Wer sich schon mal mit einem Gebrauchtwagenkauf beschäftigt hat, wird sicher auch vom sogenannten Tachobetrug gehört haben. Womöglich war man auch schon einmal direkt betroffen.
Die Zahlen sind auf jeden Fall alarmierend: In Deutschland wird nach Polizeiangaben jährlich bei rund zwei Millionen Fahrzeugen der Kilometerstand manipuliert. Heißt: An jedem dritten in Deutschland verkauften Gebrauchtwagen wurde illegal am Tacho gedreht! Die Gefahr, dass man bei einem Gebrauchtwagenkauf damit konfrontiert wird, liegt also bei 33 Prozent.
Der Hintergrund ist klar: Durch das Fälschen des Kilometerstands soll ein höherer Verkaufspreis erzielt werden. Im Schnitt liegt der "Gewinn" dadurch bei 3000 Euro oder mehr. Hochgerechnet entsteht so jedes Jahr ein Schaden von über sechs Milliarden Euro.

"Zurückdrehen" eines Tachos ist kein Hexenwerk

Das Problem: Das "Zurückdrehen" eines Tachos ist kein Hexenwerk. Es mag zwar gesetzlich verboten sein, doch leicht zu bedienende Manipulationsgeräte gibt es schon für 150 Euro legal zu kaufen.
Wie kann man als Laie nun einen Tachobetrug erkennen? Der ADAC zeigt, worauf man achten sollte:
1. Serviceheft und TÜV-Berichte prüfen. Das Scheckheft sollte genau unter die Lupe genommen und auf Unstimmigkeiten geprüft werden. Ist das Inspektionsheft zum Beispiel gar nicht vorhanden – Finger weg!
Wichtig: Passt der Vergleich Tachostand und Autozustand?
Bild: Sven Krieger

2. Angaben zum Ölwechsel checken. Normalerweise wird ein Ölwechsel alle 40.000 Kilometer durchgeführt, und im Motorraum hängt meist ein Kärtchen, auf dem der Kilometerstand vom letzten Wechsel eingetragen wurde. Hier sollte es plausibel zugehen.
3. Kilometerstand hinterfragen. Das Auto wurde deutlich weniger gefahren, als es das Alter vermuten lässt? Man sollte sich nicht scheuen, den Verkäufer mit kritischen Fragen zu löchern. Mauert er, ist schon das verdächtig.
4. Kontakt zum Vorbesitzer suchen. Wenn Fragen offen sind oder man misstrauisch ist, kann man auch die Vorbesitzer kontaktieren. Denn ein Anruf kann offene Fragen ganz schnell klären.
5. Pflegezustand unter die Lupe nehmen. Sieht das Auto von außen sehr mitgenommen und nach 150.000 Kilometern aus, hat aber angeblich nur 40.000 Kilometer zurückgelegt, sollte man kritisch nachfragen oder gleich Abstand vom Kauf nehmen.
6. Auf die Kilometerzahl im Kaufvertrag achten. Man sollte den Kilometerstand zwingend in den Kaufvertrag schreiben lassen, und da reicht kein "Kilometerstand laut Tacho" oder "Kilometerstand abgelesen". Stattdessen sollte man "tatsächliche Laufleistung" eintragen.
7. Eine Werkstatt einschalten: Profis haben noch einmal einen ganz anderen Blick auf ein Auto und technische Möglichkeiten, den Kilometerstand auch anderweitig zu überprüfen, zum Beispiel durch das Auslesen des Fehler- und Wartungsintervall-Speichers.