Smart #3 Brabus: Test
Bottroper E-Rakete: Kann der Smart #3 Brabus noch mehr als schnell?

– Der Name Smart #3 Brabus verspricht viel. Und tatsächlich ist das Elektro-SUV eines der schnellsten Sprinter. Aber was verbirgt sich sonst noch hinter dem Batterie-Brabus? AUTO BILD hat die Antwort.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Eine echte Sahneschnitte, dieser Smart #3 im Brabus-Outfit. Sportliche Silhouette, 20-Zoll-Felgen, rote Bremssättel und Aluminium-Pedale sind nur einige Beigaben, die der Bottroper Veredler der Fließheck-Variante des Smart #1 gönnt.
Hinzu kommt ein Allradantrieb mittels zweier E-Motoren mit einer Systemleistung von maximal 428 PS und einem Drehmoment von 543 Newtonmetern.
Beim Start eine echte Rakete
Das katapultiert den knapp zwei Tonnen schweren Elektriker dann auch im "Raketenstart", der im Menü aktiviert werden muss, in von uns ermittelten 3,8 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100.

Elektrorakete: Für den Sprint auf Tempo 100 braucht der Brabus-Smart schlanke 3,8 Sekunden. Maximal sind 180 km/h drin.
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Das ist schon ordentlich und lässt vor dem geistigen Auge Fahrzeuge wie den Brabus Rocket 1000 erscheinen, der auf dem Mercedes-AMG GT 63 S E Performance basiert und mit seinen 1000 PS in 2,6 Sekunden Landstraßentempo erreicht. Der entscheidende Unterschied: Der 1000er wird 316 km/h schnell, der Smart #3 bringt es auf abgeregelte 180 km/h.
Ladezeiten erfordern Geduld
Und das ist auch gut so, denn die 62-kWh-Batterie (netto) ist bei flotter Fahrt recht schnell erschöpft. Die von AUTO BILD ermittelte Reichweite von 346 Kilometern ist jedenfalls nur möglich, wenn man nicht zu wild fährt. Wer wenigstens flott im Autobahnverkehr mitschwimmen will, der braucht nach unseren Messungen mindestens 22,7 kWh auf 100 Kilometer, was die mögliche Strecke noch mal deutlich verkürzt.

Geduldsprobe: Für eine volle Ladung braucht der Smart mindestens eine Stunde, von 10 bis 80 Prozent dauert es mindestens 30 Minuten.
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Das wäre vielleicht auch gar kein Problem, wenn die maximale Ladeleistung von 150 kW an der DC-Dose dauerhaft anliegen würde. Aber bereits ab 67 Prozent Ladestand drosselt die Elektronik die Geschwindigkeit auf unter 70 kW, ab 80 Prozent sind es nur noch 36 kW. Insofern braucht es mindestens 30 Minuten, bis der Akku von 10 auf 80 Prozent geladen ist. Wer den Akku vollmachen will, der sollte eine Standzeit von mindestens einer Stunde einplanen.
Fahrzeugdaten
Modell | Smart #3 Brabus |
|---|---|
Motor Bauart vorn | Synchronelektromotor |
Leistung vorn | 115 kW (156 PS) |
Motor Bauart hinten | Synchronelektromotor |
Leistung hinten | 200 kW (272 PS) |
Drehmoment vorn/hinten/gesamt | 200/343/543 Nm |
Spitzenleistung gesamt | 315 kW (428 PS) |
Dauerleistung | 116 kW (158 PS) |
Vmax | 180 km/h |
Getriebe | Einganggetriebe |
Antrieb | Allradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | 245/40 R 20 Y |
Reifentyp | Michelin Pilot Sport 4S |
Radgröße | 8 x 20" |
Reichweite* | 415 km |
Verbrauch* | 17,6 kWh/100 km |
Batteriekapazität brutto/netto | 66/62 kWh |
Ladezeit (DC-Ladung; 10–80 %) | 30 Minuten |
Ladeleistung AC/DC | 22/150 kW |
Vorbeifahrgeräusch | 65 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 1600/750 kg |
Stützlast | 75 kg |
Kofferraumvolumen | 370–1160 l |
Länge/Breite/Höhe | 4400/1844–2045**/1556 mm |
Radstand | 2785 mm |
Grundpreis | 50.990 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 50.990 Euro |
Der Brabus besitzt zwei Rekuperationsstufen und die One-Pedal-Einstellung "S-Pedal". Die Stärke der Energierückgewinnung und die damit verbundene Bremswirkung bestimmt die Elektronik. Dieser Umstand hat zur Folge, dass selbst bei nur leicht gelupftem Fahrpedal eine Art Gummibandeffekt entsteht, der das Fahren unharmonisch macht. Ein Umstand, der vor allem in der Stadt beim Stop-and-Go nervt. Über Land hält der Akku natürlich länger, und der Verbrauch nähert sich dem von uns ermittelten Sparwert von 15,1 kWh auf 100 Kilometer.
Fahrspaß könnte größer sein
Über Land wäre dann auch der Fahrspaß zu ermitteln, den man hinter einem Brabus vermutet. Allerdings hält der sich gemessen am Image der Marke in Grenzen. Zwar bieten die Michelin-Pneus ordentlich Grip, das ESP – solange es sich nicht aus unerfindlichen Gründen selbst deaktiviert – regelt sicher, wenn man es braucht, und der Zweitonner wirkt für seine Gewichtsklasse recht agil.

