Wie viele müssen denn noch kommen, damit sich die Gerüchte endlich in Luft auflösen? Das Gerücht, dass der Prius sich für Toyota nicht rechne. Dass der Hybrid kein echtes Auto, sondern eine clever lancierte Marketingmaschine sei? Wer's glaubt ... Schließlich startet am 27. Juni 2009 die dritte Generation des Elektro-Benzin-Gleiters in Deutschland. Mit einem Image, sauberer als wollweiß, mit Botschaften, bewegender als Obama-Reden. Und einer Technik, für die Ingenieure früher in die Psychatrie gewandert wären. Ein Auto, das bis zu 45 km/h rein elektrisch fährt? Ha! Das bezahlbare 24.950 Euro kostet? Nee! Das durch das Zusammenspiel von Elektro- und Benzin-Motor auf nur 3,9 Liter Super kommen soll, umgerechnet also nur 89 Gramm CO2 ausstößt? Darüber sollten die ewigen Zweifler lieber reden, statt sich das Maul zu zerreißen. Oder einfach mal den Mund halten und leisetreten – so wie der Prius. Dessen Hightech-Antrieb fährt wie ein PC per Knopfdruck hoch. "Ready", fertig zum Start, signalisiert der zentrale Monitor, sonst passiert nichts. Keinen Laut gibt der 4,46-Meter-Wagen von sich, nichts vibriert.

Eine Gesamtleistung von 136 PS

Toyota Prius Hybrid
Bild: Toni Bader
Beinahe nervenkitzelnd ist diese Ruhe im futuristischen Cockpit. Dessen Automatik-Joystick wächst nicht mehr aus dem Armaturenträger, sondern steht in der frei schwebenden Mittelkonsole und glänzt nun blau. Daneben warten drei weitere Knöpfe. Einer, um rein elektrisch (EV) zu rollen, die anderen für besonders sparsame (Eco) oder sportliche Gangart (Power). Erst einmal Eco drücken. Nur noch verhalten reagiert der Prius aufs Gaspedal, das Hybrid-System mit einer Gesamtleistung von 136 PS lässt drin. Der Fahrwerkskomfort wirkt nicht mehr so hölzern wie bisher, und die Lenkung gibt endlich mehr Gefühl davon, was unter den Vorderrädern passiert. Ihre Vorliebe für Virtuelles leben die Japaner nur noch im Cockpit aus. Die Grafik, die übers Zusammenspiel der Hybrid-Komponenten informiert, zeigt rollende Räder fast in Echtzeit.

Mit Sonnenkraft ein kühles Klima für drinnen

Toyota Prius Hybrid
Bild: Toni Bader
Neu ist auch ein Head-up-Display. Sieht so Autofahren 3.0 aus? Nichts dagegen, wenn sich Ideen wie das Solardach (1000 Euro extra) durchsetzen. Mit Sonnenenergie kühlt der Prius den Innenraum runter. Wieder ein Problem, das sich in Luft auflöst. weniger Saft an die Räder, die Klimaanlage arbeitet im Sparbetrieb. Dagegen geht bei "Power" die Post ab. Na ja, alles im ökologisch korrekten Rahmen natürlich. Zum Hybrid-Heizer mutiert der Toyota auch dann nicht. Immerhin: In 10,4 Sekunden soll Tempo 100 erreicht sein. Und der auf 1,8 Liter Hubraum vergrößerte Benziner mit 99 PS heult weniger durchdringend als der 1,5-Liter (77 PS) im Vorgänger – im unteren Drehzahlbereich hat er ordentlich an Dampf zugelegt. Sparsam fährt er trotzdem. Ohne große Anstrengung waren bei der ersten Testfahrt 4,5 Liter Verbrauch.

So funktioniert der Hybrid

Zum Prius-Antrieb gehören ein Elektro- und ein Benzinmotor, eine Hochleistungsbatterie sowie die Leistungsverzweigung, die Antriebskräfte je nach Bedarf vereint oder teilt. Kurzfristig kann der Toyota auch rein elektrisch fahren. Beim Bremsen wirkt das E-Aggregat als Generator und speichert rückgewonnene Energie in der Batterie.

Fazit

Toyota hat Schwächen des Prius ausgemerzt, Antrieb und Alltagstauglichkeit deutlich verbessert. Die Japaner verfolgen ihre Strategie vom starken Hybriden weiter. Dass ein Wagen dieser Größe nicht mehr als 3,9 Liter verbraucht, ist ebenso faszinierend wie der geräuschlose Elektrobetrieb.