Sparsame Gebrauchtwagen: maximal 5,5 Liter Verbrauch
Zehn gebrauchte Spritsparer bis 10.000 Euro

Wer jetzt einen neuen Gebrauchten kauft, sollte mehr denn je auf den Verbrauch achten. AUTO BILD zeigt zehn Modelle, die maximal 5,5 Liter auf 100 Kilometer schlucken – real gemessen im Test- und Praxis-Einsatz.
Bild: AUTO BILD
Inhaltsverzeichnis
Tanken macht keinen Spaß mehr. Mitte September erreichten die deutschen Kraftstoffpreise laut ADAC neue Rekordwerte: 2,15 Euro für Super E10 und 2,24 Euro für Diesel im bundesweiten Tagesmittel. Kraftstoff ist zu einem dramatischen Kostenfaktor geworden, sparsame Autos sind spannender denn je. Umso wichtiger ist es, spritsparend zu fahren. AUTO BILD zeigt, welche Modelle dabei helfen!
Wer 20.000 Kilometer im Jahr fährt und seinen Verbrauch um zwei Liter senkt, könnte bei einem Literpreis um 2,20 Euro grob 900 Euro pro Jahr sparen. Das ist viel Geld. Die gute Nachricht: Bereits unter 10.000 Euro findet sich eine große Auswahl von Modellen, die real mit 5,5 Litern auf 100 Kilometer oder weniger auskommen. Vom Dreizylinder-Diesel-Kleinwagen über kompakte Diesel- und Hybridmodelle bis zur ausgewachsenen Mittelklasse reicht das Spektrum.
Wir haben bewusst nicht nach historischen NEFZ-Verbrauchswundern gesucht, sondern gezielt nach Autos, die auch jenseits von Prospektromantik punkten. Die Verbrauchswerte orientieren sich an Spritmonitor-Praxisdaten und wurden zusätzlich mit unseren eigenen Testergebnissen gegengeprüft.
Praxisverbrauch: 5,0 bis 5,4 Liter pro 100 km
Beim Toyota Prius ist Sparsamkeit der Produktkern. Das ganze Auto wurde auf hohe Effizienz hin konstruiert. Wir hatten mit dem Prius 3 im 100.000 Kilometer-Dauertest bemerkenswert wenig Ärger. Im Wesentlichen fielen zwei Scheinwerfer aus. Die Hybridtechnik galt schon damals als ausgesprochen standfest.

Toyota Prius 3 1.8 Hybrid
Bild: Toni Bader / AUTO BILD
Das Facelift ab 2012 ist wegen besserer Materialanmutung und einiger Detailverbesserungen die angenehmere Wahl. Verbrauchswunder vollbringt der Prius im Stadt- und Mischbetrieb. Klassisch gemessen lagen wir beim Prius 3 um 5,3 l Super, zurückhaltende Fahrer schaffen noch weniger. Jenseits von Autobahntempo 130 wird der Hybrid durstiger. Beim Kauf den 1,0-kWh-Nickel-Metallhydrid-Hybridakku prüfen lassen. Auch die Bremsen verdienen einen Blick: Durch starke Rekuperation können sie eher gammeln als verschleißen.
Praxisverbrauch: 4,8 bis 5,5 Liter Diesel pro 100 km
Der BMW 316d ist der feine Sonderling dieser Runde. Motor längs, Antrieb hinten, feine Mittelklasse. Und trotzdem kann vorne eine Vier im Bordcomputer stehen. Das funktioniert, weil BMW dem 3er eine gute Aerodynamik, lange Übersetzungen und einen Diesel mit ordentlich Drehmoment mitgegeben hat.

BMW 3er
Bild: Toni Bader / AUTO BILD
116 PS wirken eher bescheiden. Doch 260 Nm im frühen F31 reichen auf der Autobahn. Wer konstant fährt, braucht keinen 330d.
Allerdings entscheidet beim 316d das Baujahr. Die frühen Fahrzeuge haben den N47 mit kritischer Steuerkette, Reparaturen sind teuer. Ein auffälliges Rasseln nach dem Kaltstart wäre Grund genug, Abstand zu nehmen. Dazu kommen im Alter oft AGR, DPF, Turbo, Kupplung und Zweimassenschwungrad. Der Rest verkraftet hohe Kilometerstände erstaunlich gut. Fahrwerk, Innenraum und Karosseriebau wirken häufig auch jenseits von 200.000 Kilometern noch erstaunlich frisch.
Praxisverbrauch: 4,8 bis 5,3 Liter Diesel pro 100 km
Volvo und Mini-Verbräuche? Das passt beim V40 D2 gut zusammen. Interessant ist vor allem der spätere D2 ab 2015/16 mit Volvos eigenem Zweiliter-Vierzylinder. 120 PS, 280 Nm und sechs Gänge reichen völlig aus. Der ADAC führt für den D2 Kinetic 3,6 Liter Normverbrauch; wir landeten im Test bei rund 5 Litern.

