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Video: Toyota Verso (2014)

Sushi trifft Weißwurst

Von der neuen Achse versprechen sie sich einiges. Sie ist nicht in einem neuen Modell installiert, sondern wurde am grünen Tisch zwischen Akio Toyoda und Norbert Reithofer ratifiziert. Die neue Achse zwischen Toyota und BMW ist eine Investition in die Zukunft und passt so gut, weil – laut Toyota – beide Hersteller "Ingenieurs-getrieben" sind. Aha. Beide wollen künftig bei der Entwicklung von Sportwagen, neuer Leichtbau-Technologie und Batterietechnik kooperieren. Zudem haben sie angekündigt, bis 2020 gemeinsam einen Brennstoffzellen-Antrieb zu entwickeln.

Ab 15. März gibt's den Japaner mit BMW-Motor

Erste Früchte der neuen Freundschaft kommen allerdings schon jetzt ins Rollen. Vom 15. März an steht der Kompakt-Van Verso erstmals mit einem BMW-Motor beim Toyota-Händler. Weil europaweit das Segment der kleineren Diesel mit 1,6 Litern Hubraum wächst, Toyota aber kein eigenes Aggregat hat, half der neue Buddy aus Bayern aus. Frei nach dem Motto: Sushi meets Weißwurst. Das spart Geld, festigt die Freundschaft und ist sogar eine Art Dankeschön, denn den ersten Diesel für den Mini lieferte schließlich Toyota. 
So ganz taufrisch ist der Vierzylinder-Diesel, den die Deutschen so bereitwillig beisteuern, indes nicht mehr. Gebaut bei Steyr in Österreich, hat BMW ihn schon vor einiger Zeit aus dem Mini zum alten Eisen geworfen. Doch obwohl er auch nur Euro 5 erfüllt, erscheint er für Toyota  genau die richtige Wahl zur richtigen Zeit. Angepasst im türkischen Toyota-Werk Saharya an Getriebe, Motorhalterungen und diverse elektronische Schnittstellen, erklärt Toyota, dass sie sich vor allem der Reduzierung von Vibrationen und Geräuschen gewidmet haben. Nun war der Leihdiesel schon im Mini ein durchaus talentierter Brummbär und hält jetzt auch im Verso wenig davon, einen leiseren Ton anzustimmen. Beim Warmlaufen, aber auch später beim Beschleunigen, tackert es hörbar unter der Haube. Angenehm leise läuft der Bursche erst bei gleichmäßigem Tempo auf der Autobahn.

Zum Sportler wird der Verso nicht

Die Hoffnung, mit dem Motor auch ein Stückchen des bayerischen Sportsgeists in den braven Verso zu verpflanzen, stirbt bereits beim Blick in die technischen Daten. Mindestens 1520 Kilo wiegt der Touran-Konkurrent, voll ausgestattet kommen noch mal rund 100 Kilo dazu, dann noch mal bis zu sieben Personen plus Gepäck. Hm.
Toyota Verso 1.6 D-4D silber
Ab 23.350 Euro gibt es den neuen Verso: Das ist ein faires Angebot.

Die 112 PS reichen zu einer anständigen Performance, nicht aber zu einer Dynamik, die so etwas wie Freude am Fahren entfacht. Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Der Motor passt schon wirklich gut zum Verso, beißt vor allem spürbar kräftiger im unteren Drehzahlbereich als der bisherige Zweiliter-Diesel von Toyota, den er fortan ersetzt. Wunder aber kann er auch nicht vollbringen, und so bleibt der Verso auch mit Anschub von BMW eine unspektakuläre Größe im Van-Segment. Und ein faires Angebot (ab 23.550 Euro) mit reichlich Platz, kinderleicht klappbaren Sitzen und ordentlicher Qualität.

Das Multimediasystem zeigt unerwartete Schwächen

Toyota Verso 1.6 D-4D Cockpit
Neue Generation des Multimediasystems Toyota Touch: Das technisch begabte Ding offenbart in der Praxis allerdings unerwartete Schwächen.
Während der Japan-Van außen unverändert bleibt (es gibt nur einen neuen Braunton und neue 17-Zoll-Räder) zieht innen eine neue Generation des Multimediasystems Toyota Touch ein. Je nach Ausstattungsstufe kann es nun mit Hilfe von TomTom Verkehrsstörungen in Echtzeit melden, Online-Dienste und neueste Apps nutzen, reagiert auf Sprachbefehle und beherrscht Google StreetView. Das technisch begabte Ding offenbart in der Praxis allerdings unerwartete Schwächen. Bei Sonnenschein ist auf dem Bildschirm kaum noch etwas zu erkennen und die Darstellung im Navigationsmode ist teilweise irreführend. Zudem reagiert das System überraschend lahm und rechnet sich bei neuen Verkehrssituationen einen Wolf. Toyota wäre gut beraten, auch hier die neue Achse nach München zu bemühen.

Von

Tomas Hirschberger