Zwei Panamera Turbo für 815.275 Euro, zusammen 1364 PS stark, Gemballa gegen Techart – ein Duell, das kaum zu toppen ist. Doch damit nicht genug, die beiden Porsche-Tuner treten bei uns erstmalig im harten Test gegen einander an. Es gilt zu klären, wer die beste Power-Limousine auf die Räder stellt. Als Referenz dient die Rundenzeit des aktuellen Serienautos – des Porsche Panamera Turbo-Facelift mit 520 PS. Techart versucht, dessen 1:37,84 Minuten – ermittelt anhand eines gut im Futter stehenden Pressefahrzeugs – mit 100 PS extra und breiteren Reifen zu knacken. Gemballa schickt sein Gefährt mit größeren Ladern und 244 Zusatz PS ins Rennen. Kenner registrieren, dass der Mistrale auf dem Vor-Facelift-Modell aufbaut – mit 500 Basis PS.

Endlich: Techart gegen Gemballa

Gemballa Mistrale grau Frontansicht
Das Bild spricht für sich. Der Mistrale hat mit seinem brutalen Schub zu kämpfen.
Gemballa Mistrale Bevor es ans Eingemachte geht, wollen wir die irrwitzigen Fahrzeugpreise beleuchten. Für den Gegenwert jedes der beiden Autos bekäme man ein Eigenheim. Das würde im Falle Gemballa deutlich luxuriöser ausfallen – deren Auto kostet mit 557.759 Euro mehr als doppelt so viel wie das 257.516 Euro teure Techart-Exemplar. Gemballa begründet den extremen Mehrpreis mit der einzigartigen Fertigungstiefe. Der Betrachter erkennt auf Anhieb, dass hier keine Schraube unberührt blieb – an der Seitenlinie mit den ausgestellten 2014 Radhäusern, den in den Breitbau eingearbeiteten hinteren Türgriffen, den markanten Heckleuchten und den vier höhergelegten Endrohren im Jet-Style.
Techart Grand GT weiß Frontansicht
Drei Zehntel schneller als die Serie mit dezentem PS-Plus und Reifen vom Carrera GT.
Techart Grand GT Techart entfernt sich weniger weit vom Basismodell als Gemballa, glänzt dennoch mit hoher Eigenständigkeit und gefälliger Formensprache. Die weniger extreme Ausprägung hat erfreuliche Nebenwirkungen: Jede autorisierte Techart-Werkstatt kann das Kit montieren, das auch in Einzelteilen erhältlich ist. Im Falle unseres Testwagens sind natürlich alle Optionen verbaut – im Gegenwert von 85.769 Euro. Den größten Posten bildet das Grand-GT-Aerokit (Verbreiterungen, Schweller, Schürzen) mit 36.711 Euro. Hinzu kommen noch die belüftete Motorhaube sowie Dach- und feststehender Heckspoiler.Schauwerte und Eckdaten imponieren bei beiden Fahrzeugen, bringen auf der 3671 Meter langen Achterbahn des Sachsenrings jedoch herzlich wenig. Erst hier offenbart sich, ob das Zusammenspiel aller Komponenten auch reibungslos funktioniert. Bevor die Ampel auf Grün schaltet, legen die Tuner in der Boxengasse nochmal Hand an: Schlagschrauber rasseln, Räder werden demontiert. Für die schnelle Runde am Sachsenring wechseln sowohl Gemballa als auch Techart von Conti auf Michelin. Der Mistrale erhält den Original-Serienradsatz Michelin Pilot Super Sport NO im Format 255/40 und 295/35 ZR 20, der Grand GT wird auf 285/35 und 335/30 ZR 20 gestellt. Letztere Dimension haben die Franzosen ganz frisch entwickelt – und eigentlich für den Supersportler Porsche Carrera GT vorgesehen.

Fazit

Mehr geht kaum: Sowohl Mistrale als auch Grand GT faszinieren mit überbordender Pracht, grenzenlosem Luxus und ganz viel Leistung. Im Duell kann sich der von Techart veredelte Porsche dennoch deutlich absetzen. Er präsentiert sich nicht nur auf gerader Strecke als High-Performance-Brenner, sondern brilliert auch auf dem Sachsenring mit Panamera-Rekordzeit. Dabei kostet er lediglich die Hälfte im Abgleich mit dem Konkurrenten von Gemballa. Um diesen tut es uns ein bisschen leid – im Auto schlummert immenses Potenzial, das der gewaltige Mistrale im Test leider nicht abrufen konnte: Die 744 PS agieren im ostdeutschen Kurvenlabyrinth einfach viel zu ungestüm und unsouverän. Gemballa will aber dranbleiben – und zeitnah mit einem optimierten Fahrzeug in allen Disziplinen antreten.