Recht viel Haltbares haben uns die Achtziger ja nicht vermacht. Leopardenleggins sind inzwischen jedenfalls ebenso in der Versenkung verschwunden wie Hasselhoff, Walkman oder die vielen automobilen Gemeinheiten, deren lapidare Rostvorsorge aus heutiger Sicht fast als Akt der Nächstenliebe zu werten ist. Doch das Jahrzehnt der Geschmacksstrapazen erlebt nicht nur den vorübergehenden Offenbarungseid des Karosseriedesigns, sondern auch den Boom wilder Kleinwagen wie Fiat Uno Turbo oder Peugeot 205 GTi, die bis heute Hauptrollen spielen, wenn es in Gruselgeschichten um zumachende Kurven, eigenes Nixdafür-Können und Straßengräben im Thüringischen geht.
Ford Fiesta ST
Der Fiesta neigt sich stärker, was jedoch zum lockereren Fahrverhalten passt.
Bild: Ronald Sassen
Ford Fiesta Warum wir Ihnen das erzählen? Weil man sich im neuen Fiesta ST an eben jene Tage erinnert fühlt. Nicht dass der Ford ein garstiges oder gar heikles Auto wäre, im Gegenteil, sondern wegen dieses besonderen Talents, sich mit dem Gaspedal lenken zu lassen, das die allermeisten seiner Artgenossen mittlerweile verlernt haben. Anmerken, dass er etwas anders ist als die anderen, lässt er sich aber nicht. Vielmehr hangelt er sich konstruktiv recht strikt am gängigen Leitfaden für Spaßbüchsen entlang. Ein Sportfahrwerk senkt Karosserie und Schwerpunkt um 15 Millimeter ab, Spoiler und Schweller flippen die Optik aus, während ein Turbo-Vierzylinder die Backen mit 182 PS ausstopft.
Seat Ibiza Cupra
Über Land ist der Unterscheid zum leichteren ST kleiner, als es die Rundenzeit vermuten lässt.

Bild: Ronald Sassen
Seat Ibiza Und natürlich ist es reinster Zufall, dass er damit gerade so oberhalb eines Polo GTI rangiert, dessen Technik auch der Ibiza Cupra drunter trägt. Der Seat ist das rassigste Mitglied im VW-Kleinwagenkonglomerat, verkörpert im Gegensatz zum Ford aber die moderne, zivilisierte Auffassung vom starken Kleinwagen. Den 180 PS müssen 1,4 Liter Hubraum reichen; ums Schalten – damit macht man sich ja heute nicht mehr die Finger schmutzig – kümmert sich ein Doppelkuppler, und ESP bleibt selbst im Off-Modus on. Alles beim Alten also im – Zitat – "neuen Ibiza"? Nahezu! Front und Heck hat man mit LEDs im Zuge des Liftings etwas nachgeschminkt, die einst finsteren Höhleninstrumente kriechen ein Stückchen Richtung Tageslicht.
Wie sich die zwei sportlichen Kleinwagen am Ende schlagen, das lesen Sie oben in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel gibt's auch im Online-Heftarchiv als pdf-Download.

Fazit

von

Stefan Helmreich
Mit dem Fiesta ST zeigt Ford, wie ein Spaßauto zu sein hat. Laut, simpel, günstig, vorwitzig wenn man will, und richtig schnell, wenn es soll. Volltreffer! Seat hingegen wird Opfer der VW-Philosophie, die mit dem fixen, aber zu diskreten DSG und dem übervorsichtigen ESP zwar moderner, aber lange nicht so wirkungsvoll rüberkommt.