Wie jede gute Start-up-Geschichte beginnt auch diese im Jahr 2020 in einer simplen Garage. Dort restauriert der damals erst 20-jährige Jasper Ehmcke das Elektroboot seiner Familie. Und weil er für die Elektronik an Bord partout kein modernes Steuerungssystem ausmachen kann, reift zusammen mit Kumpel und Kommilitone Tim Londong, den er zuvor im BWL-Studium in Düsseldorf kennengelernt hat, die Idee, das Schicksal des Familienbootes in die eigene Hand zu nehmen und selbst eine smarte Lösung zu entwickeln – für Boote und Reisemobile.
Licht dimmen, Füllstände auf den Prozent genau einsehen oder die Heizung bequem mit dem Handy anschmeißen? Mit Revotion kein Problem. Dreh- und Angelpunkt des ganzen Systems ist das sogenannte Brain, eine Art Schaltzentrale, die mit einer eigenen SIM-Karte ausgestattet ist und ein lokales Netzwerk aufbaut, um alle Daten zu bündeln und via Bluetooth an Smartphone oder Tablet zu schicken. Ein solches Brain braucht man immer.
Revotion vernetzt Camper
In vielen Reisemobilen sieht die Bordsteuerung so aus: Füllstände werden zum Beispiel nur in 25-Prozent-Schritten angezeigt.
Bild: Revotion
Die Daten der einzelnen Energiequellen bekommt es dann via Funk von sogenannten Nodes, Hardware-Schnittstellen, die zwischen bestehende Kabelführungen geschaltet werden und das System steuerbar machen. Diese Nodes können frei gewählt werden, je nachdem, welchen Bereich man im Wohnmobil smart steuern und einsehen möchte.

Füllstände erfordern neue Sensoren

So gibt es zum Beispiel eine Schnittstelle für das Heizsystem (Node Connect). Dort ist Revotion auch mit anderen Herstellern kombinierbar. „Der Einbau an der Heizung geht schnell. Bei Truma-Geräten dauert das circa fünf Minuten“, sagt Jasper. Ähnlich simpel können die Lichtquellen angeschlossen werden.
So gibt es einen Node für das An- und Ausschalten der einzelnen Lampen und eine Hardware-Schnittstelle, um die Lichtquellen dimmbar zu machen (Node Ambient). Besonders cool: Um welche Lichtquelle im oder am Camper es geht, ist egal. So kann zum Beispiel auch die Außenbeleuchtung, die oftmals sehr hell ist und als wenig gemütlich empfunden wird, durch das Revotion-System gedimmt werden.
Revotion vernetzt Camper
In Service-Werkstätten dauert der Einbau etwa einen Tag. Wer das mithilfe von YouTube-Videos selbst übernehmen will, sollte ein Wochenende einplanen.
Bild: Revotion
Etwas komplizierter wird es bei den Füllständen, weil dabei in der Regel die Sensoren getauscht werden müssen, um auf den Prozent genau anzeigen zu können, wie viel Wasser noch im Tank ist (Node Level).
Mit dem Batteriemodul können alle Ladeströme kontrolliert werden. Wer zum Beispiel auch Solar verbauen möchte, kann darüber dann sehen, wie viel Strom aktuell erzeugt und wie viel verbraucht wird. „Unser System eignet sich vor allem für Camper, die Spaß an digitaler Fahrzeugschaltung und ein hohes Kontroll- und Sicherheitsbedürfnis haben.
Revotion vernetzt Camper
Wir haben den Einbau bei Ahorn begleitet. Das Familienunternehmen aus Speyer bietet Revotion für die gesamte Flotte und zur Nachrüstung an.
Bild: Revotion
Steht mein Auto noch da, wo ich es abgestellt habe? Reicht das Wasser noch für eine Dusche? Darum geht’s“, betont Jasper. Die intuitive Benutzeroberfläche der App erleichtert außerdem den Einstieg in die digitale Welt.

Individuell zusammenstellbares System

Der Clou am Revotion-System: Es ist individuell zusammenstellbar, und der Einbau erfolgt ohne Bohrarbeiten oder Kabelschnitte. Deshalb können technikaffine Camperinnen und Camper mithilfe von YouTube-Videos auch selbst tätig werden. „Endkunden sollten sich ein Wochenende Zeit dafür nehmen“, erklärt Jasper.
Revotion vernetzt Camper
Das Endergebnis kann sich sehen lassen: So schnell wird aus dem Wohnmobil ein smartes Zuhause.
Bild: Revotion
Schneller geht es beim Servicepartner. „Man kann ungefähr ein System pro Mann pro Tag sagen.“ Mit ihrem 15-köpfigen Team haben Jasper und Tim bereits ein großes Netz an Service- und Wohnmobilpartnern aufgebaut, es gibt mittlerweile etwa 80 bis 90 Werkstätten deutschlandweit. So wird aus einem analogen Wohnmobil ein digital vernetztes Reisemobil.
Preislich startet das Revotion-System bei 800 bis 900 Euro. Wer gleich mehrere Bereiche digital schalten will, sollte ca. sechs Nodes und 1500 Euro einplanen.