Test Toyota Auris

Ein starker Gegner

Mit dem Auris steht der Nachfolger des Corolla in den Startlöchern. Und wieder greift Toyota den Golf an – diesmal könnte es klappen.
Auris leitet sich vom lateinischen "Aurum" ab. Das steht fĂŒr Gold. Entsprechend glĂ€nzend sollen die Zulassungszahlen des Corolla-Nachfolgers ausfallen: 150.000 Exemplare erhofft sich Toyota fĂŒr dieses Jahr. Verkaufsstart ist der 3. MĂ€rz 2007. Gezeichnet wurde der Auris im Toyota-Designzentrum in SĂŒdfrankreich. Herausgekommen ist ein Ă€hnlich konservatives Auto wie der Golf. Formale Akzente setzt der kompakte Japaner im Innenraum. Wird der Startknopf gedrĂŒckt, beginnen die großen Rundinstrumente im gelblichen Hintergrundlicht zu strahlen. Die gut ablesbaren LED-Anzeigen fĂŒr Tankinhalt, Wassertemperatur und Wegstrecke sind hĂŒbsch eingebettet in Tacho und Drehzahlmesser. Ein besonderer Clou ist die Mittelkonsole, die sich wie eine BrĂŒcke vom ArmaturentrĂ€ger zum Wagenboden spannt. Dadurch liegt der Schalthebel sehr hoch und direkt neben dem Lenkrad. Ein kurzer Griff, schon ist der nĂ€chste Gang drin. Denn neben einem praktischen will der Auris ein fahrerorientiertes Auto sein. Doch das wollen fast alle.

Der Auris will in erster Linie ein praktisches Auto sein

Starten wir also zum ersten Probegalopp. Der neue 1.6-Benziner verfĂŒgt jetzt auch auf der Auslassseite ĂŒber eine variable Ventilsteuerung (Dual VVT-i) und leistet 124 PS. Leise und kraftvoll zieht er den Auris nach vorn. Bei Tempo 130 liegen 4000 Umdrehungen pro Minute an. Trotz 13 Prozent mehr Leistung gegenĂŒber dem Corolla-Motor soll der Verbrauch nicht steigen. Die neutrale Fahrwerkabstimmung des Auris bestĂ€tigt geschmeidigen Abrollkomfort und stellt auch sportliche Naturen zufrieden. Erst bei hohen Kurvengeschwindigkeiten schiebt er kontrolliert ĂŒber die Vorderachse und warnt per ESP-Pieper. So weit, so unspektakulĂ€r, typisch Toyota eben. Der Auris will in erster Linie ein praktisches Auto sein; entsprechend wurde es konstruiert – von innen nach außen. Mit 4,22 Meter nur zwei Zentimeter lĂ€nger als der Golf, baut der neue Kompaktwagen mit 1,51 Metern aber fast zwei Zentimeter höher. In der Breite kommen beide Kontrahenten auf 1,76 Metern. Kopf- sowie Beinfreiheit des Auris sind speziell im Fond exzellent und sorgen fĂŒr ein hallenartiges RaumgefĂŒhl.
Doch es ist nicht alles Gold, was glĂ€nzt. Die Drehknöpfe fĂŒrs Radio sind zu klein und zu glatt. Das Bedienfeld rechts neben dem Navigationsmonitor nervt mit lĂ€stigen Reflexionen, sodass die Funktionsaufschriften nicht erkennbar sind. Und dass die Kennzeichenhalterung beim Zuschlagen der Heckklappe scheppert wie eine Blechdose, sollte eigentlich nicht passieren. Nebenbei erwĂ€hnt: "Auris" heißt nicht nur Gold, sondern auch "Ohr". Aufhorchen mĂŒssen wir vor allem beim Preis. Denn hier liefert Toyota eine Kampfansage. Das dreitĂŒrige Basismodell mit 97 PS kostet 15.200 Euro. FĂŒr den vergleichbaren Golf mit 102 PS verlangt VW 17.440 Euro.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Jörg Maltzan

Mit dem Auris bringen die Japaner einen Kompakten, der durchaus das Zeug zum Golf-SchlĂ€ger hat. Er ist modern und dennoch praktisch, sportlich und trotzdem komfortabel. Und was die Japaner fĂŒr den Preis von 15.200 Euro bieten, verdient Respekt. Da muss sich nicht nur VW warm anziehen.
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