Schon eigenartig, wie vielen völlig unterschiedlichen Autos Suzuki den Namen Vitara verpasst hat. Ursprünglich war’s ein kurzer Spaß-Geländewagen (ab 1988), als Grand Vitara mutiert er 1998 zum ernsthaften, meist als Fünftürer gekauften Kraxler mit Leiterrahmen und Geländeuntersetzung, der ab 2015 in Ungarn gebaute Vitara ist wiederum ein kompaktes SUV ohne große Offroad-Ambitionen und mittlerweile der Methusalem im Modellprogramm.
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Suzuki

e Vitara eAxle (61 kWh)

Suzuki e Vitara
Der e Vitara ist ein ganz anderer Geselle als der vertraute Verbrenner-Vitara: muskulös statt geradlinig im Auftritt, gebaut in Indien, wo er vom gleichen Band rollt wie der nahezu baugleiche Toyota Urban Cruiser.

Überblick: Für wen passt der Suzuki e Vitara?

  • Für Pendler und Stadtfahrer, die überwiegend kurze bis mittlere Distanzen zurücklegen.
  • Für Familien mit moderatem Platzbedarf, die sich an dem kleinen Kofferraum nicht stören.

Ergonomie passt nicht ganz

Damit ist nichts Negatives über Verarbeitung und Materialanmutung gesagt: weniger Hartplastik als im Verbrenner, zweifarbige Gestaltung (ab Ausstattung Comfort+, nur in Verbindung mit den Farben Silber und Land Breeze Green wie auf unseren Fotos), teils softe Oberflächen mit Noppenstruktur.
Suzuki e Vitara 61 kWh
Gut gemacht: Im e Vitara gibt es weniger Hartplastik als im Verbrenner und teils softe Oberflächen. Aber das Lenkrad ist zu weit weg und hat nur einen kleinen Verstellbereich.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Der Einstieg ist angenehm, die vorn Sitzenden haben reichlich Platz in der 1,80 Meter breiten Karosserie, und wer hohe Sitzpositionen mag (und das tun die meisten SUV-Käufer), wird bestens bedient. Der Fahrersitz verfügt über eine Lendenwirbelstütze, anders als der Verbrenner-Vitara. Aber was ist das? Das Lenkrad ist zu weit weg, der Verstellbereich zu klein. Die Sitzflächen sind zudem kurz, der Seitenhalt nicht gerade packend.

Verschiebbare Rücksitzlehne schafft Platz

Die Fondbank erfreut mit 16 Zentimeter Längsverschiebbarkeit und sechsfach verstellbarer Lehnenneigung. Zwar ist nur die letzte, am stärksten geneigte Position wirklich bequem – dennoch ist diese variable Fondbank ein echtes Highlight, ist sie doch Serie und sonst ein Feature weit teurerer Modelle etwa von Mini.
Suzuki e Vitara 61 kWh
Variabel: Die Rücksitzbank ist längs verschiebbar, die Lehne sechsfach verstellbar. Über dem Kopf wird's ab 1,85 Meter knapp.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Die Elektroauto-untypisch hohe Sitzposition im Fond hat zwei Seiten: angenehme Knie- und Beckenwinkel einerseits, für Großgewachsene ab etwa 1,85 Meter zu knapper Kopfraum andererseits – am besten selbst ausprobieren!

