Simulator-Tracktest
Mit Vettels Red Bull in Silverstone

Wie sich Sebastian Vettel im Red Bull-Simulator auf den Großen Preis von Großbritannien in Silverstone vorbereitet. ABMS-Reporterin Bianca Garloff über den Tracktest der etwas anderen Art.
Bild: Peter J Fox
Nun gut. Kurve eins kann ich ruhig mit Vollgas nehmen, hat mir mein Instruktor gerade zugerufen. Mein Fuß steht also voll auf dem Gas, mit der rechten Hand ziehe ich so oft an der Schaltwippe, bis eine rote Sieben auf meinem Lenkrad aufleuchtet. Und dann kommt sie. Copse Corner. Die erste Kurve des Silverstone Circuit . Mein Red-Bull -Renault kann sie zwar locker mit Tempo 280 durchfahren, für mich aber ist sie viel zu schnell. Jedenfalls holpere ich über den linken Randstein, hebe ab und knalle brutal in die Streckenbegrenzung. "Autsch", denkt mein Gehirn. Doch mein Körper spürt keinen Schmerz.
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Harte Arbeit
"Die mechanische Seite des Simulators kommt der Realität sehr nahe", urteilt Vettel. "Was fehlt, sind die physikalischen Aspekte. Du spürst keinen Wind oder Regen, auch keine G-Kräfte wie im richtigen Leben." Nur die Vor-zurück-links-rechts-Schaukelbewegung der sechs Hydraulikstempel unter mir. Was für mich trotzdem Spaß ist, bedeutet für den Rennfahrer harte Arbeit. Mit Blick auf die 180-Grad-Leinwand probiert Vettel Abstimmungsvarianten, testet neue Teile, übt neue Rennstrecken. Vettel: "Wenn wir den Frontflügel verstellen, spüre ich sogar mehr oder weniger Untersteuern." Ich spüre nicht mal den Schleifpunkt der Kupplung. Wäre da nicht das Anti-Abwürg-Programm, stünde ich immer noch in der Box. Und sonst? In meinen 30 Simulator-Minuten habe ich mich gefühlte 50-mal gedreht, bin dreimal hart abgeflogen und habe nur zwei fehlerlose Runden gedreht. Meine schnellste Rundenzeit lag bei 1.37,5 Minuten. Damit war ich 17 Sekunden langsamer als Vettel. Aber immerhin: Ich war schneller als zwei männliche Journalistenkollegen. Der eine hat einfach keine Runde ohne Dreher beendet. Der andere musste wegen Übelkeit nach sechs Umläufen aufgeben. Es gibt eine englische Rennfahrerweisheit, die besagt: "To finish first, you have to finish first." Um als Erster das Ziel zu erreichen, musst du es erst einmal erreichen. Tja …
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