Volvo V40
Bild: Angelika Emmerling
Technisch altert der V40 ordentlich. Ergonomische Sitze, überzeugende Geräuschdämmung und solide Materialqualität sind Pluspunkte. Dafür ist der Schwede hinten enger, als seine Breite vermuten lässt. Und 335 Liter Kofferraum sind kein Kombi-Wert. Beim Kauf auf den Zustand des Fahrwerks achten. Der D2 besitzt DPF und NOx-Nachbehandlung. Kurzstreckenkandidaten sind eher nicht die erste Wahl.
Praxisverbrauch: 4,0 bis 4,6 Liter Diesel pro 100 km
Sparsame Diesel-Kleinwagen aus Frankreich haben eine lange Tradition. Der 208 1,6-Liter-BlueHDi mit 100 PS und ordentlichen 254 Nm Drehmoment macht echte Vier-Liter-Verbräuche ziemlich unspektakulär möglich. Das Sparen hat manchmal jedoch technische Nebenwirkungen. Der BlueHDi arbeitet mit DPF und SCR-Katalysator und AdBlue. Leuchtet die Abgaswarnung, gehört der Fehlerspeicher unbedingt vor dem Kauf ausgelesen. Das System ist komplexer als bei alten HDi-Dieseln, Reparaturen sind häufig recht teuer.

Peugeot 208
Bild: Roman Raetzke / AUTO BILD
Ansonsten ist der 208 ein klassischer kleiner Franzose: angenehm eingerichtet, hinten eher knapp, etwas eigenwillig im Detail. Das kleine Lenkrad und die hoch sitzenden Instrumente muss man vor dem Kauf ausgiebig auf sich wirken lassen. Entweder das Konzept gefällt, oder es nervt auf Dauer.
Praxisverbrauch: 4,4 bis 4,9 Liter Diesel pro 100 km
Dem Renault Clio dCi 90 sieht man seine Autobahntauglichkeit nicht an. Er ist relativ klein, wirkt freundlich, doch tatsächlich ist sein idealer Lebensraum die mittlere Pendelstrecke. Sein 1,5-Liter-Commonraildiesel liefert 220 Nm Drehmoment und braucht wenig. Wir kamen beim Facelift auf 4,9 Liter Diesel auf 100 Kilometer, mit leichtem Gasfuß sind auch rund vier Liter im Schnitt möglich, Sparsamkeit ist hier also keine pure NEFZ-Zyklus-Magie.

Renault Clio Energy TCe 90
Bild: Bittmann
Bei Gebrauchten sollte man genauer hinschauen. Fahrwerksfedern und Achsteile sind wiederkehrende TÜV-Themen, ebenso verschleißen die Bremsen oft früh. Kritisch ist das Getriebe: Laufgeräusche und hakelige Schaltbarkeit sind kein charmanter französischer Charakterzug. Rost ist dagegen kaum relevant, der 1.5 dCi kann bei guter Pflege ausgesprochen hohe Laufleistungen jenseits der 250.000 Kilometer erreichen.
Praxisverbrauch: 4,0 bis 5,0 Liter Diesel pro 100 km
Ein 1,1-Liter-Dreizylinder-Diesel mit 75 PS? Das klingt fast ein wenig nach Notstromaggregat. Hyundai spendierte dem i20 1.1 CRDi trotzdem sechs Gänge und einen ausgewachsenen Kleinwagen. Und das Konzept funktioniert besser, als die nackten Zahlen erwarten lassen.

Bild: Roman Rätzke
Eine Vier vor dem Komma ist bei vernünftiger Fahrweise problemlos möglich. Dem Motor liegt Landstraßen-Mittelstrecke besonders gut. Dafür macht der i20 als Gebrauchter einen vernünftigen Eindruck. Sauber konstruiert ist er die klassische Vernunftentscheidung, ohne besondere Höhen und Tiefen.
Der Wagen selbst ist geräumiger, als man von außen erwartet, das Fahrwerk unspektakulär und die Materialqualität zweckmäßig. Jedoch sollte man trotzdem DPF und AGR sowie Injektoren auf dem Radar haben. Ein kleiner Diesel, der seine erste Karriere möglicherweise zwischen Kindergarten und Supermarkt verbracht hat, ist grundsätzlich verdächtiger als ein stets warm gefahrenes Pendlermobil.
Praxisverbrauch: 4,5 bis 5,5 Liter pro 100 km
Honda hatte dieselbe Idee wie Toyota, löste sie aber anders. Beim von 2009 bis 2013 neu angebotenen Insight sitzt ein relativ kleiner Elektromotor direkt im Antriebsstrang und unterstützt den 1,3-Liter-Benziner. Rein elektrisches Fahren beherrscht er nicht so souverän wie der Prius. Doch dafür ist das System mechanisch überschaubar und heute erstaunlich billig zu kaufen.

