Einst gehörten sie zum deutschen Straßenbild: knallgelbe Telefonzellen, grün uniformierte Polizisten und beige Taxis (korrekt: "Hellelfenbein"). Heute ist fast alles davon Geschichte. Nur die Taxis halten sich noch – zumindest größtenteils – an die Einheitsfarbe. Doch auch hier bröckelt die Tradition.

Taxi: sechs Bundesländer mit Farb-Freiheit

Laut Michael Oppermann, Geschäftsführer des Bundesverbands Taxi und Mietwagen (BVTM), sind Taxis in zehn Bundesländern weiterhin ausnahmslos beige: unter anderem in Berlin, Hamburg, Bayern und NRW.
In sechs Ländern (Baden-Württemberg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen-Anhalt) dagegen dürfen Unternehmer inzwischen frei entscheiden, in welcher Farbe sie ihre Fahrzeuge lackieren.
Der langsame Abschied vom Taxi-Beige
Immer mehr Bundesländer verabschieden sich von der Taxi-Pflichtfarbe "Hellelfenbein".
Bild: INTAX.de / Nissan
Das betrifft immerhin rund 29 Millionen Menschen – gut ein Drittel der deutschen Bevölkerung. Für die Mehrheit, über 54 Millionen Bürger, bleibt Beige dagegen Pflicht.

Mehr Wettbewerb, weniger Bürokratie

Als vorerst letztes Bundesland hat Sachsen-Anhalt die Farbvorschrift gekippt. Verkehrsministerin Lydia Hüskens (FDP): "Die neue Regelung bringt wirtschaftliche Vorteile für die Unternehmen. Es passt nicht mehr in die heutige Zeit, dass der Gesetzgeber vorschreibt, welche Farbe Taxis haben dürfen."
Wichtig bleibt: Erkennbar muss ein Taxi trotzdem sein. Dachzeichen und Beschriftung sind weiterhin Pflicht. Kritiker befürchten jedoch, dass die Wiedererkennbarkeit leidet, wenn künftig schwarze, silberne oder gar bunte Taxis unterwegs sind.

RAL 1015 – der Kultfarbton

Die Farbe Beige hat übrigens eine klare Definition: RAL 1015 Hellelfenbein. Eingeführt wurde sie Anfang der 70er-Jahre von SPD-Verkehrsminister Georg Leber. Begründung damals: Helle Wagen seien im Straßenverkehr besser erkennbar, sicherer – und im Gegensatz zu knalligen Tönen wie Gelb oder Rot auch seriös.
Noch ein Plus: Auf hellem Beige fallen Staub, Dellen und Kratzer weniger auf. Und, nicht zu vergessen: In Zeiten ohne Klimaanlagen heizte sich ein heller Wagen im Sommer schlicht weniger auf als die bis 1971 üblichen schwarzen Taxis.
Allein: Ganz verschwinden wird das Taxi-Beige wohl nicht. "Viele Unternehmer bleiben auch nach der Freigabe beim traditionellen Farbton", erklärt Oppermann. Auffällig ist ein Nord-Süd-Unterschied: Während im Süden zunehmend schwarze Taxis rollen, bleibt man im Norden lieber beim klassischen Hellelfenbein.