Spanische Hacker kontrollieren Auto-Steuersysteme
Auto hacken für 15 Euro

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Der Infiniti Q50 ist das erste Auto mit Elektrolenkung. Theoretisch wäre es damit möglich, dass Hacker per Funk das Steuer übernehmen. So zum Beispiel mit einem Mikrocomputer für 15 Euro, der von zwei Spaniern gebaut wurde.
Bild: Werk / Montage
(red/jb) Plötzlich rasen Sie in den Gegenverkehr, knallen gegen einen Brückenpfeiler oder fahren im Gebirge einen Abgrund hinunter. Sie können nichts dagegen tun, Lenkrad und Bremsen reagieren nicht mehr. Gruselige Vorstellung – und bald auch Realität? Zwei spanische Hacker wollen auf der im März 2014 stattfindenden Black-Hat-Hackerkonferenz in Singapur ein selbstentwickeltes Gerät vorstellen, das aus frei erhältlichen Elektro-Bauteilen im Wert von etwa 15 Euro besteht. Damit sollen moderne, computerbasiert gesteuerte Autos drahtlos angegriffen werden können. Das Foto dazu veröffentlichten sie bereits im vergangenen November beim Kurznachrichtendienst Twitter, weigerten sich aber seitdem, weitere Details vor der Sicherheitskonferenz preiszugeben. Assistenzsysteme sind auf dem Vormarsch: Einpark-, Spurhalte- und Bremsassistenten sowie Abstandsradar können bei vielen Neuwagen mitbestellt werden, unterstützen den Fahrer beim Lenken und Bremsen. Aber dass die Maschine komplett die Kontrolle übernimmt, war bislang undenkbar. Der Fahrer hatte das letzte Wort, weil eine Mechanik vorhanden war, die die Elektronik im Zweifel überstimmen konnte. Beim Infiniti Q50 ist das erstmals anders. Seine Lenkung funktioniert im Normalfall nicht mechanisch, sondern rein elektrisch ("steer-by-wire"). Wer das Lenksteuergerät hackt, den zuständigen Computer, könnte das Auto lenken, ohne dass sich dabei das Lenkrad bewegt. Im Extremfall ließe sich die Lenkradbewegung sogar umgekehrt umsetzen, also rechts lenken, links fahren. Dass das nicht völlig abwegig ist, zeigten kürzlich zwei Computerspezialisten in den USA. Von der Rückbank aus manipulierten sie einen Toyota Prius per Laptop, zapften Einpark- und Bremsassistenten an. Der Fahrer, ein Journalist, konnte bei dem Experiment zwar noch gegenlenken, die elektrohydraulische Bremse jedoch war tot, der Wagen landete im Graben.
Die Experten warnen vor Panikmache, aber auch vor Gefahren
Thomas Uhlemann von der IT-Sicherheitsfirma Eset erklärt, dass das Pferd vom falschen Ende her aufgezäumt werde. Für Hacker sei der Eingriff in das fahrende Auto nicht vorrangig von Bedeutung: "Interessanter als das Manipulieren von Funktionen wie Lenkung oder Bremsen ist sicherlich das Datensammeln, insbesondere, falls der Fahrzeugbesitzer sein Smartphone-Telefonbuch mit dem Multimedia- bzw. Infotainmentsystem des Autos synchronisiert hat." Hier können Telefongespräche mitgehört, SMS ausgelesen oder ein Bewegungsprofil erstellt werden, indem man auf die Daten des Navigationsgerätes zugreift. Und sobald die Hack-Software meldet, dass das Auto vom Haus des Fahzeugbesitzers wegfährt, starten die Gauner einen Einbruch. Im Fall der spanischen Hacker mit dem 15-Euro-Bauteil sei laut Uhlemann der manuelle Aufwand recht hoch: Zugang zum Fahrzeug und eventuell eine Hebebühne ist notwendig, um den Mikrocomputer an der richtigen Stelle zu verkabeln. Eine Befehlsübertragung ist darüber hinaus nur per Bluetooth möglich, die Maximalreichweite der Funktechnologie beträgt aber "nur" 100 Meter. Ein fahrendes Auto müsste, um es während der Fahrt zu manipulieren, also aktiv verfolgt werden.Auch Marko Wolf vom Computersicherheitsspezialisten Escrypt warnt vor Panikmache: "Ein Fahrzeughack ist nicht so leicht zu realisieren wie der Hack eines PC, weil im Auto mehr und stärkere Sicherheitsmaßnahmen eingesetzt werden." Firewalls und Verschlüsselungschips sind hier meist Standard. Zudem unterscheiden sich die Steuergeräte der einzelnen Autos. Beruhigend: In der Fliegerei ist die elektronische Steuerung seit 25 Jahren üblich, ohne dass das zu nennenswerten Zwischenfällen führte. Trotzdem schaut die Autowelt in diesem März (25. bis 28. März 2014) gespannt nach Singapur.
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