Toyota GR Supra A90 Final Edition und Lightweight EVO: Fahrbericht
Toyota GR Supra: Das Beste kommt mit Schuss

Bild: Jayson Fong
Toyota läutet das Ende der aktuellen A90-Generation seines GR Supra ein – und legt noch mal eine Schippe drauf. Mit gleich zwei Sondermodellen verabschiedet sich der japanische GT-Sportwagen. Die A90 Final Edition mit 441 PS ist dabei der starke Abgang, die GR Supra Lightweight EVO macht sich zum Abschied leichter. Weniger Spaß macht die Alternative für Puristen jedoch nicht unbedingt.
Final Edition: der "Directors Cut" der Supra A90
Nur 300 Exemplare der A90 Final Edition weltweit, ein paar davon für Deutschland: Wer eine will, muss schnell sein – und bereit, mindestens 142.800 Euro zu zahlen. Denn die Über-Supra ist so etwas wie ein Director's Cut für Ingenieure: Einfach mal alles reingepackt, was das Herz begehrt.
Das treibt nicht nur den Preis nach oben, sondern auch die Performance: Der bewährte 3,0-Liter-Reihensechszylinder von Technikpartner BMW leistet zum krönenden Abschluss 441 PS und wuchtet 571 Newtonmeter Drehmoment auf die Kurbelwelle. Statt der bekannten Automatik regelt ein manuelles Getriebe die passende Übersetzung in Richtung Hinterräder – ein selten gewordener Spaß für echte Enthusiasten.
Also: Startknopf drücken. Und erst mal den Kaltstart genießen. Heiser brabbelnd meldet sich der Adoptiv-Bayer unter der langen Motorhaube zum Dienst. Dessen Ansaugwege und Motorsteuerung hat Gazoo Racing – oder kurz GR – komplett überarbeitet, Akrapovič steuert eine Sportauspuffanlage bei. Ergebnis: 275 km/h Topspeed, 0 auf 100 km/h in 4,3 Sekunden.

Mit der GR Supra A90 Final Edition (links) und der Lightweight EVO krönt Toyota den Abschluss der aktuellen Baureihe.
Bild: Jayson Fong
Drei Runden und damit etwas über 15 Kilometer haben wir auf der Rennstrecke Circuit Parc Motor im spanischen Castellolí, um auf Tuchfühlung zu gehen. Dank in 16 Zug- und 12 Druckstufen verstellbarer KW-Dämpfer und sogar anpassbarem Sturz an Vorder- und Hinterachse lässt sich bei der Final Edition wie bei einem Rennwagen ein individuelles Set-up rausarbeiten. Wie viele der 300 Kunden davon wirklich Gebrauch machen werden, ist eine andere Frage.
Die Final Edition fährt sich subjektiv jedenfalls nah an der GT4-Rennversion der Supra. Vor allem die Karosserie ist mit allerlei Streben und Verstärkungen deutlich steifer geworden. Bei schnellen Richtungswechseln zeigt der Sportwagen wenig Wankneigung.

Die Final Edition ist umfangreich modifiziert; Karosserie-Anbauteile und der große Heckflügel machen keinen Hehl daraus.
Bild: Jayson Fong
Mit der überarbeiteten Lenkung lässt sich der Japaner präzise dirigieren, hängt sich stoisch in die Kurven. Auch wenn die Michelin-Semislicks des Typs Pilot Sport Cup 2 reichlich Grip aufbauen, können sie die fast 1,6 Tonnen Leergewicht nicht ganz vereiteln. Mit 265 Millimetern Breite vorn und 285 Millimetern hinten sorgen sie dennoch für hohe Kurvengeschwindigkeiten – und entsprechende Fliehkräfte.
Die rot ausgekleideten Carbon-Schalensitzen halten Becken und Oberkörper dabei auf Kurs, während Kniepolster blauen Flecken entgegenwirken. Denn: Einen guten Director's Cut machen vor allem zusätzliche Details aus.

Gewaltige Brembo-Bremsen mit 395-Millimeter-Scheiben vorn sowie Semi-Slicks von Michelin sorgen für Rennwagen-Feeling.
Bild: Jayson Fong
Hilfreich ist die Zwischengasautomatik, die beim Runterschalten stockende Hinterräder durch die Motorbremswirkung vermeidet. Die gewaltige Brembo-Bremsanlage mit 395-Millimeter-Scheiben vorn und 345 Millimeter Durchmesser hinten ist jedenfalls auf lange Spielzeiten bestens vorbereitet. Auch optisch gibt die Monster-Supra alles: Carbon-Frontspoiler, neue Frontschürze, Heckflügel im GT4-Stil – alles entwickelt im hauseigenen Windkanal.
Lightweight EVO: die fahraktive Alternative für jeden Tag
Wem die Final Edition zu extrem oder zu teuer ist, findet in der GR Supra Lightweight EVO ab 78.950 Euro eine interessante Alternative. Sie bleibt beim größeren der beiden Serien-Triebwerke mit 340 PS und 500 Newtonmeter, verzichtet aber ebenfalls auf die Automatik.
Auf der Rennstrecke macht sich der Leistungsunterschied zur Final Edition gefühlt weniger stark bemerkbar als gedacht. Auch wenn wir keine Rundenzeiten nehmen konnten: Der Reihensechszylinder lebt von seinem souveränen Drehmoment, weniger von der Drehzahl. Damit macht auch die Lightweight EVO einen souveränen Eindruck.

Die GR Supra Lightweight EVO ist ebenfalls handgeschaltet und die realistischere Variante für Kaufinteressierte.
Bild: Jayson Fong
Ihr Gewichtsvorteil gegenüber der Final Edition liegt bei gerade einmal 20 Kilogramm. Der Name ist also ein wenig übertrieben. Dank direkter Lenkung, geschärftem Fahrwerk und kleinen Aero-Modifikationen fährt sich die EVO dennoch spürbar agiler als jede andere Supra mit 3,0-Liter-Motor, die es bislang auf den europäischen Markt geschafft hat. Der Sprint auf 100 km/h gelingt in 4,6 Sekunden, bei 250 km/h ist Schluss.

Die Final Edition ist ein Director's Cut auf Rädern, findet Autor Martin Westerhoff.
Bild: Jayson Fong
Die serienmäßigen Michelin Pilot Super Sport bieten naturgemäß weniger Grip als die Semi-Slicks der Final Edition, zumal sie auch noch zehn Millimeter schmaler sind. Interessant wäre, wie nah die Lightweight EVO an die Final Edition bei gleicher Bereifung käme. Ihre Bremsanlage ist kleiner, aber bei unserem kurzen Stint standhaft. Die Sportsitze sind weniger extrem und komfortabler, das Einsteigen einfacher.
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