Der SsangYong Rexton bietet bis zu 3,5 Tonnen Anhängelast. Und das so günstig wie kaum ein anderer. Ist das Korea-SUV ein Geheimtipp? AUTO BILD macht den Test
Ein Zehner pro Kilo – für diesen Kurs gibt es locker Schweinefilet oder Spargel Klasse 1. Nur Zugkraft, also Anhängelast, kostet gern mal deutlich mehr. Vor allem, wenn wir nicht vom 800-Kilo-Anhänger reden, sondern uns im Schwerlastbereich ab drei Tonnen aufwärts bewegen. Lobenswerte Ausnahme: der SsangYong Rexton. Der schleppt 3,5 Tonnen ab 39.990 Euro. Macht 11,43 Euro pro Kilo.
Ohne Allrad muss das ESP mitunter drastisch eingreifen
Unangenehm: Im 2WD-Modus bei nasser Fahrbahn lässt der Rexton schon mal sein Heck raushängen.
Bild: Steven Haberland / AUTO BILD
Doch die koreanische Zugnummer besitzt neben dem optionalen Agrarhaken (1190 Euro) serienmäßig noch ein paar Haken mehr – und die begeistern weniger. Der Rexton trägt unterm Blech einen stabilen Leiterrahmen. Das erlaubt die enorme Schleppleistung, wirkt sich aber unvorteilhaft auf Komfort und Fahrverhalten aus. Trotz Mehrlenkerachse und Schraubenfedern hinten bockt der SsangYong auf schlechten Straßen und bei höherem Tempo schon mal unwillig mit der Hinterhand, gerät die Vorderachse ins Straucheln. Dabei zeigt der rund 2200 Kilo schwere Korea-Koloss deutliche Schaukeltendenzen, die empfindlichen Fahrgästen auf den Magen schlagen können. Richtig heftig wird es beim Thema Fahrsicherheit. Wer den Allrad (2000 Euro) nicht rechtzeitig zuschaltet, erlebt im Regen womöglich eine Überraschung. Der im 2WD-Modus heckgetriebene Rexton lässt auf der Autobahnabfahrt schon mal vorlaut das Heck raushängen, bevor ein aufgeregt ratterndes ESP die Fuhre wieder einfängt. Ein Erlebnis, das SsangYong uns gern ersparen darf.
Die Stärken des Rexton liegen abseits von Sportlichkeit
Sanftes Wesen: Gelassenheit ist Trumpf im Rexton, er bietet reichlich Platz und Nehmerqualitäten.
Bild: Steven Haberland / AUTO BILD
Auch sonst vermittelt der kernige Koreaner wenig Sportlichkeit. Die Sitze bieten ausreichenden Komfort, aber nur begrenzt Halt. Die Lenkung liefert nur näherungsweise so etwas wie Rückmeldung. Der Antrieb versucht's lieber mit Gemütlichkeit, als den Dynamiker zu geben. Womit wir beim Thema wären: Wer seinen Rexton artgerecht nutzt, also nicht mit Bleifuß über die Autobahn treibt oder mit wimmernden Reifen durch Kurven quält, der erlebt ihn als entspannten Typen mit Nehmerqualitäten. Das beginnt schon beim Platzangebot des 4,85-Meter-Riesen, der bis zu sieben Personen beherbergt (dritte Sitzreihe 800 Euro) oder hinter der zweiten Reihe 784 Liter Gepäck verschwinden lässt. Hilfreich sind dabei auch die 686 Kilo Zuladung. Der 2,2-Liter-Diesel und die schmusige Siebenstufenautomatik (2500 Euro) aus dem Hause Mercedes sorgen für brauchbare Fahrleistungen und kernigen Diesel-Sound, Temperamentsausbrüche bleiben dem Duo aber fremd. Was leider auch für echten Sparwillen (9,1 l) und SCR-Kat gilt. So schafft unser Testwagen (EZ 10/2017) nur Euro 6b – SsangYong will im vierten Quartal aber 6d-TEMP erreichen.
Folgende zwei Sätze sind wichtig: A) Der große Anhänger muss mit, das Auto darf aber nicht zu viel kosten. B) Auf Pkw-Fahrkomfort und sportliches Talent lässt sich im Gegenzug verzichten. Wer beides unterschreiben kann, liegt beim Rexton absolut richtig.