Skoda Kodiaq 1: Gebrauchtwagen-Test
Das hat der gebrauchte Kodiaq zu bieten

Bild: Christoph Börries
Für eine starke Marke braucht es die richtigen Topmodelle. Für Skoda war und ist der Kodiaq ein Imagebooster. Das im Frühjahr 2017 vorgestellte SUV bietet üppigen Platz und Komfort auf noch sozialverträglichen 4,70 Meter Länge. Und war als Neufahrzeug preislich für Um- und Aufsteiger in der Mittelklasse interessant. Besonders Dienstwagen-Nutzer fahren auf den Kodiaq ab, im Jahr 2022 reichte es für Platz 8 in den Business-Charts.
Skoda Kodiaq – der sanfte Riese
Das ist er: Ein eleganter Brocken, konstruiert auf der MQB-Plattform des VW-Konzerns. Der im tschechischen Kvasiny gefertigte Kodiaq ist technisch eng mit seinen MQB-Baukastengeschwistern VW Tiguan Allspace und Seat Tarraco verwandt. Den Basismotorisierungen muss standardmäßig brave Frontantriebstechnik genügen. Erst ab 180 PS aufwärts fährt der Kodiaq serienmäßig mit Haldex-Allradantrieb vor. Ein Facelift 2021 fiel dezent aus, der Grundcharakter vom Typ sanfter Riese blieb von Skoda unangetastet.

Das Design des Kodiaq altert gut. Das SUV wirkt recht elegant und ist gleichzeitig funktional.
Bild: Christoph Börries
Im Detail ist der Kodiaq wertiger als der Tiguan
Das hat er: Die Lizenz zum Reisen. Mit seinem luftigen Raumangebot und den bequem gepolsterten Vordersesseln thront man im Kodiaq so erhaben wie in manch Oberklassemodell. In Reihe zwei gibt es enorm viel Bewegungsfreiheit, der Sitzkomfort dort ist jedoch spürbar bescheidener. In Verarbeitungsfragen macht dem Kodiaq so schnell keiner was vor. Der Tscheche wirkt im Detail sogar wertiger gemacht als sein Wolfsburger Pendant. Verarbeitungspatzer sind selten ein Thema. Einzig die Kofferraumauskleidung fällt leicht ab, wirkt eher zweckmäßig.
Technische Daten
1.4 TSI | 2.0 TDI SCR 4x4 DSG | 2.0 TDI RS | |
|---|---|---|---|
Motor | Vierzylinder/vorn quer | Vierzylinder/vorn quer | Vierzylinder/vorn quer |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 |
Hubraum | 1395 cm³ | 1968 cm³ | 1968 cm³ |
Leistung | 92 kW (125 PS) bei 5000/min | 140 kW (190 PS) bei 3500/min | 176 kW (240 PS) bei 4000/min |
Drehmoment | 200 Nm bei 1400/min | 400 Nm bei 1750/min | 500 Nm bei 1750/min |
Höchstgeschwindigkeit | 190 km/h | 210 km/h | 221 km/h |
0–100 km/h | 10,5 s | 8,9 s | 6,9 s |
Tank/Kraftstoff | 60 l/Super | 60 l/Diesel | 60 l/Diesel |
Getriebe/Antrieb | Sechsgang man./Vorderrad | Siebengang-DSG/Allrad | Siebengang-DSG/Allrad |
Länge/Breite/Höhe | 4697/1882/1660 mm | 4697/1882/1676 mm | 4697/1882/1665 mm |
Kofferraumvolumen | 650-2065 l | 650-2065 l | 650-2065 l |
Leergewicht/Zuladung | 1502/575 kg | 1752/600 kg | 1880/541 kg |
Dafür sind 176.349 Kilometer erfreulich unkritisch: Der Aufbau des Kilometerfresser-Fotofahrzeugs pariert geräuschlos Frostaufbrüche und läuft stoisch geradeaus. Da sich der Neuwagenbesteller unseres vom Autohus in Gyhum/Bockel zur Verfügung gestellten Testfahrzeugs einst nicht lumpen ließ, kommen Premiumgefühle auf. Elektrische Ledersitze mit Heizung und Belüftungsfunktion, Panoramadach, Kamerasystem und elektrische Heckklappe sind echte Alltagshighlights mit hoher Halbwertzeit. Teuer und gesucht sind generell die üppig ausstaffierten Ausstattungslinien RS und Laurin & Klement.

