Schumis Knie müssen schmal gewesen sein. Zwischen meinen ist jedenfalls kein Zentimeter Luft mehr. So eng ist der Beintunnel. Hier, in Schumachers ehemaligem Formel-3-Auto. Ja, ich sitze drin, darf ihn wirklich fahren: In diesem rot-weißen, 180 PS starken Reynard-VW, Typ 903 mit der Chassisnummer 007 gewann Michael Schumacher 1990 überlegen die deutsche Formel-3-Meisterschaft. Damals noch mit großen Aufklebern eines Tabaksponsors. Und von AUTO BILD. Unser Mutterblatt erkannte das Talent des damals 21-Jährigen früh – und unterstützte ihn bei seinem Weg in die Königsklasse Formel 1.

Schumis Meister-Flitzer ist zurück auf der Rennstrecke

Tracktest Schumacher Reynard 903 VW
Renn-Oldie: 19 Jahre alt und immer noch gut in Schuss. Davon überzeugte sich ABMS-Redakteur Martin Westerhoff auf dem Hockenheimring.
Bild: Lena Barthelmeß
Heute, 19 Jahre später. Schumi ist als siebenmaliger Formel-1-Weltmeister eine lebende Legende. Zum Leben erwacht in Hockenheim auch sein altes Auto wieder. Den silbernen Kippschalter nach oben umgelegt, Starterknopf daneben gedrückt. Erst rasselt’s, dann dröhnt’s. Von Motorenschmiede Spiess auf 180 PS getunt, läuft der Zwei-Liter-Motor von VW hohl dröhnend warm.
Mehr Gas. Die weiße Nadel des Drehzahlmessers fegt nach unten, zeigt über 3000 Touren. Gefühlvoll die Kupplung kommen lassen und … Mist! Ein Bocken – und nach hinten geht es. Der erste und der Rückwärtsgang liegen sehr eng aneinander. Dieser Rennwagen fordert von seinem Fahrer: selbst schalten und kuppeln. Wie in einem Pkw. Keine Halbautomatik mit Schaltwippe hinterm Steuer. Sondern Gang für Gang hangle ich den kleinen schwarzen Hebel zwischen rechtem Bein und Cockpitwand durch die Gassen.

Die starken Vibrationen lassen den ganzen Körper zittern

Tracktest Schumacher Reynard 903 VW
Zeitreise: 1990 wurde Michael Schumacher im Reynard 903-VW Deutscher Formel-3-Meister.
Bild: xpb.cc
Ich schieße die Parabolika-Kurve, die Vollgas-Links, runter. Im dritten Gang passiert’s, im vierten auch: mein ganzer Körper zittert vor Vibrationen. Denn der Drehzahlbegrenzer packt schlagartig und unsanft zu, rüttelt das ganze Auto durch. Im Fünften trete ich das Gas nicht mehr ganz durch. Über 250 km/h wären drin. Aber mir peitscht nicht nur der Fahrtwind gegen den Helm. Sondern das Lenkrad zittert in meinen Händen. Die Kerbs springen scheinbar wie ein Gummiband am Fahrbahnrand auf und ab, die Sicht verschwimmt. Das Auto schüttelt mich, ja schüttelt alles durch. Schumi, was warst du schmerzfrei, dich in diesem Hobel mit Otto Rensing und Wolfgang Kaufmann anzulegen!
Nicht einfach, mit Schumis Meisterauto am Limit zu fahren. Aber er hatte es voll im Griff. "Michael ist damals an die Box gekommen und hat uns genau gesagt, was er beim Setup ändern würde", erinnert sich Klaus Trella. Er leitete damals mit Schumachers Manager Willi Weber das Einsatzteam W.T.S. (Weber-Trella-Stuttgart). "Das habe ich danach so ausgeprägt bei keinem anderen Fahrer mehr erlebt." Das Geheimnis, warum dieses Auto so schnell war.


Zu spüren, wie sich Michael Schumacher vor 19 Jahren auf seinem Weg zum deutschen Formel-3-Meister in seinem Auto gefühlt hat, ist eine Wahnsinnserfahrung. Auch wenn vieles heute überholt scheint: Die Technik war damals in der Formel 3 schon weit entwickelt.