Bild: Toni Bader
Der ADAC maß den frühen Insight mit 4,6 Litern Super, außerorts genügten sogar 3,9 Liter im Schnitt. Wer das CVT-Konzept verstanden hat und ruhig fährt, kann sehr sparsam unterwegs sein. Bei flottem Tempo oder starker Beschleunigung dreht der Benziner hoch und wird laut. Das Fahrwerk wirkt sportlich-straff, beim Gebrauchten gehört der Hybridakku auf die Prüfliste. Er ist nicht automatisch ein Verschleißteil, aber sein Zustand sollte bekannt sein. Außerdem lohnt ein genauer Blick auf mögliche Korrosionsherde an der Bodengruppe. Das größte Problem beim Insight ist nicht seine Technik, sondern die geringe Auswahl.
Praxisverbrauch: 4,7 bis 5,3 Liter pro 100 km
Der Ford Focus 3 war als Neuwagen gegen den Golf immer eher zweite Wahl. Gebraucht ist er oft sehr günstig und plötzlich viel interessanter. Agiles Fahrwerk, ordentliche Ergonomie und ein großer Kofferraum punkten.
Unsere Wahl wäre der 1.5 TDCi mit 120 PS nach dem Facelift. 270 Newtonmeter Drehmoment reichen auch mit viel Gepäck, die Übersetzung hält die Drehzahl auf der Autobahn niedrig. Praxisverbräuche um fünf Liter sind problemlos möglich; der offizielle Wert von 3,8 Litern ist dagegen klar eine Prüfzyklus-Fabel.

Bild: Toni Bader / AUTO BILD
Auch bei hohen Laufleistungen gibt es wenig Grund zur Panik, doch bei hohen Kilometerständen können Injektoren Probleme machen. Der sensible Zahnriemen gehört penibel geprüft und nach Vorschrift gewechselt. Auch AGR und DPF können problematisch werden.
Größtes Risiko ist das Vorleben. Viele Focus waren Flottenautos und wurden hart rangenommen.
Praxisverbrauch: 5,0 bis 5,5 Liter pro 100 km
Der VW Passat TDI ist ein effizienter Riese. 4,77 Meter Länge, 603 Liter Gepäckraum und über anderthalb Tonnen Leergewicht sind wenig typisch für ein Sparkonzept. Doch der große Kombi kann im Verbrauch vielen Kleinwagen Paroli bieten.
Wir empfehlen bewusst den 2.0 TDI mit 140 PS. Der kleinere 1.6 TDI spart auf dem Papier noch mehr, wirkt aber weniger souverän. 320 Newtonmeter wirken noch immer enorm souverän. Im Alltagsbetrieb sind ohne Breitreifen und Bleifuß fünf bis fünfeinhalb Liter Dieselverbrauch absolut realistisch machbar.

Bild: Roman Raetzke / AUTO BILD
Der bis 2014 gebaute B7 profitiert davon, konstruktiv ausgereift zu sein. Auch mit hoher Laufleistung taugt er als zuverlässiger Dauerläufer. Trotzdem gehören Achslager, Bremsen sowie möglicher Rost an der Heckklappe und Achsträgern auf die Prüfliste. Kühlmittelverlust kann unter anderem am AGR-Kühler oder an einer leckenden Wasserpumpe liegen. Ebenfalls bei hohen Laufleistungen kritisch: DPF, AGR, Turbo und Zweimassenschwungrad. Der 140-PS-TDI stammt zudem aus der EA189-Familie. Software-Updates sollten dokumentiert sein.
Praxisverbrauch: 4,4 bis 5,0 Liter pro 100 km
Der Rapid ist verdammt ehrlich. Er sollte nie der bessere Golf sein, aber weniger kosten, reichlich Platz bieten und möglichst wenig verbrauchen.

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Der Spaceback ist 4,30 Meter lang und 1,71 Meter breit, schluckt 415 Liter Gepäck. Ab 2014 kamen die Green-tec-Versionen mit Start-Stopp und Bremsenergierückgewinnung hinzu. Später gab es unter anderem den 1.4 TDI Green tec mit 90 PS sowie den 1.6 TDI Green tec mit 116 PS. 3,4 Liter Normverbrauch sind jedoch eher ein Papiertiger. Wer günstig einkauft, findet häufig den älteren 1.6 TDI mit 90 oder 105 PS als EA189-Diesel.
Wer etwas mehr Budget hat, sollte gezielt nach dem späteren Euro-6-Green-tec-Diesel suchen. Er ist die modernere Langzeitlösung. Der Rapid ist sparsam gedämmt, wirkt besonders auf schlechten Straßen eher rustikal. Dafür bietet er eine seltene Kombination: viel Innenraum, geringe Masse und einen Diesel, der sich ohne Verrenkungen mit einer Vier vor dem Komma bewegen lässt.
Fazit
Ein Spar-Gebrauchter muss zum Einsatzzweck passen. Wer viel Stadt und Umweltzonen befährt, ist mit Prius oder Insight klar besser aufgestellt als mit einem alten Euro-5-Diesel. Wer dagegen täglich über 100 Kilometer Autobahn absolviert, kann mit Passat, Focus, V40 oder 316d trotz viel größerer Karosserien niedrige Verbräuche erzielen. Der günstigste Liter ist schließlich nicht der, den ein Prüfstand eingespart hat. Es ist der, den man im eigenen Fahrprofil tatsächlich nicht verbraucht.
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