Nicht ganz erwartungskonform: Es steckt schon Fahrspaß im gedopten Smart, gemessen am Brabus-Image hält er sich aber in Grenzen.
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Allerdings wird die Federung bei anhaltenden Bodenwellen schnell angeregt, überträgt die daraus entstehenden Vibrationen in das Fahrwerk und reicht sie umgehend an die Lenkung weiter. Die ist ihrerseits präzise, nur im Sportmodus wirkt sie etwas schwergängig, und in schnell gefahrenen Kurven spürt man das Gewicht des Wagens deutlich.
Messwerte
Modell | Smart #3 Brabus |
|---|---|
Beschleunigung | |
0–50 km/h | 1,7 s |
0–100 km/h | 3,8 s |
0–130 km/h | 5,8 s |
0–160 km/h | 8,7 s |
Zwischenspurt | |
60–100 km/h | 1,8 s |
80–120 km/h | 2,2 s |
Leergewicht/Zuladung | 1950/410 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 52/48 % |
Wendekreis links/rechts | 11,7/11,7 m |
Sitzhöhe | 620 mm |
Bremsweg | |
aus 100 km/h kalt | 34,6 m |
aus 100 km/h warm | 35,0 m |
Innengeräusch | |
bei 50 km/h | 58 dB(A) |
bei 100 km/h | 64 dB(A) |
bei 130 km/h | 69 dB(A) |
bei 160 km/h | 72 dB(A) |
Verbrauch | |
Sparverbrauch | 15,1 kWh/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 20,3 kWh/100 km (+15 %) |
Sportverbrauch | 22,7 kWh/100 km |
CO2 (lokal) | 0 g/km |
Reichweite | 346 km |
Wichtig ist aber in jedem Fall, dass man sich vor Fahrtantritt in die Untermenüs gewühlt hat und die Fahrassistenten deaktiviert. Andernfalls muss man neben einem Warnton-Crescendo die ungefragten Tipps der Innenraumüberwachung und die Übergriffigkeit einer ganzen Armada von Assistenzsystemen über sich ergehen lassen. Was zum Beispiel zur Folge hat, dass der Ausweichassistent auf Landstraßen einen Abstand zum Fahrbahnrand herstellen will, wobei es ihm völlig egal ist, dass da auf der Gegenspur ein Traktor mit Überbreite kommt.
Assistenzsysteme können schon nerven
In der Stadt wiederum greift der Abstandswarner permanent ein, wenn man in normaler Geschwindigkeit an den Vordermann heranfährt. Bei der Schildererkennung sollte man die Augen offen halten, denn es kann schon vorkommen, dass innerorts Tempo 100 empfohlen wird und auf der Landstraße Tempo 50. Auch bei Nacht versteht es der Smart #3, mit seinem wild hin und her regelnden Matrix-Licht zu überraschen.

