Gebrauchtwagen-Test Toyota Hilux VII

Toyota Hilux VII: Gebrauchtwagen-Test

Der (fast) Unzerstörbare

Man sieht ihn in fast jedem Land dieser Erde. Der Hilux ist das Weltauto schlechthin. Auch hierzulande hält er alles aus – fast alles.
Sicherheitstruppe der Vereinten Nationen in Afghanistan? Finstere Kämpfer im Bürgerkrieg? Hilfsorganisation im Afrika­-Einsatz? Sie alle vertrauen auf meist in unschuldigem Weiß lackierte Toyota Hilux. Warum eigentlich? Die selbst in den entlegensten Gegenden dieses Globus funktionierende Ersazteilversorgung von Toyota ist ein starkes Argument. Dazu kommt die legendäre Robustheit der stocksimplen Technik des Hilux. Ein belastbarer Rahmen aus dickem Stahlblech, ein einfacher Zuschalt­-Allradantrieb und die auch minderwertigem Sprit nicht abgeneigten Motoren bescherten dem Hilux in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten eine treue Fangemeinde. Und dies, obwohl er als Neuwagen und auch als Gebrauchter immer fünf bis zehn Prozent mehr kostet als seine asiatischen Konkurrenten von Mitsubishi, Nissan oder Isuzu.

Gebrauchtwagensuche: Toyota Hilux

Maximal 2,5 Tonnen darf der Hilux VII ziehen

Toyota ist mit seinen Angaben vorsichtig: Wenn 700 Kilogramm Zuladung angegeben sind, verkraftet der Rahmen auch 1,2 Tonnen.

Ist der Aufpreis wirklich gerechtfertigt? Zunächst ist man als Bewohner des im Vergleich piekfein gepflegten Mitteleuropa skeptisch. Denn der Toyota Hilux ist nicht nur teurer als die Konkurrenz, er bietet auch weniger Zuladung und Anhängelast. Mehr als 2,5 Tonnen waren es bei der hier besprochenen Generation 7 von 2005 bis 2015 ab Werk nie. Der Unterschied zu anderen Pickups: Toyota ist mit seinen Angaben sehr vor­sichtig. Wenn 700 Kilogramm Zuladung angegeben sind, verkraftet der Rahmen auch 1,2 Tonnen ohne Riss und Bruch. Wenn 2,5 Tonnen Anhängelast angegeben sind, kann man auch eine komplette Tonne mehr dranhängen, ohne eine stinkende Kupplung oder zerbröselte Hinterachse befürchten zu müssen. Und wenn 15.000­-km­Wartungsintervalle vorgeschrieben sind, geht der Motor auch nicht entzwei, wenn mal ein Ölwechsel komplett ausgelassen wird. Der Markt für ein solches Auto ist hierzulande freilich über­schaubar. Denn – machen wir uns nichts vor: So ein Hilux ist unbequem, unkomfortabel und unhandlich. Wegen des großen Wendekreises und den 5,26 Meter Länge ist die Parkplatzsuche ein Geduldsspiel. Lange Strecken erfordern wegen der herben Federung echte Nehmerqualitäten. Ein Hilux kommt zwar immer an, aber die Insassen fühlen sich nach langen Autobahnetappen oft wie gerädert.

Ein Artikel aus AUTO BILD ALLRAD

Überblick: Alles zum Toyota Hilux

Der Zahnriemen ist ein äußerst robuster Typ

Wer das aushält, wird mit legendärer Zuverlässigkeit belohnt. Es gibt Hilux mit 400.000 km auf dem Tacho, deren Besitzer gerade erst erfahren haben, dass der Zahnriemen des Dieselmotors eigentlich alle 150.000 km gewechselt werden sollte. Risse gibt es trotzdem kaum, weil Riemen und Rollen sorgfältig hergestellt wurden. Weil kaum etwas kaputt geht, rücken seltene Defekte ins Rampenlicht. Dazu zählen die – auch bei Toyota sündhaft teuren – Injektoren des Dieselmotors, die auch in einem Toyota dankbar sind für hochwertigen Kraftstoff und korrekte Flammdichtungen. Nachtropfende oder schief sprühende Injektoren können einem heutigen Direkteinspritzer­-Diesel mit Leichtigkeit ein Loch in die Kolben brennen. Da hilft nur korrekte Wartung, gutes Öl und das Absolvieren von Updates.

Ersatzteilkosten*
Kotflügel vorn 278 Euro
Scheinwerfer 265 Euro
Bremsscheiben vo. (ein Satz) 192 Euro
Bremsbeläge vorn (ein Satz) 92 Euro
Schaltgetriebe (neu) 5435 Euro
Motor ohne Anbauteile (AT) 4758 Euro
Generator (AT) 429 Euro
Anlasser (AT) 371 Euro
Wasserpumpe (neu) 189 Euro
Auspuff ohne Kat 708 Euro
*Preise inklusive Mehrwertsteuer am Beispiel eines Hilux 2.5 D-4D mit Schaltgetriebe, Baujahr 2013

Kleine Öltropfen am Lenkgetriebe? Teuer!

