Frisches Design, dynamischer Auftritt – der Chevrolet Cruze kann sich wirklich sehen lassen. Das Interesse wächst weiter, weil der Cruze als Erster der GM-Familie auf der Kompakt-Plattform des neuen Astra aufbaut. Noch mehr Aufsehen erregt sein Preis: Los geht’s ab 14.990 Euro, der Astra wird mindestens 16.500 Euro kosten – ein verlockendes Angebot. Die ausgewachsene Stufenhecklimousine bietet genug Luft auf fünf Plätzen, ihre 450 Liter Kofferraum fassen das Reisegepäck einer Familie. Einfache Materialien verraten jedoch, woher der Schnäppchenpreis kommt. Immerhin: Die Verarbeitung ist solide, die Ausstattung üppig: ESP, sechs Airbags, CD-Radio, elektrische Fensterheber vorn und drei Jahre Garantie sind stets Serie. Die Feinabstimmung von Fahrwerk, Bremsen und Lenkung lag in den Händen europäischer Ingenieure. Davon ist aber wenig zu spüren.

Zehn Liter Super sind für ein brandneues Auto indiskutabel

Chevrolet Cruze 1.6 LS
Motor und Fahrverhalten können mit dem dynamischen Äußeren des Cruze nicht annähernd mithalten. Der 113 PS starke Basis-Benziner ist mit dem 4,60-Meter-Cruze überfordert, wirkt zugeschnürt, hängt zäh am Gas und dreht unwillig hoch. Zudem lärmt er und säuft: Bei zügiger Fahrweise sind knapp zehn Liter Super für ein brandneues Auto indiskutabel. Die viel zu lange Übersetzung des Fünfganggetriebes ist keine Hilfe, zwingt zu Schaltarbeit am labberig geführten Hebel. Unpräzise arbeitet auch die gefühllose und bei schnellen Richtungswechseln stark verhärtende Lenkung, was sportliche Ambitionen schon im Ansatz erstickt. Gemächliches Gleiten ist freilich auch keine Stärke des Koreaners, die unterdämpften Federelemente stolpern unwirsch über Kanten und Fugen. Wenigstens das Fahrverhalten ist frei von Tücke, das früh eingreifende ESP hat alles im Griff. So empfiehlt sich der Cruze vor allem Preisbewussten, die kein Problem damit haben, einen Blender zu fahren.

Fazit

von

Uli Holzwarth
Eine enttäuschende Vorstellung. Von einem komplett neuen Auto erwarten wir mehr Komfort, Agilität und Wirtschaftlichkeit. Wenn der Cruze in der Kompaktklasse bestehen soll, müssen die Entwickler noch mal ran. Billig allein reicht schon lange nicht mehr.

Von

Uli Holzwarth