Subaru Forester V: Gebrauchtwagen-Test
Ist der gebrauchte Forester eine gute Option?

Subaru Forester 2.0ie von 2022 für 25.980 Euro im Gebrauchtwagencheck. AUTO BILD klärt, was das kernige Nippon-SUV aus zweiter Hand taugt.
Bild: Christoph Börries
Auf Abwegen befinden sich die meisten SUV-Modelle eher selten. Der Subaru Forester bildet von dieser Regel die Ausnahme. Seine Ausstrahlung ist auch in der fünften Generation handfest, satte 22 Zentimeter Bodenfreiheit sind kein Styling-Gag, und sein Allradantrieb ist keine elektronisch zuschaltbare Alibi-Lösung.
Genau dieses Paket reicht bis heute in Summe als Kaufargument für viele Förster und Landwirte. Zum ungewöhnlichen Wesen passt die ungewöhnlich aufrechte Statur mit recht steilen Scheiben und einem Kofferraum, der gebraucht gern eine Kopfnote aus Hund, Jagd und Pferd hat und als Antithese zum urbanen Lifestyle funktioniert. Der fünfte Forester ist ein bemerkenswert uneitles Gerät für das Landvolk.
Der Forester bietet viel Platz und eine gute Rundumsicht
Das ist er: Generation fünf trägt den internen Code SK. Sie wurde in Deutschland zum Modelljahr 2020 eingeführt und bis Ende 2024 angeboten. Strukturell profitiert sie von der frischen und steiferen Subaru Global Platform. Mit 4,63 Metern Länge hat der Forester ein angenehmes Mittelformat, das Familien und Jagdpächtern gleichermaßen passt. 2,67 Meter Radstand und eine ungewöhnlich kubische Karosserieform schaffen innen erstaunlich viel Raum.
Gemessen am Klassenstandard fühlt man sich im knisterfrei verarbeiteten Innenraum geradezu fürstlich untergebracht, auch wenn es den Sitzen etwas an Kontur mangelt. Dazu kommt eine in heutigen Zeiten ungewöhnlich gute Rundumsicht. Und auch zuladen darf man: Der Kofferraum fasst je nach Lehnenstellung 509 bis 1779 Liter, die maximale Ladelänge beträgt fast zwei Meter.

Mit 1,73 Meter Höhe baut der in der japanischen Präfektur Gunma gefertigte Forester ungewöhnlich hoch.
Bild: Christoph Börries
Ende 2021 erschien das hier gefahrene Facelift. Zu erkennen ist es an einer markanteren Front mit neuen LED-Scheinwerfern. Fahrwerksseitig wurden Federung und Dämpfung neu abgestimmt, der haltbare, symmetrisch ausgelegte X-Mode-Allrad in seinen Fähigkeiten optimiert und das EyeSight-Assistenzsystem grundlegend überarbeitet. Die Stereokamera sitzt direkt an der Windschutzscheibe und nimmt noch mehr Daten auf, Kreuzungs-Notbremsassistent, Ausweichunterstützung und ein verbesserter Spurassistent kamen ebenfalls hinzu.
Technische Daten
2.0ie | |
|---|---|
Motor | Vierzylinder-Boxer-Hybrid/vorn längs |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/4 |
Hubraum | 1995 cm³ |
Leistung | 110 kW (150 PS) bei 5600/min |
Drehmoment | 194 Nm bei 4000/min |
Höchstgeschwindigkeit | 188 km/h |
0–100 km/h | 11,8 s |
Tank/Kraftstoff | 48 l/Super |
Getriebe/Antrieb | CVT-Getriebe/Allrad |
Länge/Breite/Höhe | 4640/1815/1730 mm |
Kofferraumvolumen | 509-1779 l |
Leergewicht/Zuladung | 1768/417 kg |
Anhängelast (gebremst/ungebremst) | 1870/750 kg |
Basisausstattung mit vielen praktischen Extras
Das hat er: Subaru mühte sich redlich um Ehrlichkeit und Übersichtlichkeit. Die Ausstattungen gliedern sich erfreulich klar. Trend, Active, Comfort und Platinum sind die vier Linien. Und schon das Basismodell Trend fühlt sich nicht nach kargem Kassenrezept an. Klimaautomatik, Sitzheizung, Rückfahrkamera, Acht-Zoll-Touchscreen sowie EyeSight-System sind dabei.
Die Ausstattung Active legt unter anderem bei Komfort- und Assistenzdetails nach, die Linie Comfort bietet Luxus und Navigation. Ganz oben steht die Platinum-Ausstattung (wie bei unserem Fotofahrzeug zu sehen) mit Lederpolstern, elektrischem Fahrersitz, Panorama-Glasschiebedach und Harman/Kardon-Soundsystem.
Je nach Modelljahr variieren einzelne Umfänge, weshalb beim individuellen Gebrauchten die konkrete Ausstattungsliste mehr zählt als die bloße Modellbezeichnung.

