Test Mercedes CLK DTM AMG Cabrio
Offen und gefährlich

An Bord dieses kompromisslosen Spaßgeräts geht es für jede Frisur um Leben und Tod: Das 582 PS starke Mercedes CLK DTM AMG Cabrio erfüllt den ausgelutschten Begriff "Frischluft" mit neuem Leben.
- Margret Hucko
Regentropfen haben etwas Beruhigendes. Vor allem in diesem Wagen. Im Mercedes CLK DTM AMG Cabrio besänftigt leises Prasseln nicht nur das Gemüt, sondern auch mein Gewissen. Eigentlich müsste ich ihn mal offen fahren, hatte ich mir beim Frühstück vorgenommen. Dem mechanischen Motorgeräusch des V8-Kompressors ungefiltert zuhören wie der eigenen Lieblings-CD. So eine Chance, die kommt vielleicht nie wieder. Dann fing es an zu regnen. Das Verdeck blieb zu. Es war ein gutes Gefühl, sich der Frage nicht stellen zu müssen: offen oder geschlossen? Sondern einfach abzutauchen unter das schwarze Stoffverdeck. Sich zu verschanzen hinter hochgefahrenen Fensterscheiben, tief sitzend im grauen Alcantara-Schalensitz. Damit süffisante Blicke und dumme Sprüche einfach am Mercedes abprallen. Denn der CLK DTM ist der schnellste offene Viersitzer der Welt, ein Hingucker, wie aus Hollywood importiert. So auffällig zurechtgemacht sieht er aus: tief heruntergezogene Frontschürze, breite Kotflügel, die Heckpartie in Diffusor-Carbonoptik mit einem Spoiler in Modellflugzeug-Maßen. Motorhaube, Türen und Kotflügel sind aus leichter Kohlefaser. Vorn stützt sich der Achtzylinder auf 19-Zöller, hinten sind die Reifen sogar noch eine Nummer größer. Die machen schon im Stand viel Wind.
Ungeduldig flippert das digitale Drehzahlband im Tacho

Der CLK ist "One out of 100", einer von limitierten 100 Stück. Jedes Cabrio zum Preis eines Einfamilienhauses mit der Gemütlichkeit eines modernen CD-Regals. Großteile des Innenraums wie die Türinnenverkleidung baute AMG aus Carbon, in der Mittelkonsole glänzt die Wählhebelkulisse silbern. Beim Beschleunigen auf der Rennstrecke werden die Gänge blitzschnell eingelegt. Im manuellen Modus greift die Automatik erst gar nicht ein und hält die Gänge fest. Bis sich der Fahrer erbarmt und per Schaltwippen am Lenkrad den Wagen aus dem roten Bereich befreit. Nur beim Stopp wählt der AMG-Mercedes automatisch den ersten Gang an.
Cabrio mit Slot für den Alltag
Hemmungslos dreht der Wagen bis zum Begrenzer, auf der Rennstrecke verhält er sich neutral und neigt nur beim Herausbeschleunigen zum leichten Untersteuern. Vor dem Abflug fängt ESP den CLK wieder ein. Zum Deaktivieren des Schleuderschutzes gibt es einen Kippschalter, komplett lahmlegen lässt sich der Sicherheitsanker allerdings nicht. Denn das Cabrio besitzt vor allem einen Slot für den Alltag. Was ihn nicht weicher macht. Denn das Gewindefahrwerk mit Lamellendifferenzialsperre geht mit aller Härte zu Werke. Beim Federn scheuern die riesigen Gummiwalzen in den Radhäusern, in Tiefgaragen-Ausfahrten neigt das Cabrio zum Aufliegen. Mit etwas Nachsicht ist der CLK aber erstaunlich alltagstauglich. Das mit Wildleder eingeschlagene Lenkrad bewegt sich zwar schwer, garantiert dafür aber Spurtreue auf der Autobahn bis zum Abregeln der Elektronik. Der Wendekreis liegt mit 13,5 Metern immerhin noch auf dem Niveau eines Geländewagens.
38,2 Meter – in diesem Auto ein enttäuschender Bremsweg

Fazit von AUTO BILD-Redakteurin Margret Hucko
Das CLK DTM AMG Cabrio ist ein Rennwagen, der sich – trotz des abstrusen Namens – problemlos auch im Alltag bewegen lässt. Vorausgesetzt, man hat ein Faible für ein spartanisches Interieur und harte Straßenlage. Beeindruckend sind vor allem die Beschleunigungswerte, enttäuschend dagegen die Bremsen. Den Stoffhut des Cabrios sollte man nur in der Stadt ziehen, sonst stehen einem die Haare zu Berge.
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