Der Mitsubishi Lancer Evolution ist und bleibt das Maß aller Dinge im Rallyesport. Und seit Kurzem sorgen die japanischen Allradler auch auf der Nürburgring-Nordschleife für staunende Gesichter. Grund genug für AUTO BILD MOTORSPORT, kurz vor dem Modellwechsel zum Evo 10 die 9er-Modelle aus Rallye, Rundstrecke und Serie auf dem Nürburgring zu vergleichen. Nürburgring? Was hat das denn mit Rallye zu tun? Gar nix, aber wo sonst könnte es im Herbst mit größter Sicherheit nasse und chancengleiche Bedingungen geben? Doch vor den Ergebnissen auf der Strecke wollen wir kurz die technischen Details der drei Evos erklären. Basis für alle drei Mitsubishi sind ein 280 PS starker 2,0-Liter-Turbomotor, Allradantrieb und kompakte Abmessungen. Schon das Serienmodell ist knackig und 250 km/h schnell. Bereits bei niedrigen Drehzahlen bläst der ladeluftgekühlte Turbolader zur Beschleunigungsattacke. Das kurz übersetzte Sechsgang-Getriebe unterstützt den Vorwärtsdrang der 1500 Kilogramm schweren Spaßmaschine bestens.

Bis Tempo 100 liegt der Rallye-Evo vorn

Mitsubishi Evo 9 Rallye
250 km/h schafft Hermann Gaßners Gruppe-N-Rallye-Evo-9 nicht. Mit seinem Sechsgang-Dogbox-Getriebe geht es zwar deutlich schneller auf Tempo 100. Aber bei 220 km/h ist Schluss. Noch eine Besonderheit des Getriebes: Man kann im Renntempo auch ohne zu kuppeln die Gänge im H-Schema einlegen. In der Leistung liegt der Rallyewagen mit offiziellen 272 PS etwas niedriger als die Serie. Dabei könnte das Auto, mit dem Gaßner gerade seinen dritten DM-Titel eingefahren hat, deutlich mehr Power auf den Asphalt oder Schotter bringen. Denn das Reglement schreibt 34 mm Durchmesser am Air Restrictor des Turboladers vor. Allein das Drehmoment von 530 Nm (Serie 355 Nm) bescheinigt das Potenzial des Triebwerks. Etwas mehr Technik und Power steckt in dem Rennwagen, genauer gesagt dem Evo 9 von Dutz-Motorsport aus der Langstreckenmeisterschaft. Unter der Motorhaube arbeiten ein größerer Turbolader und eine geänderte Auspuffanlage. Ergebnis: 420 PS und 280 km/h. Eines haben alle drei jedoch gemeinsam: das aktive Differenzial. Per Knopfdruck kann der Pilot das Mitteldifferenzial auf unterschiedliche Straßenbedingungen – Asphalt, Schotter oder Schnee – einstellen.
Mitsubishi Evo 9 Rundstrecke
Wird die Power des Renn-Evo den Rallyewagen auf der Rundstrecke besiegen können? Der Gruppe-N-Rallyewagen macht den Anfang auf dem nassen Geläuf des GP-Kurses. In den Schalensitzen festgezurrt, den ersten Gang mit einem lauten Knarren eingelegt, los geht's. Der blaugelbe Mitsubishi geht laut, spontan und aggressiv zu Werke. Keine Spur von der bekannten Turbo-Gedenksekunde. Dem Umluftsystem (hält den Ladedruck des Turbos bei Laune) sei Dank. Schon bei niedrigen Drehzahlen packt der Rallyestar kraftvoll zu. Runde zwei zählt. Eingang Mercedes-Arena wird der Evo in feinster Rallye-Manier zum Drift angestellt. Auch die folgenden Kurven werden in Schräglage gemeistert. Das fühlt sich schon sehr zügig an. Das Getriebe sorgt für blitzschnelle Schaltvorgänge. Doch auf dem schnellen Bergab-Bogen hinauf zur NGK-Schikane geht dem Gaßner-Evo die Puste aus. Bei 220 km/h ist Schluss. Am Ende reicht es nur für eine Zeit von 2:01 Minuten.
Ob der Renn-Evo seine Power bei dem nassen Geläuf ausspielen kann? Schon in der Mercedes-Arena ist klar: ja! Trotz unspektakulärer Linienfahrt umrundet er die Kurven des Nürburgrings, als wäre es trocken. Lässig lässt er sich mit seinem exzellent abgestimmten H&R-Fahrwerk über Curbs prügeln. Das alles unter Begleitung einer brüllenden Auspuffanlage. Man erlaubt sich durch den besseren Grip und den giftiger zupackenden Bremsen auch deutlich später zu verzögern. Durch den Bogen zur NGK-Schikane geht es mit Tempo 240. Am Ende stoppt die Zeit bei 1:56 Minuten. Und was ist mit dem gelben Serien-Evo? Zwar lenkt die gelbe Limo trotz Serienreifen schnell ein, seine kernige Feder-Dämpfer-Abstimmung passt perfekt, aber ihm fehlt es an Power. Mit 2:07 Minuten liegt er weit abgeschlagen zurück. Gaßner und sein Team wollen Revanche. Da der Dutz-Evo für einen Rallyekurs nicht ausgelegt ist, will Gaßner nächstes Jahr mit einem Langstrecken-Evo 10 zurückschlagen.

Fazit von AUTO BILD MOTORSPORT Testfahrer Guido Naumann

ABMS-Testfahrer Guido Naumann
Wer hätte das gedacht? Bei dem nassen Geläuf auf dem Nürburgring waren wir eigentlich von einem Unentschieden zwischen Renn- und Rallyewagen ausgegangen. Aber bei so viel Power wie im Dutz-Evo hilft auch der spektakulärste Rallye-Stil nicht. Geschwindigkeitsunterschiede auf der Start- und Ziel-Geraden von mehr als 20 km/h brachten die Bestzeit für das Rundstreckenauto. Zwar hielt sich der Serien-Evo wacker, aber mit seinem schwachen Drehmoment konnte die gelbe Limousine mit den Racern nicht mithalten.