Die Meldung sorgte für Aufsehen: Diesel teurer als Benzin! Und das trotz der nach wie vor bestehenden steuerlichen Begünstigung des CO2-ärmeren Selbstzünder-Kraftstoffes. Der furchtbare Ukraine-Krieg und seine Folgen machten es möglich (die genaue Erklärung lesen Sie hier).

Zum Vergleich herangezogen wurde bei dabei Superbenzin E10 mit einem zehnprozentigen Anteil von Ethanol (deshalb E), genauer gesagt Bioethanol. Die Sorte, die mittlerweile für gewöhnlich sechs Cent pro Liter günstiger ist als Super E5. Manch ein Autofahrer mit Benziner wird sich da gefragt haben: Soll ich nicht doch einfach mal Super E10 tanken?
Spritpeistafel an Tankstelle
Deutschland Anfang März 2022: Diesel ist an vielen Tankstellen teurer als Superbenzin E10.

E10 kämpft um Akzeptanz an der Zapfsäule

Noch immer kämpft der seit Dezember 2010 an deutschen Tankstellen erhältliche Biosprit um Akzeptanz an der Zapfsäule. Nur knapp 14 Prozent aller Kunden, die einen Benziner fahren, entschieden sich 2019 für Super E10 – Ende 2020 waren es mit 16 Prozent nur wenig mehr. Und warum? Rund die Hälfte (51 Prozent) aller Befragten gab bei einer ADAC-Erhebung technische Bedenken als Grund für ihre Ablehnung an. 54 Prozent davon wiederum meiden vorsichtshalber den Kraftstoff, weil ihnen klare Infos fehlen, ob ihr Auto E10-tauglich ist.

Alle Neufahrzeuge seit 2012 vertragen E10

Dabei sind die Bedenken größtenteils unbegründet. Alle neuen Benzinfahrzeuge, die seit 2012 in Deutschland zum Verkauf angeboten werden, vertragen E10, wie die Deutsche Automobil Treuhand (DAT) klarstellt (eine PDF-Liste aller älteren Fahrzeuge gibt es hier). Laut ADAC sind dies rund 95 Prozent des Pkw-Bestands mit Ottomotor. Dieselfahrzeuge sind von dieser Thematik generell ausgenommen.

Autofahrer fürchten Mehrverbrauch und Motorverschleiß

Generelle Unsicherheit über Vor- und Nachteile des Biokraftstoffes war ein weiteres Hauptargument der E10-Skeptiker (23 Prozent) – ebenso die Sorge vor möglichen höheren Kosten (18 Prozent), beispielsweise durch Mehrverbrauch oder Motorverschleiß. Nach ADAC-Messungen jedoch ist die Kostensteigerung bei einem bis zwei Prozent Mehrverbrauch eher zu vernachlässigen. Rund 17 Prozent der E10-Muffel gab zu, aus Gewohnheit zu handeln.
E10 Zapfsäule
Laut Bundesverband der Bioethanolwirtschaft werden zwei Prozent der Ackerflächen in Deutschland zur Produktion von Bioethanol für den Verkehr genutzt.

Umwelt- und Klimaschutzbedenken bei Biokraftstoffen

Ein knappes Sechstel (14 Prozent) führte Umwelt- und Klimaschutzbedenken (Flächennutzung zuungunsten von Nahrungsmittelerzeugung, Förderung von Monokulturen) ins Feld. Diese Bedenken sind nicht komplett unbegründet. E10 zeichnet sich zwar durch einen doppelt so hohen Ethanolanteil (zehn Prozent bei 90 Prozent Benzin) gegenüber E5 aus, was zu weniger Treibhausgasen führt und damit zum Klimaschutz beiträgt – denn Ethanol wird aus Biomasse hergestellt (Getreide, Mais, Zuckerrüben). Bei der Verbrennung von Bioethanol wird nur so viel CO2 ausgestoßen, wie die Nutzpflanze während ihres Wachstums aufgenommen hat. Kritiker wie die Deutsche Umwelthilfe (DUH) beklagen jedoch, dass der Flächenverbrauch sogenannter Agrokraftstoffe jeglichen Klimanutzen zunichtemache.