One-Pedal-Modus nicht bis zum Stillstand

Von diversen Toyota-Elektromodellen kennen wir bereits den Drück-dreh-Fahrstufenwähler in der arg raumgreifenden Mittelkonsole, ergänzt durch Tasten für One-Pedal-Modus (nicht bis zum Stillstand) und Fahrprogramme etwa für Schnee oder Sport.
Suzuki e Vitara 61 kWh
Fahrprogramme: Der e Vitara kann sich auf Knopfdruck auf Schnee oder Sport einstellen. Zudem gibt es einen One-Pedal-Modus, der allerdings nicht bis zum Stillstand funktioniert.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Anstelle des Trail-Schalters der Allradversion (3000 Euro Aufpreis), der blamables Steckenbleiben im Matsch verhindern hilft, trägt unser Frontantriebs-Testwagen einen Blindschalter.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart
Synchronelektromotor
Einbaulage
vorn
Spitzenleistung
128 kW (174 PS)
Dauerleistung
64 kW (87 PS)
max. Drehmoment
193 Nm
Vmax
150 km/h
Getriebe
Einganggetriebe
Antrieb
Vorderradantrieb
Bremsen vorn/hinten
Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung
225/50 R 19 V
Reifentyp
Goodyear EfficientGrip 2 SUV
Radgröße
7 x 19"
Reichweite*
426 km
Verbrauch*
15,1 kWh/100 km
Batterieart
Lithium-Ionen
Batteriekapazität
61 kWh
Ladeleistung AC/DC
11/67 kW
Ladezeit (10-80 %, DC-Ladung)
ca. 45 Minuten
Fach unter Frontklappe
-
Vorbeifahrgeräusch
64 dB(A)
Anhängelast gebr./ungebr.
750/750 kg
Stützlast
75 kg
Kofferraumvolumen
238–1052 l
Länge/Breite/Höhe
4275/1800–k. A.**/1635 mm
Radstand
2700 mm
Grundpreis
37.380 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
41.780 Euro
Nicht selbstverständlich in aktuellen Elektroautos ist die selbsterklärende, völlig konventionelle Bedienung. Echte Tasten für die Klimabedienung und in den Lenkradspeichen – ist je Besseres erfunden worden?

Fahrwerksabstimmung etwas unharmonisch

Elektroautotypisch geht's hinter der Ampel ansatzlos flott voran: 0–100 km/h in von uns gemessenen 9,1 Sekunden, die Zwischenspurt-Werte reichen für alle erdenklichen Verkehrssituationen. Auffallend der perfekte Geradeauslauf wegen des langen Radstands. Leider pfeift der Wind schon ab 120 km/h auf der Autobahn, wo bereits bei 150 km/h die Abregelung greift.
Suzuki e Vitara 61 kWh
Unharmonisch: Auf schlechten Straßen ist die Federung des e Vitara leicht holprig, die 19-Zöller sprechen stuckrig an. Lange Wellen sorgen hingegen für viel Bewegung.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
In Kurven untersteuert der Suzuki kräftig, und der Vorderachse geht rasch der Grip aus. Auf schlechten Straßen wirkt die Federung zudem leicht holprig, die Federwege sind kurz. Mit den 19-Zoll-Rädern der Ausstattung Comfort+ (Basis: 18 Zoll) spricht das Fahrwerk harsch und stuckerig an auf kurzen Anregungen wie Fahrbahnfugen oder Kanaldeckel, wenngleich etwa ein aktueller Jeep Compass nochmals herber arbeitet. Auf langen Wellen dagegen wirkt die Abstimmung zu weich, die Karosserie vollführt zu viele Hubbewegungen – der Gesamteindruck ist unharmonisch, da fehlt Dämpfung.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
3,8 s
0–80 km/h
6,6 s
0–100 km/h
9,1 s
0–130 km/h
14,7 s
Zwischenspurt
60–100 km/h
4,4 s
80–120 km/h
5,8 s
Leergewicht/Zuladung
1815/435 kg
Gewichtsverteilung v./h.
58/42 %
Wendekreis links/rechts
11,2/11,2 m
Sitzhöhe
680 mm
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
38,5 m
aus 100 km/h warm
38,6 m
Innengeräusch
bei 50 km/h
59 dB(A)
bei 100 km/h
65 dB(A)
bei 130 km/h
70 dB(A)
Verbrauch
Sparverbrauch
15,4 kWh/100 km
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde
(Abweichung zur WLTP-Angabe)
17,6 kWh/100 km 
(+17 %)
Sportverbrauch
25,0 kWh/100 km
CO2 (lokal)
0 g/km
Reichweite
346 km
Trotz der 1,8 Tonnen, die so ein elektrisches Kompakt-SUV nun einmal wiegt, findet so etwas wie Agilität und Fahrspaß durchaus statt. Eine direktere, weniger teigige Lenkung würde das Resultat aber noch mal deutlich verbessern.

