Toyota Century (2019): Erste Fahrt

Toyota Century (2019): Erste Fahrt in Japans Luxusliner

Fahren wie der Kaiser

Was in England der Rolls-Royce ist, ist für Japan der Century. Selbst der Kaiser lässt sich in einem chauffieren. AUTO BILD ist die Luxuslimousine gefahren.
Was dem Deutschen der Maybach und dem Engländer der Rolls-Royce, das ist dem Japaner der Century. Wenn es um den Century geht, verstehen sie bei Toyota keinen Spaß und lassen sich vor allem nicht hetzen. Mit Samthandschuhen streichelt der diensthabende Wagenmeister zur Kontrolle noch einmal über den Lack und wischt mit dem Federpuschel aus dem Kofferraum den letzten Staub vom Blech, bevor er einem die Luxuslimousine zur Testfahrt überlässt. AUTO BILD ist die jüngste Auflage exklusiv gefahren!

Pro Monat nur 50 Century

Der Century ist groß und fährt sich auch so. Er ist vieles, aber auf keinen Fall ein gutes Stadtauto.

Das liegt weniger daran, dass der Century mindestens 19,6 Millionen Yen oder umgerechnet gut 160.000 Euro kostet und damit der mit Abstand teuerste Toyota ist. Und es liegt auch nicht allein an den gerade mal 50 Exemplaren, die sie pro Monat produzieren, so dass der Nachschub ein wenig limitiert ist. Sondern das liegt vor allem an der Stellung, die der Century auf der Straße hat. Der anlässlich des 100. Geburtstages von Firmengründer Sikachi Toyoda 1967 erstmals präsentierte Luxusliner ist nicht nur das Flaggschiff von Toyota und nach über 50 Jahren Produktion eine lebende Legende, sondern er ist auch die vornehmste Limousine im Land und zugleich die offizielle Staatskarosse. Deshalb grenzt es fast an ein Wunder, dass sie überhaupt einen Schlüssel rausgeben an einen Europäer. Da wird man sich dann wohl auch mal ein bisschen Zeit für die Übergabe nehmen können.

Jetzt mit V8 aus dem Lexus LS

Das Zeitgefühl ist das erste ist, was bei der Fahrt im Century auf der Strecke bleibt. Toyota hat das Auto zwar gerade erst neu aufgelegt, aber ganz nach dem Geschmack der konservativen Kunden sind die Wollpolster unter den blütenweißen Häkeldeckchen und die Displays mit der Qualität der ersten Gameboys hoffnungslos altmodisch. Vom fast schon barocken Design und dem strengen Stufenschnitt der 5,34-Meter-Limo ganz zu schweigen. Unter der Haube verschwindet der Zwölfzylinder zur aktuellen Generation und wird durch das V8-Tandem aus dem Lexus LS ersetzt. Fünf Liter Hubraum, eine Systemleistung von 431 PS, ein maximales Drehmoment von 510 Nm aus dem Verbrenner und 300 Nm aus den E-Maschinen sind selbst bei 2,4 Tonnen Leergewicht allemal genug; erst recht, wenn man ohnehin nirgends schneller als 120 fahren darf.

Zeitreise in Toyotas Flaggschiff

Im Fond ist es bequem. Europäer sind aber trotzdem mehr Platz in der Luxusklasse gewohnt.

Am angenehmsten verbringt man im Century die Zeit im Fond – selbst wenn die Platzverhältnisse für groß gewachsene Westler im Fußraum trotz eines um 6,5 Zentimeter auf 3,09 Meter gestreckten Radstandes nicht gerade üppig sind. Zum Glück lässt sich der Beifahrersitz weit nach vorne fahren. Dann wird's hinten ähnlich bequem wie in Maybach & Co. Natürlich gibt es auch im teuersten Toyota ein Infotainment-System, das nach alter Väter Sitte in einem Turm zwischen den Sitzen aufragt. Leider gibt es im japanischen Flaggschiff weder WLAN noch Ambientebeleuchtung und ohne riesige Tablets kann der Century nicht wirklich mit der Konkurrenz mithalten.

Im Vergleich zum Vorgänger ist der Radstand gewachsen. Das macht sich auch im Fond bemerkbar.

Im Century wird jede Fahrt zum surrealen Erlebnis, weil man in diesem Auto der Welt förmlich entrückt ist: Wo man im Rolls-Royce allenfalls noch das Ticken der Uhr hört, stört hier schon der Lidschlag des Fahrers die Ruhe, so dick ist der Wagen gedämmt. Die Luftfederung bettet die Insassen wie auf Wolken und wer das psychedelische Farbenspiel oder die neugierigen Blicke da draußen leid ist, der lässt auf Knopfdruck die seidenen Häkelgardinen vor die Fenster surren und entschwindet damit vollends in seine eigene Welt.

Century verlangt ständige Aufmerksamkeit vom Fahrer

Ein Infotainment ist vorhanden, ist aber nicht wirklich konkurrenzfähig verglichen mit dem Wettbewerb.

Hinter dem Lenkrad muss man dagegen alle Sinne beisammenhalten – selbst wenn der Century mit allen Assistenzsystemen vom Abstandsradar bis zum Notbremssystem ausgestattet ist. Doch in der Stadt ist das Dickschiff einfach zu groß und zu unhandlich. Auch über Land lässt sich das Format nicht verhehlen und ebenso wie das Gewicht. Nein, was Toyota stolz als beste Limousine der Welt rühmt und was in Japan einen höheren Stellenwert hat als jeder Rolls Royce oder Bentley, von S-Klasse oder Siebener ganz zu schweigen, ist alles andere als perfekt und könnte noch so manches Update vertragen. Bekommt der Century ja auch. Vielleicht. Irgendwann. Denn nachdem die erste Generation stolze 30 und die zweite immerhin 20 Jahre gelaufen ist, werden sich die Japaner bei der dritten Auflage ganz sicher nicht hetzen lassen.

Toyota Century (2019): Erste Fahrt

Autor: Timo Gohler

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