Gemessen am Fahrzeugalter konservatives Cockpit, ungewöhnlich viele klassische Tasten, starke Verarbeitung.
Bild: Christoph Börries
Das Cockpit wirkt wie ein Gegenentwurf zu den allermeisten Mitbewerbern. Zweckmäßige Bedienbarkeit mit echten Schaltern stand im Lastenheft klar über plakativer digitaler Modernität. Ein klassischer Instrumententräger, echter Wählhebel und richtige Tasten ersparen Touchscreen-Gymnastik. Materialanmutung und Infotainment erreichen vielleicht nicht ganz das Niveau gleichaltriger deutscher oder koreanischer Konkurrenten.
Dafür funktioniert der Forester hervorragend im Alltag. Große Türausschnitte, eine niedrige Ladekante und die steile Heckpartie sind keine Designkunst, sondern wirken wie klug angewandte Ergonomie-Erfahrung.
Gelassen auf der Straße, stark im Gelände
So fährt er: Antriebs- oder Motorenvergleich? Ist auf dem deutschen Markt kein Thema. Die fünfte Generation wurde ausschließlich als 2.0ie e-Boxer angeboten und sollte durch Solidität die durchwachsenen Erinnerungen an den empfindlichen Boxer-Diesel endgültig eliminieren.
Das Setup ist typisch Subaru: Ein 150 PS starker Zweiliter-Saugboxer arbeitet zusammen mit einem Lineartronic-CVT-Getriebe und permanentem Symmetrical-AWD-Allrad. Im Getriebe sitzt zusätzlich ein 12,3 kW/16,7 PS und 66 Nm starker Elektromotor, gespeist von einer kleinen 118-Volt-Lithium-Ionen-Batterie mit 0,6 kWh. Kurzzeitig kann der Forester rein elektrisch rollen; jedoch nur rund 1,5 Kilometer weit und maximal mit Tempo 40.

Auf unbefestigtem Terrain punktet der stets allradgetriebene Forester mit guter Traktion. Der Allrad funktioniert unauffällig, Bodenfreiheit sind 22 Zentimeter.
Bild: Christoph Börries
Entscheidender für Effizienz und Fahrgefühl ist jedoch die Unterstützung beim Anfahren und Beschleunigen. Das Paket klingt leider moderner und besser, als es fährt. Der Elektromotor macht den Boxer untenherum zwar geschmeidiger, verwandelt ihn aber keinesfalls in einen Kraftmeier. 194 Newtonmeter Drehmoment sind heutzutage bescheiden. Bereits bei moderater Last sorgt die Lineartronic für hohe Drehzahlen. Das mag technisch sinnvoll sein, ist aber akustisch gewöhnungsbedürftig. Auch beim Verbrauch vollbringt die Hybridisierung keine Wunder. Praxiswerte von gut acht Litern auf 100 Kilometer sind Standard.
Die Fahrtalente des Forester liegen ganz woanders. Er federt gelassen, lenkt recht sauber und zeigt selbst mit höheren Laufleistungen selten verschlissene Lager und Gelenke. Auf Schnee, losem Untergrund oder mit Anhänger kommt eine Spezialität hinzu: Der permanent geregelte Allrad koordiniert clever Antrieb, Getriebe und Regelsysteme für schwierigen Untergrund. Wer regelmäßig Pferdeanhänger von nassen Wiesen ziehen (Anhängelast maximal 1,87 Tonnen) oder im Winter einen steilen Forstweg erklimmen muss, versteht schnell, warum Subaru-Kunden sehr markenloyal sind und auf den Antrieb schwören.
Stärken
- Starker Nutzwert
- Gutes Allradkonzept
- Eigenständiger Charakter
Schwächen
- Geringe Zuladung
- Müde wirkender Antrieb
- Teure Kaskoeinstufungen
Auf Unterbodenschäden achten
Das macht Ärger: Subaru bot fünf Jahre oder 160.000 Kilometer Neuwagengarantie, drei Jahre Lackgarantie und zwölf Jahre Garantie auf den Durchrostungsschutz. Grundsätzlich ist die mechanische Qualität hoch. Typische Schwachstelle ist die Elektrik, bedingt durch früh schwächelnde 12-Volt-Batterien. Unterspannung kann vielfältige Fehler provozieren und ist oft auch Ursache für Ausfälle der elektrischen Heckklappe. Beim kleinen, aber unangenehm teuren Hochvoltakku sollte ein Prüfprotokoll die Gesundheit (SoH-Wert) des Bauteils belegen.
Bei Autos mit Anhängerkupplung zeigen die Bremsen häufiger erhöhten Verschleiß. Auch Unterboden und Achsteile verdienen besondere Aufmerksamkeit: Viele Forester werden pragmatisch auch im Forst und als echtes Arbeitsauto genutzt, Aufsetzschäden und Korrosionsansätze an der Bodengruppe können dadurch ein ernstes Thema sein. Beim Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) sind für die fünfte Forester-Generation aktuell keinerlei Rückrufe hinterlegt.
Unterhaltskosten
Testverbrauch | 8,2 l S/100 km |
|---|---|
CO2 gem. WLTP-Zyklus | 154 g/km |
Inspektion | 350-700 Euro |
Haftpflicht (13)* | 623 Euro |
Teilkasko (24)* | 919 Euro |
Vollkasko (22)* | 1500 Euro |
Kfz-Steuer (Euro 6d) | 266 Euro |
Ersatzteilpreise*
Hochvoltbatterie | 9777 Euro |
|---|---|
Startergenerator | 3266 Euro |
Wasserpumpe | 512 Euro |
Zahnriemen | entf., Steuerkette |
Nachschalldämpfer | 445 Euro |
Kotflügel vorn links, lackiert | 1320 Euro |
Bremsscheiben und -klötze v. | 665 Euro |
Infotainmenteinheit | 5207 Euro |
4 Sommerreifen (Dimension 225/55 R 18 V) | 650 Euro |
Service-Links






