Lange Standzeit an der Ladesäule

Unter den Insassen sitzt eine Lithium-Eisenphosphat-Batterie, zugeliefert von BYD aus China. Dieser Akkutechnik werden Vor- und Nachteile nachgesagt: robust, zyklenfest und wenig frostempfindlich, ohne giftige Schwermetalle – das sind die Stärken. Leider spürt man auf Langstrecke mit dem e Vitara vor allem die Nachteile, bedingt durch die geringe Energiedichte: Eine Maximal-Ladeleistung von nur 90 kW ist nicht zeitgemäß.
Suzuki e Vitara 61 kWh
Der e Vitara lässt Ladeströme bis maximal 90 kW zu; im Test waren es rund 60 kW. Und so dauert eine Akkuladung von 10 auf 80 Prozent 42 Minuten.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Die schaffte er bei unserem Selbstversuch am 300-kW-Schnelllader nicht einmal, hielt aber ein Plateau von rund 60 kW sehr lange durch. Am Ende unterbot er sogar die 10-bis-80-Prozent-Werksangabe von 45 Minuten; wir brauchten 42 Minuten. Aber auch die sind nicht wirklich konkurrenzfähig. Das alles bei vorkonditioniertem Akku.
Nicht gerade an der Spitze des Konkurrenzumfelds liegen auch die Bremswege: 38,5 Meter von 100 auf 0 km/h, die sich bei warmer Bremse leicht verlängerten – da ist noch Luft für Verbesserung.

Viel Transporttalent hat der Suzuki nicht

Etwas enttäuschend fällt der Blick in den Laderaum aus, denn der ist in der Normalstellung (Lehne oben, gemessen bis zur Abdeckung) mit 238 Litern arg klein. Er lässt sich auf 1052 Liter erweitern, bei ebener Ladefläche. Leider ist das Fach unter dem Ladeboden so klein, dass es das Ladekabel nicht aufnehmen kann. Und einen Frunk unter der Fronthaube gibt es nicht.
Suzuki e Vitara 61 kWh
Ziemlich klein: Der Vitara-Kofferraum fasst bescheidene 238 Liter und lässt sich nur auf maximal 1052 Liter erweitern.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Typischer Elektro-Nachteil: Im Vergleich zum steinalten, aber auch billigeren Verbrenner-Vitara ist der e Vitara außen größer (zehn Zentimeter länger, zwei Zentimeter breiter und höher), aber sein Nutzraum fällt kleiner aus.
Das Infotainment ist eine Übernahme von Toyota. Es reagiert auf Befehle oft seltsam verzögert, und Teile der grafischen Gestaltung wirken wie eine Zeitreise zurück in die 1990er-Jahre. Zudem ist die Handy-Kopplung verwinkelt: Sie funktioniert nicht wie sonst üblich über das Telefon-Symbol, sondern über die Menüschritte Einstellungen/Komm. Warum nur?