Kein Anlass zur Kritik: Der Kodiaq wirkt gediegen, aber nicht übertrieben gemacht.
Bild: Christoph Börries
Wie glücklich Gespannfahrer mit dem Kodiaq werden, hängt stark von der jeweiligen Konfiguration ab. Während der schlappe 1.4-TSI-Basisbenziner mit 125 PS nur 1600 Kilogramm ziehen darf, nimmt der 150 PS starke 2.0 TDI als solider Allrounder bis zu 2500 Kilogramm an den ausschwenkbaren Haken. Der von uns gefahrene 190-PS-TDI darf 2,3 Tonnen ziehen, was für kleinere Boote und Pferdeanhänger langt. Die größte Fahrfreude bereitet dafür der sportliche RS mit 240 PS. Zur Freude von Großfamilien war optional eine dritte Sitzreihe mit zwei aus dem Laderaum ausklappbaren Sitzen bestellbar. Mit dritter Reihe fällt die Anhängelast je nach Motorisierung um 200 bis 300 Kilogramm geringer aus. Empfehlenswert ist die Trailer-Assist-Funktion, die ungeübten Fahrern die Angst vor dem Rangieren mit Hänger am Haken nimmt.
Stärken
- Sehr gute Allroundeigenschaften
- Hervorragendes Platzangebot
- Breite Motorenpalette
Schwächen
- Viele Assistenzsysteme neu nur gegen Aufpreis
- Geräuschdämmung nur durchschnittlich
- Mäßige Rundumsicht
In der City wird's eng
So fährt er: Durch die erhabene Sitzposition fühlt man sich auf langen Strecken zu Hause. Besonders mit optionalem DCC-Fahrwerk federt der Kodiaq geschmeidig. Ab Autobahnrichtgeschwindigkeit bauen sich, auch ohne Panoramadach, spürbar Windgeräusche auf. Die Handlichkeit ist abmessungsbedingt in Städten grenzwertig, etliche Assistenten kosteten leider Aufpreis. Wer den Kodiaq als sporadischen Geländewagenersatz interpretiert, sollte nach einer Scout-Variante suchen: 19,4 Zentimeter Bodenfreiheit, ein maximal möglicher Rampenwinkel von 19,7 Grad, Böschungswinkel von 22,0 Grad vorn und 23,1 Grad hinten sind die Eckwerte.

Die Anzahl der Macken ist überschaubar. Der Kodiaq hat viel Platz, bietet aber wenig Raum für Mängel.
Bild: Christoph Börries
Das hohe Gewicht setzt Bremsen und Lagern zu
Das macht Ärger: Für Neufahrzeuge gab es zwei Jahre Neuwagengarantie, drei Jahre Lackgarantie und zwölf Jahre Durchrostungsschutzgarantie. Im Dauertest von AUTO BILD lief ein Kodiaq über 96.000 Kilometer tadellos. Auf den letzten 4000 Kilometern schwächelten der Start-Knopf und das DCC-Fahrwerk, sodass es nach 21 Marathon-Monaten für die Endnote 2+ reichte. Was man berücksichtigen sollte, ist, dass das hohe Fahrzeuggewicht von (beladen) je nach Ausführung weit über zwei Tonnen den Bremsen und den Lagern der Vorderachse zusetzt.
Nicht immer kultiviert schalten die DSG-Doppelkuppler, wenn sie in die Jahre kommen. Gebrauchtwagen-Interessenten sollten im Hinterkopf behalten, dass die DQ500-Variante der DSG-Schaltbox mit Haldex-Kupplung spätestens alle 60.000 Kilometer frisch beölt werden sollte. Der Zahnriemen ist spätestens alle 210.000 Kilometer fällig. Der 2.0-TSI-Benziner (EA888) hat eine Steuerkette und neigt bei hohen Laufleistungen zu deutlichem Ölverbrauch. TDI-Kilometerfresser zeigen teils verschlissene Injektoren und Turbolader.
Das Kraftfahrt-Bundesamt notiert für den Kodiaq bis dato acht Rückrufe. Die Gründe waren: fehlerhaft verschraubte Rücksitze, mangelhafter Gasgenerator des Fahrerairbags, Rissbildung in der Fahrersitzbefestigung, Anfahrschwäche durch Drehmomentmangel (alle 2019), blockierende Lenkung und ablösende Bremspedalplatte (2021), Brandgefahr durch Motorabdeckung (2022) und ein weiterer Fahrerairbag-Fehler (2023).
Unterhaltskosten: Skoda Kodiaq 2.0 TDI 4x4 DSG Style
Testverbrauch | 7,7 l D/100 km |
|---|---|
CO2 | 185 g/km |
Inspektion | 300-800 Euro |
Haftpflicht (12)* | 376 Euro |
Teilkasko (25)* | 581 Euro |
Vollkasko (20)* | 929 Euro |
Kfz-Steuer (Euro 6) | 300 Euro |
Ersatzteilpreise*
Lichtmaschine (AT) | 903 Euro |
|---|---|
Anlasser | 525 Euro |
Wasserpumpe | 635 Euro |
Zahnriemen | 784 Euro |
Nachschalldämpfer | 604 Euro |
Kotflügel vorn links, lackiert | 1138 Euro |
Bremsscheiben und -klötze v. | 885 Euro |
Infotainmentbildschirm | 1075 Euro |
4 Sommerreifen (Dimension 235/55 R 18 100V) | 700 Euro |
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