Test Audi S5/BMW M3
Der Schöne und das Biest

- Wolfgang König
Selten, dass einem ein BMW M3 leid tut. Schon gar nicht dieser hier, der neue M3. Die Angriffslust quillt ihm aus allen Fugen. Hungrig sieht er aus. Als wolle er Stücke aus dem Asphalt reißen, den Egos aller 911-Fahrer die Luft ablassen. Ein Auto, mit dem nicht zu spaßen ist. Ein Alphatier. Und doch: Ein wenig Mitleid schwingt mit. Denn daneben parkt der Audi S5. Der beste BMW, den Audi je auf die Räder stellte. Sogar optisch. Aus manchen Blickwinkeln sind die beiden Coupés nur schwer zu unterscheiden. Als hätten die BMW-Designer nach verrichteter Arbeit bei Audi weitergemacht. Nur, dass der S5 mit seinem Maul und dem Hüftschwung noch mehr unter die Haut geht. Außerdem haben die Techniker mit der alten Audi-Krankheit aufgeräumt. Sie schoben den Motor nach hinten und milderten so die Kopflastigkeit. Und zur Feier schenkten sie dem 4,2-Liter-V8 noch zehn PS mehr. Macht zusammen 354 PS. Und 440 Nm Drehmoment, wobei der quattro-Antrieb nun 60 Prozent der Kraft an die Hinterräder schleust. Alles in allem kann das nur eines heißen: fürchte dich, BMW, fürchte dich sehr.
Für den M3-V8 gäben alle Motoren-Techniker ihr letztes Hemd


Der Ohrenschmaus kommt dabei nicht zu kurz. Die Jubel-Arien begleitet ein heiseres Röhren, nicht vulgär, sondern aufwühlend und edel zugleich. Derweil liefert der Schalthebel für die sechs eng gestuften Gänge den idealen Taktstock für optimale Resultate: Bis 100 km/h ist der Vorsprung des M3 gering, doch spätestens bei 160 verschwindet der S5 im Rückspiegel. Armer Audi? Nicht wirklich. Sicher, sein Temperament beim Gasgeben ist nicht so stürmisch. Aber dafür benimmt er sich weniger aufgeregt. Und Gelassenheit ist bekannlich auch eine Zier. Bei Tempo 160 etwa, bei dem der S5 im Sechsten noch friedlich dahin schnürt, herrscht im Maschinenraum des M3 bereits geschäftiges Treiben - Folge der kürzeren Übersetzung. Die sorgt freilich auch dafür, dass der Rückstand des M3-Motors in puncto Drehmoment in der Praxis keine Rolle spielt. Entscheidend ist, was an den Rädern ankommt, und das hängt eben von der Übersetzung ab. Dass der BMW obendrein 100 Kilo weniger wiegt, hilft natürlich. Sein Carbondach, Stolz der Münchener, spart übrigens nur fünf Kilogramm.
Verglichen mit früheren Modellen ist der S5 eine Offenbarung


Wohl kaum. Was dem M3 dazu fehlt, ist die Traktion des Allradantriebs. Bei Nässe oder auch nur auf unebener Fahrbahn steht der M3 auf verlorenem Posten. Dann ist seine Schlupfregelung trotz Sperrdifferenzials im Dauereinsatz, und der S5 zieht gnadenlos weg. Kleiner Trost: Im BMW lebt es sich angenehmer. Während der stramm gefederte Audi auf welligen Straßen mit seinen Passagieren Jojo spielt, zeigt sich der BMW nachsichtig. Im Komfortmodus der Verstelldämpfer (1900 Euro Aufpreis) steckt das Fahrwerk sogar grobe Stöße brav weg. Davon konnten Fahrer des alten M3 nur träumen. Damit dürfte dann auch der anfangs gehegte Verdacht endgültig ausgeräumt sein. Der BMW M3 muss sich nicht wirklich vor dem Audi S5 fürchten. Unterschätzen sollte er ihn allerdings auch nicht.
Fazit von AUTO BILD-Redakteur Wolfgang König

Bild: Sven Krieger
S5 markiert die Audi-Zukunft
Das beim A5/S5 eingeführte neue Antriebskonzept soll künftig auch dem A4 auf die Sprünge helfen. Wichtigste Neuerung: Die Kupplung befindet sich nun hinter dem Differenzial. Die Reihenfolge im Antriebsstrang ist also Motor, Differenzial, Kupplung, Getriebe. Das ermöglicht es, die Vorderachse weiter vorzurücken und den vorderen Karosserieüberhang zu verkleinern. Das wiederum führt zu einer gleichmäßigeren Gewichtsverteilung. Weitere Neuerungen: Das Lenkgetriebe befindet sich nun vor der Vorderachse, mithin näher an den Radmittelpunkten. Davon profitiert die Lenkpräzision. Und schließlich sorgt die Fünflenker-Vorderachse für eine bessere Radführung.
M3: Das ist der sportlichste V8 Deutschlands
Der sportlichste V8 jubelt bis auf Weiteres im neuen M3. Nicht nur dass die extrem leicht gebaute Vierlitermaschine gerade mal 202 Kilogramm auf die Waage bringt. Sie strotzt geradezu vor technischen Leckerbissen. Eine kleine Auswahl: acht Drosselklappen für blitzartiges Ansprechen, Ölkreislauf mit zwei Ölbehältern für sichere Schmierung bei extremen Fahrmanövern, extrem dünnwandige Edelstahl-Auspuffanlage mit vier Katalysatoren, neu- artige Ionenstrom-Technik bei der Einspritzung für eine optimale Dosierung. Letztere bietet sonst nur der V10 im M5.
Am Limit: S5 und M3 auf der Piste
Wer wirklich den Grenzbereich dieser Autos erforschen will, tut das am besten auf einer abgesperrten Rennstrecke. AUTO BILD wählte dazu die Teststrecke des Reifenherstellers Continental. Klarer Fall: Bei trockener Fahrbahn ist der M3 deutlich schneller. Aber nur bei abgeschaltetem ESP. Und bei ausgeprägtem Fahrkönnen, denn die Driftwinkel kommen spontan und gewaltig. Den schnellen Handlingkurs bewältigt er in 1.35,04 Minuten, der S5 braucht 1.38,49. Der S5 begnügt sich dabei mit mäßigem Untersteuern und leichter beherrschbaren Lastwechselreaktionen.
Service-Links