Streit um Pkw-Maut: Merkel besänftigt
Kleines Machtwort

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Im koalitionsinternen Streit um die Pkw-Maut bemüht sich Bundeskanzlerin Angela Merkel, die Wogen zu glätten. Die Maut werde kommen.
(dpa/Reuters/brü) Im Streit um die Pkw-Maut bemüht sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) darum, den verärgerten Koalitionspartner CSU zu besänftigen. Die Maut werde – wie im Koalitionsvertrag vereinbart – umgesetzt, sagte Merkel am 9. September 2014 im Fernsehsender Sat 1. Die Forderung von CSU-Chef Horst Seehofer nach einem Machtwort gegen die Maut-Kritiker in der CDU wies Merkel aber zurück. Kritische Stimmen aus der CDU rissen trotz Seehofers scharfer Ermahnung nicht ab. Die Opposition sprach von unausgegorenen Plänen.

Bundeskanzlerin Merkel will den unionsinternen Streit um die Pkw-Maut schlichten.
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"Pkw-Maut bringt erheblichen Betrag"

Verkehrsminister Dobrindt will die Pkw-Maut unbedingt – und rechnet mit substanziellen Einnahmen.
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Zweifel aus Finanz- und Innenministerium

Die geplante Pkw-Maut soll helfen, die marode Infrastruktur zu sanieren.
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Keine Maut für Wagen zwischen 3,5 und 7,5 Tonnen
Das Innenministerium von Thomas de Maizière (CDU) hegt laut "Spiegel" verfassungsrechtliche Bedenken, dass Besitzer von Pkw, Kleinlastern und Lastwagen ungleich behandelt werden. Fahrzeuge zwischen 3,5 und 7,5 Tonnen wären vorerst weder von der Pkw-Maut noch von der Lkw-Maut erfasst. Das Verkehrsministerium erläuterte am Montag, diese Wagen dürften laut EU-Vorgaben nicht in eine Pkw-Maut einbezogen werden.
Einwände von CDU-Politikern
Führende CDU-Politiker beharrten auf ihren Einwänden. CDU-Bundesvize Thomas Strobl sagte "Spiegel Online": "Unsere Bedenken mit Blick auf Mittelstand und Familienbetriebe, auf Handwerk, Handel und Gastronomie in den Grenzregionen werden ernst genommen." Der Chef der CDU in Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet, verwies auf die Bedingung, dass eine Maut "substanziell mehr Geld für die marode Infrastruktur einbringt und keine neue Bürokratie mit hohen Kosten entstehen darf". Wenn Schäuble dies sorgsam prüfe, verhalte er sich koalitionstreu, sagte der CDU-Bundesvize der "Rheinischen Post". Die SPD wiederum will sich vorerst nicht einmischen. Man sei "ein bisschen irritiert über das Schauspiel, dass sich die Union jetzt intern leistet", sagte Generalsekretärin Yasmin Fahimi. "Wir warten ab, welche Vorlage diejenige ist, mit der man in Beratungen gehen kann."
"Maut-Quatsch bringt nicht einmal Geld ein"
Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter sagte, der "Maut-Quatsch von Minister Dobrindt bringt ja nicht einmal Geld ein." Der interne Streit der Union zeige, "wie unsinnig das Projekt ist, das wohl nur ein Wahlkampfthema war". An die Umsetzung habe wohl niemand gedacht.
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