Meint es zu gut: Die Assistenzsysteme geben viele Warntöne und Tipps ab. Man kann sie umständlich deaktivieren – bis zum nächsten Fahrzeugstart.
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Wie gesagt, lässt sich das alles einstellen und auch deaktivieren. Aber nur bis zum nächsten Start, dann sind alle Assistenten wieder scharf. Hier unterscheidet sich der von Geely gebaute Smart #3 nicht von seinen chinesischen Kollegen von BYD oder GWM. Das betrifft auch die Bedienung insgesamt. Alles muss fummelig und verschachtelt, meist über Schieberegler im Zentraldisplay, eingestellt werden, selbst die Außenspiegel.
An der Kasse spürt man den Brabus
Am Ende ist auch der Preis des Smart #3 Brabus sportlich. Stattliche 50.990 Euro müssen investiert werden, um in den Stromer einsteigen zu können. Dafür gibt es dann auch Vollausstattung mit Wärmepumpe, 20-Zoll-Rädern und Navi. Dessen Grafik ist aber eher einfach, es gibt keine Augmented-Reality-Funktion und keine Satellitenkarte. Wer das will, kann sein Smartphone kabellos mit dem Infotainment koppeln und Apple CarPlay benutzen.

Er muss es einem wert sein: Für die Brabus-Variante berechnet Smart stolze 50.990 Euro. Immerhin ist dann auch wirklich alles an Bord.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Auch ein Beats-Soundsystem gehört zum Serienumfang und erfreut mit einem richtig guten Klang. Die Sprachbedienung scheint von Mercedes zu stammen, jedenfalls lässt das die freundliche Stimme vermuten, die zuverlässig auf den Ruf "Hallo, Smart" reagiert.
Im Top-Smart klappert nichts
Und natürlich dürfen in einem Brabus die Sportsitze nicht fehlen. Allerdings taugen die nicht für jede Fahrergröße. Ab 1,90 Meter drückt die Kopfstütze der Integralsitze in den Nacken, wer kleiner ist, hat damit keine Probleme. Auch nicht mit den etwas kurzen Sitzflächen. Bis 1,90 Meter empfindet man die Sitze einfach als sportlich straff und schätzt ihren Seitenhalt.

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Auch bei der Verarbeitung gibt es am Smart nur wenig auszusetzen. Die Materialien sind an den entscheidenden Stellen hochwertig, da, wo sich die Hände nicht so oft hin verirren, hat man gespart, und dennoch klappert nichts.
Anhängelast ist überraschend hoch
In der zweiten Reihe geht es eng zu. Die Rückbank ist sehr flach und hat eine viel zu kurze Sitzfläche. Bevor man den Innenraum aber besteigen kann, muss man die Türen über unpraktische versenkbare Griffe öffnen. Der mit 370 bis 1160 Litern ebenfalls nicht üppig bemessene Kofferraum lädt dann auch nur bedingt zur Urlaubsreise ein. Dafür kann der Smart #3 Brabus mit 1,6 Tonnen erstaunlich viel an den Haken nehmen.
Wertung
Modell | Smart #3 Brabus |
|---|---|
Karosserie | Wenig Platz im Fond, unpraktische Türgriffe, ordentliche Anhängelast, klapperfrei und steif. |
3,5/5 Punkten | |
Antrieb | Irre Beschleunigung, 180 km/h für einen Brabus zu wenig, unter Idealbedingungen sparsam. |
4/5 Punkten | |
Fahrdynamik | Fürs Gewicht sehr agil, guter Grip, ESP regelt passend, präzise Lenkung, stabile Bremsen. |
4/5 Punkten | |
Connected Car | Fahrzeugfunktionen updatefähig, Navigrafik einfach, verständige Spracherkennung. |
4/5 Punkten | |
Umwelt | Größe im Rahmen, Gewicht unter zwei Tonnen, sparsamer Testverbrauch, niedriges Außengeräusch. |
4/5 Punkten | |
Komfort | Sitze passen nicht für jeden Fahrer, fummelige Bedienung, leiser Antrieb, gute Serienausstattung. |
3,5/5 Punkten | |
Kosten | Versicherung deutlich teurer als Basismodell, erste Wartung inklusive, Vollausstattung zum Festpreis. |
3/5 Punkten | |
AUTO BILD-Testnote | 2- |
Ob das am Ende den Preis rechtfertigt oder ob bei Interesse nicht das Basismodell mit 272 PS reicht, muss jeder für sich entscheiden. Die Vollkasko und Haftpflicht für den Brabus liegen jedenfalls deutlich über denen des Einstiegsmodells. Ansonsten ist die erste Wartung auch beim Brabus kostenlos, danach wird sie alle 30.000 Kilometer fällig oder alle zwei Jahre. Garantie gewährt Smart drei Jahre.
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