie eine Studie der Umea Universität in Schweden nahelegt.
- Irene Habich
Frauen setzen sich anders ins Auto als Männer. Sie sitzen höher, klemmen sich dichter hinter das Lenkrad und stellen die Rückenlehne oft steiler ein. Das alles berücksichtigt der Crashtest von Euro NCAP, ein gängiger Test in der Auto-Entwicklung, bisher nicht. An der schwedischen Universität untersuchte Bertil Johnson zunächst die Daten von 400 Unfallopfern, welche die Versicherungsagentur Folksam zur Verfügung stellte. Das besondere Augenmerk galt dem Auftreten von Schleudertraumata im Geschlechtervergleich. Danach studierte er das Sitzverhalten von 200 männlichen und weiblichen Probanden im Auto. Die Ergebnisse wurden analysiert, und mit dem Standard-Crash-Test-Dummie BioRID verglichen.
Optimale Sitzeinstellung mitentscheidend

Bild: AUTO BILD - Werk
Verletzungsrisiko für Halswirbel stark reduziert
Auch er sieht Probleme für Menschen, die körperlich aus dem genormten Raster fallen. "Meine Frau ist 1,50 Meter und sitzt beim Fahren auf einem Kissen, natürlich ist sie stärker gefährdet", sagt Maurer. In einem solchen Fall sei sogar der genormte Airbag wenig hilfreich. Auch verweist er auf den Einfluss von Trainingszustand und Nackenmuskulatur auf das Verletzungsrisiko - einer der Gründe "warum ein Formel-Eins-Fahrer nach der Kollision unverletzt aussteigen kann". Solche Einflüsse ließen sich an Dummies nicht testen, die nicht jedem gerecht werden könnten.
Wichtigster Gefahrenpunkt für ein Schleudertrauma ist der Abstand zwischen Kopf und Nackenstütze, der nicht mehr als fünf Zentimeter betragen sollte. Das Trauma wird mit dem Fachbegriff Halswirbelsäulen-Distorsion bezeichnet, und entsteht durch die ruckartige Überstreckung oder Beugung des Kopfes, was bei einem Auffahrunfall gegeben ist. Betroffene leiden an einer schmerzhaften Versteifung der Halses, bis hin zur Bandscheibenverletzung. Durch gezielte Forschung konnte das Risiko für derartige Unfallfolgen in der Vergangenheit bereits um 50 Prozent reduziert werden. Nun gilt es, die schwedischen Studienergebnisse umzusetzen. Interesse daran dürften auch Unfallversicherungen haben. Vorerst fordern die Schweden weitere Untersuchungen und eine BioRID-Frau.
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