Spritpreiserhöhung durch CO2-Preis
CO2-Preis macht Autofahren 2026 sprunghaft teurer

Wer CO₂ ausstößt, muss immer mehr zahlen – doch der Sprung zum Jahreswechsel fiel höher aus als gedacht. Wie stark stiegen die Spritpreise, wie geht es weiter?
Bild: dpa
Inhaltsverzeichnis
Der Jahreswechsel hat einen unerwartet großen Preisschub beim Tanken gebracht: Der errechnete Sprung von 3,4 Cent beim Liter Benzin E10 und 4,0 Cent beim Liter Diesel sind über die Tage seit dem 29. Dezember laut ADAC-Zahlen auf 5,4 Cent bei Benzin und 6,0 Cent beim Diesel angestiegen.
Es ist kaum möglich, festzustellen, ob allein der CO₂-Preis dafür verantwortlich ist – aber es gibt starke Indizien dafür. Es hat sich in den vergangenen Jahren eingebürgert, dass der Preissprung bei der Schadstoffabgabe auf einen längeren Zeitraum verteilt wird.
Wie wirkt sich der CO2-Korridor beim Tanken aus?
Der aktuelle Preiskorridor bedeutet, dass die CO₂-Abgabe 2026 jedes Quartal neu festgelegt wird. Das untere Ende liegt bei 55 Euro, das obere bei 65 Euro. Bei einem Jahresmittelwert von 60 Euro würde der Liter Benzin um 2,4 Cent und der Liter Diesel um 1,6 Cent teurer, hat der ADAC ausgerechnet. Die volle Preisspanne beträgt 2,9 Cent pro Liter Benzin und 3,2 Cent pro Liter Diesel, dazu kommen saisonale Einflüsse. Die Höhe der CO₂-Abgabe dürfte Einfluss auf die Entscheidung von Neuwagenkäufern haben, welche Antriebsart das neue Auto hat.
Wie sich die steigende CO2-Abgabe auf den Spritpreis auswirkt
Jahr | CO2-Preis/Tonne | Preisaufschlag/Liter Benzin | Preisaufschlag/Liter Diesel |
|---|---|---|---|
2021 | 25 Euro | ca. 7 Cent | ca. 8 Cent |
2022 | 30 Euro | ca. 8,4 Cent | ca. 9,5 Cent |
2023 | bleibt bei 30 Euro | ca. 8,4 Cent | ca. 9,5 Cent |
2024 | 45 Euro | ca. 12,7 Cent | ca. 14,2 Cent |
2025 | 55 Euro | ca. 15,7 Cent | ca. 17,2 Cent |
2026 | 55 bis 65 Euro | ca. 15,7-18,6 Cent | ca. 17,3-20,5 Cent |
2027 | 55 bis 65 Euro | ca. 15,7-18,6 Cent | ca. 17,3-20,5 Cent |
2028 | freie Preisbildung im Emissionshandel, erster Preis an der Terminbörse 73 Euro | ca. 20,84 Cent | ca. 22,83 Cent |
20XX | theoretisch 200 Euro | ca. 57 Cent | ca. 62,5 Cent |
Der Handel mit Verschmutzungsrechten und die CO2-Abgabe auf Sprit und Heizstoffe bescherten dem Staat 2025 Rekordeinnahmen in Höhe von 21,4 Milliarden Euro. Sie flossen in den Klima- und Transformationsfonds (KTF), teilte die Deutsche Emissionshandelsstelle mit. Mittel aus dem KTF helfen bei der Gebäudesanierung und beim Ausbau erneuerbarer Energien. Allerdings gibt es daraus auch Zuschüsse zur Entlastung bei Strom- und Gaspreisen, was keinen Klimaeffekt hat.
Aktueller Rückschritt für den Klimaschutz
Trotz der Rekordeinnahmen verlor der Klimaschutz in Deutschland deutlich an Tempo. Zwar erreichte Deutschland das Klimaziel für 2025. Das teilte die Denkfabrik Agora Energiewende mit. Sie registrierte jedoch einen Rückgang, der halb so groß war wie 2024. In den Bereichen Verkehr und Gebäude stieg der Ausstoß sogar an: Im Verkehrssektor wurde mehr Kraftstoff verkauft, der kalte Winter zog einen erhöhten Verbrauch an Öl und Erdgas nach sich.
Immerhin haben die EU-Mitgliedsländer zwei Termine verschoben:
- Das Zertifikatehandelssystem ETS 2 (Emissions Trading System) für Gebäude und Verkehr kommt erst 2028, der 2026 eingeführte Preiskorridor wird auch 2027 Bestand haben. Der Korridor von 55 bis 65 Euro pro Tonne Kohlendioxid bedeutet ca. drei Cent Aufschlag pro Liter Kraftstoff.
- Laut dem neuen EU-Ziel für den Klimaschutz wird die EU fossile Brennstoffe wie Benzin und Erdgas erst ab 2028, also ebenfalls ein Jahr später als geplant, in das Handelssystem mit Treibhausgas-Zertifikaten einbeziehen. Der im Verkehr verbrannte fossile Sprit sollte ursprünglich schon 2027 mitberechnet werden. Das neue Klimaziel muss noch formal besiegelt werden, das gilt aber als Formsache.
Bislang gibt es nur wenige Aussagen, um wie viel sich Sprit 2028 verteuert. Laut ersten Schätzungen – etwa in einem BILD-Interview – könnte ein CO₂-Preis von 200 Euro pro Tonne drin sein. Umgerechnet auf den Liter Benzin wäre das gegenüber 2025 ein Aufschlag von 41,4 Cent bei Benzin und 45,3 Cent beim Liter Diesel. Diese mögliche Erhöhung droht nun erst 2028, nicht schon 2027.
Andere Experten rechnen gar mit 300 oder 400 Euro pro Tonne CO₂. Erste belastbare Zahlen gab es Mitte 2025: Am 6. Mai begann der erste Terminhandel mit CO₂-Zertifikaten zur Auszahlung nach dem 1. Januar 2027, berichtete das Fachportal "Energate". Die Terminbörse ist ein Handelsplatz mit festen Daten zur Auslieferung der gehandelten Papiere, in diesem Fall für 2027. Der Testhandel betraf zwar nur 1000 Zertifikate, aber er deutet auf den künftigen Preis hin.
Ergebnis: Händler legten sich fest, CO₂-Zertifikate für 73 Euro pro Tonne zu kaufen – offensichtlich ein realistischer Preis. Er deutet darauf hin, dass der erwartbare Preis für Klimagas noch darüber liegen dürfte, denn sonst würden die Händler Minus machen. Gegenüber 2025 bedeuten 73 Euro umgerechnet auf den Liter ein Plus von 5,1 Cent für Benzin und 5,6 Cent für Diesel.
Zur Verringerung des CO₂-Ausstoßes wurden die Verkehrswende, das EU-Verbrenner-Aus und eben auch ein Bepreisen von ausgestoßenem Klimagas ausgerufen. Auf der Entlastungsseite hat die Politik die THG-Quote ins Leben gerufen. Das seit Jahren angekündigte Klimageld als Ausgleich für Haushalte mit geringem Einkommen hat es nie in die Umsetzung geschafft – und ist im aktuellen Koalitionspapier gar nicht mehr zu finden. Die anstehende Preiserhöhung geht alle Hausbesitzer und Mieter an, die mit fossilen Brennstoffen wie Öl und Gas heizen. Aber vor allem sämtliche Autofahrer, die Benzin und Diesel tanken.
Service-Links

