Tracktest Lamborghini Murciélago GT1 gegen Gallardo GT3
Reiters wilde Stiere

Lamborghini Murciélago GT1 mit 590 PS und Lamborghini Gallardo GT3 mit 535 PS - AUTO BILD MOTORSPORT vereinte die beiden ungleichen Brüder des Reiter-Rennstalls zum ultimativen Vergleich.
Bild: Sven Krieger
Der Morgendunst hängt noch über der Strecke, als Christopher Haase in die Box Nummer 9 schlendert. Der Neuling und Spitzenreiter in der ADAC GT Masters ist viel relaxter als ich. Das Warten auf die Ausfahrten mit den Lamborghini aus dem Reiter-Rennstall haben mich nervös gemacht. Erst als Haase anfängt, mir den GT1 (Murciélago ) und den GT3 (Gallardo) zu erklären, legt sich die Aufregung. Beide haben nicht mehr viel mit ihren Serien-Pendants gemein. Statt edlem Leder nacktes Blech oder Carbon. Statt Klima- und Hi-Fi-Anlage nüchterne Displays. Dazu im GT3 Schaltwippen am Lenkrad. Klassisch dagegen der Schaltstock im GT1. Gleich das Getriebe. Hier wie da sequenziell mit sechs Gängen. Den Motor hat man immer im Rücken. Über die Käfigstreben zwänge ich mich in den Gallardo-Sitz. Hauptschalter ein, Zündung, und schon springt der 535 PS starke Zehnzylinder an. Jetzt will ich wissen, wieso dieser Renner im ADAC GT Masters fast unschlagbar ist.
Der Gallardo fährt wie auf Schienen

Bild: Sven Krieger
Also fliegender Wechsel. Im Murciélago fällt sofort die schlechtere Rundumsicht auf. Die tiefe Sitzposition lässt die Straße nur erahnen. Im Cockpit ist alles noch mehr auf Rennsport getrimmt. Der V12 nimmt erst nach drei Fehlversuchen seinen Dienst auf. Mit permanenten Gasstößen muss das 590-PS-Aggregat am Leben gehalten werden. Erster Gang rein. Mit einem lauten Klacken gibt das Getriebe Rückmeldung. Die Carbon-Kupplung langsam kommen lassen. Schon in der Boxengasse wird klar: Dieser Stier mag keine untertourigen Fahrten. Der GT1 will am oberen Drehzahllimit gehalten werden. Auch sonst unterscheiden sich GT1 und GT3 wie Tag und Nacht. Zwar sind die beiden Reiter-Lambos in Sachen Gewicht und Leistung fast identisch. Doch der GT1 ist einfach der kompromisslosere Racer. Bei jedem Schaltvorgang gibt es dank Zündunterbrechung ein lautes Knallen aus dem Auspuff. Die Power, mit der der V12 dem Gastfahrer ins Kreuz schlägt, ist schlicht brutal. Das Lenkrad flattert bei hohem Speed. In den Kurven gibt es nicht mal einen Millimeter Seitenneigung. Und beim Verzögern hilft kein Rettungsanker à la ABS. Nach Testende ist mein Fahreranzug fast komplett durchgeschwitzt von der harten Lenkarbeit.
Fazit von AUTO BILD MOTORSPORT-Tester Guido Naumann
Zwei ganz starke Renner: Der GT1 ist ein kompromissloser Renner, der GT3 ein handzahmer Gentleman-Sportler. Er gibt sich viel fahrerfreundlicher als der giftige GT1 aus der FIA GT. Für einen ambitionierten GT-Amateur ist der von Reiter Engineering aufgebaute Gallardo aus dem ADAC GT Masters interessanter. Der Murciélago aus diesem Hause ist eher etwas für Profis.
Der Vergleich in Zahlen
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