Wertung Suzuki e Vitara 61 kWh FWD

Wertung Suzuki e Vitara 61 kWh FWD
Karosserie
Platz vorn okay, im Fond wenig Innenhöhe. Rückbank verschiebbar. Laderaum klein. Wenig Zuglast.
3 / 5
Antrieb
Spurtet ausreichend flott. Sparsam, aber lange Ladezeiten. One-Pedal nicht bis zum Stillstand.
3,5 / 5
Fahrdynamik
Top-Geradeauslauf, aber Untersteuern und wenig Grip. Lenkung teigig-indirekt. Lange Bremswege.
3 / 5
Connected Car
Zehn-Zoll-Schirm, etwas altbacken. Sprachsteuerung kann POI, Audio, Sitz- und Lenkradheizung.
3 / 5
Umwelt
Vernünftige Grundfläche, leise. Naturgemäß lokal emissionsfrei, in Relation zur Größe aber schwer.
4 / 5
Komfort
Einstieg leicht, hohe Sitzpositionen. Federung und Geräusche nur mittelgut. Viel Komfortausstattung.
3 / 5
Kosten
Viel Ausstattung. Wiederverkaufsprognose okay (Schwacke). Versicherung und Wartung nicht billig.
3 / 5
AUTO BILD-Testnote
2,4
Ganz ordentlich arbeitet die Sprachsteuerung. Sie lässt sich über den Schlüsselbefehl "Hey, Suzuki" aktivieren, findet auf Sprachbefehle Points of Interest, etwa Apotheken, Krankenhäuser oder Hotels, kann zudem die Sitz- und Lenkradheizung sowie Audio steuern.

Preisliste beginnt bei 37.380 Euro

Der von uns getestete Comfort+ kostet 4000 Euro Aufpreis, dafür bietet er ein Glasdach mit Sonnenblende, eine Premium-Audioanlage von Infinity, Stoff-Kunstleder-Sitzbezüge, Induktions-Ladeschale, Fernlichtassistent sowie 19-Zoll-Räder. Obwohl ein e Vitara mit dem größeren Akku beim Listenpreis leicht unter dem vergleichbaren Urban Cruiser Teamplayer – auch mit 61-kWh-Akku – von Toyota liegt, wird Letzterer derzeit zum Aktionspreis günstiger angeboten.
Suzuki e Vitara 61 kWh
Für den e Vitara mit 61 kWh großem Akku und Frontantrieb verlangt Suzuki mindestens 37.380 Euro. Unser Testexemplar in der Ausstattung Comfort+ kostete 41.780 Euro.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Noch ein Wort zur Garantie: durchschnittliche drei Jahre oder 100.000 Kilometer auf die Technik (Toyota 15 Jahre, 250.000 km), auf die Batterie gibt’s branchenübliche acht Jahre oder 160.000 Kilometer.

Die wichtigsten Fragen zum Suzuki e Vitara

Wie fährt sich der e Vitara?

Der Elektromotor sorgt für eine spontane Beschleunigung und ausreichende Fahrleistungen. Der Geradeauslauf auf der Autobahn überzeugt, während Fahrwerk und Lenkung weniger harmonisch abgestimmt sind. Auf schlechten Straßen ist die Federung zudem etwas ruppig.

Wie groß ist die Reichweite des e Vitara

Im Suzuki e Vitara steckt ein Akku mit einer Kapazität von 61 kWh. Bei einem Verbrauch von 17,6 kWh/100 km reichte das im Test für 346 Kilometer.

Wie schnell lädt der e Vitara?

Mit seiner Maximal-Ladeleistung von nur 90 kW ist der e Vitara nicht mehr zeitgemäß. Am Schnelllader füllte er seinen Akku im Test mit maximal 60 kW und brauchte von 10 bis 80 Prozent 42 Minuten.

Wie gut ist der e Vitara im Gelände?

Der getestete e Vitara gibt sich optisch zwar als echter Offroader, mit seinem Frontantrieb und nur 180 Millimetern Bodenfreiheit fehlen ihm abseits befestigter Wege jedoch die technischen Voraussetzungen. Mit speziellen Fahrprogrammen, etwa für Schnee, sowie einer Traktionshilfe für rutschige Untergründe kommt er auf Feldwegen oder verschneiten Straßen aber zurecht.

Bildergalerie

Suzuki e Vitara 61 kWh
Suzuki e Vitara 61 kWh
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Suzuki e Vitara im Test

Fazit

von AUTO BILD
Sympathische Kurzware mit zwei Schwächen: gestrige Ladezeiten und kleiner Laderaum. Kompakte Maße und praktisch kurze Karosserieüberhänge qualifizieren ihn eher als Stadtstromer – dafür aber ist er zu teuer. AUTO BILD-Testnote: 2,4