Paukenschlag bei Tesla: Im Streit um bessere Arbeitsbedingungen in der Tesla Gigafactory in Grünheide (Brandenburg) zieht die Gewerkschaft IG Metall vor das Arbeitsgericht Frankfurt (Oder). Das Ungewöhnliche: Die Klage richtet sich an die Vorsitzende des Tesla-Betriebsrats Michaela Schmitz, die eigentlich die Interessen der Arbeitnehmer vertreten soll. Die IG Metall wirft ihr jedoch vor, die Interessenvertretung bewusst zu behindern und fordert nun ihre Absetzung, wie das "Manager Magazin" berichtet.

Vorwurf der Sabotage

In einer Pressemitteilung erklärt IG-Metall-Bezirksleiter Dirk Schulze: "Wir wollen erreichen, dass alle Mitglieder im Tesla-Betriebsrat ihre Rechte aus dem Betriebsverfassungsgesetz nutzen können, um sich mit voller Kraft für bessere Arbeitsbedingungen für die aktuell knapp 11.000 Beschäftigten der Gigafactory einzusetzen." Die Betriebsratsvorsitzende Schmitz hätte eine wirksame Interessenvertretung jedoch durch wiederholte Pflichtverletzungen behindert. So wirft die IG Metall ihr etwa vor, Betriebsrats-Newsletter ohne vorherige Abstimmung an die Belegschaft versandt zu haben. Mitunter hätten diese Newsletter Angriffe und falsche Behauptungen über Mitglieder der IG Metall enthalten.
Zudem seien Themen der Gewerkschaft gar nicht oder zu spät auf die Tagesordnung gesetzt worden. Man könne und wolle sich nicht länger damit abfinden, "dass wiederholt und wissentlich demokratische Regeln verletzt werden". Nun muss das Arbeitsgericht Frankfurt (Oder) prüfen, ob eine Absetzung der Betriebsratsvorsitzenden gerechtfertigt ist.

Mehrheit fühlt sich überlastet

Laut IG Metall fühlen sich 83 Prozent der Mitarbeiter in der Tesla Gigafactory oft oder sehr oft überlastet. Die Gewerkschaft setzt sich deshalb für mehr Entlastungen im Arbeitsalltag wie bezahlte Kurzpausen ein. Auch klare Übernahmeregelungen für Azubis und Leiharbeiter gehören zu den Zielen der Gewerkschaft.
Im Tesla-Betriebsrat sind IG-Metall-Mitglieder allerdings in der Minderheit. Die Mehrheit werde hingegen durch "managementnahe Gruppen" gestellt, so die IG Metall. Gegenüber dem "Manager Magazin" bezeichnet Tesla die Klage der IG Metall als "verzweifelt" und beschuldigt die Gewerkschaft, lediglich Unruhe im einzigen europäischen Tesla-Werk schüren zu wollen.