Gammel-Problem: Türen, Haube und Pritsche müssen sorgfältig auf Rost geprüft werden.

Bei manchen Hilux (zwei Prozent) finden sich auch Öltropfen am Lenkgetriebe. Das sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen, obwohl meist nur ein (durch Breiträder?) überlasteter Wellendichtring unter der Staubmanschette schuld ist. Doch den gibt es nicht einzeln, weshalb das Lenkgetriebe über­holt oder gar ausgetauscht wer­den muss. Es gibt Leser, die da­ für über 2000 Euro berappen mussten. Federbrüche sind typisch für die oft stark beladenen Pickups. Aber beim Hilux trifft es selten die Blattfedern unter der Lade­pritsche, sondern die vorderen Schraubenfedern (zwei Prozent). Dort sind Brüche aber nur schwer erkennbar. Der letztlich einzige wirkliche Schwachpunkt des Hilux der Generation 7 ist der für die hiesigen Salzwinter ungenügende Rostschutz. Das bisschen Vorsorge, das Toyota seinem in Südafrika (Doppelkabine) und Thailand gebauten Hilux gönnte, reicht hier einfach nicht. Türen und Haube, aber auch die Pritsche müssen deshalb sorgfältig auf Rost geprüft werden. Nachträglicher Korrosionsschutz tut not. Die Gebrauchtpreise für den 2015 abgelösten Hilux der siebten Generation liegen – speziell beim 3.0 D­4D – auch deshalb auf solch hohem Niveau, weil der Nachfolger in Europa nur mit einem recht zähen EU6-­2.4­-Turbodiesel angeboten wird. Trotzdem sind Hilux-­Besitzer Wiederholungstäter. Die Wiederkaufquote von 68 Prozent ist ein Traumwert.

Gebrauchtwagen-Test Toyota Hilux VII

Toyota Hilux VIIToyota Hilux VIIToyota Hilux VII

Gebrauchtwagenpreise
Modell (unfallfrei mit mind. einem Jahr TÜV) 2.5 SingleC 2.5 Xtra-C. 2.5 X-C Sol/Life 2.5 DoKa
Türen / Zylinder 2 / 4 2 / 4 2 / 4 4 / 4
kW / PS 106 / 144 106 / 144 106 / 144 106 / 144
Verbrauch/100 km 9,5 l D 9,5 l D 9,5 l D 9,5 l D
Höchstgeschwind. 165 km/h 165 km/h 165 km/h 165 km/h
Versich.-Einstufung Lkw <1 to Nutzlast Lkw <1 to Nutzlast Lkw <1 to Nutzlast Lkw <1 to Nutzlast
Neupreis 25.882 27.191 31.416 28.857
2015, 71.000 km 15.700 16.500 19.100 17.600
2014, 90.000 km 14.300 15.000 17.200 16.000
2013, 109.000 km 12.800 13.500 15.400 14.400
2012, 127.000 km 11.500 12.000 13.700 12.800
2011, 144.000 km 10.400 11.000 12.600 11.700
2010, 160.000 km 9400 10.000 11.500 10.600
2009, 175.000 km 8500 9100 10.500 9600
Modell (unfallfrei mit mind. einem Jahr TÜV) 2.5 DK Sol/Life 3.0 DK Life/Co. 3.0 DK Execut.
Türen / Zylinder 4 / 4 4 / 4 4 / 4
kW / PS 106 / 144 126 / 171 126 / 171
Verbrauch/100 km 9,5 l D 10,5 l D 10,5 l D
Höchstgeschwind. 165 km/h 171 km/h 171 km/h
Versich.-Einstufung Lkw <1 to Nutzlast Lkw <1 to Nutzlast Lkw <1 to Nutzlast
Neupreis 33.558 35.402 38.794
2015, 71.000 km 20.500 21.800 23.750
2014, 90.000 km 18.300 19.500 21.500
2013, 109.000 km 16.500 17.500 19.500
2012, 127.000 km 14.700 15.500 17.400
2011, 144.000 km 13.500 14.200 16.000
2010, 160.000 km 12.300 13.000 14.500
2009, 175.000 km 11.200 11.800 13.000
Quelle: Schwacke; Händlerverkaufspreise (Euro inkl. MwSt.)
Martin Braun

Martin Braun

Fazit

Die Gebrauchtpreise sind hoch, speziell beim Nachfolger-losen 3.0 D-4D. Zum Glück sind schwere Schäden sehr selten, sodass sich die Investition fast immer lohnt. Nur die Rostvorsorge ab Werk ist eine Schande.

Stichworte:

Allradantrieb

Anzeige

Automarkt

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.