TÜV-Report: Opel Insignia B und VW Passat B8
TÜV-Duell mit Überraschung: Insignia legt vor – kann VW kontern?

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Zwei klassische Dienstwagen mit vielen Kilometern: Opel Insignia B und VW Passat B8 im TÜV-Duell. Wie schlagen sich die beiden Dauerläufer über die Jahre – und wo liegen ihre Schwächen?
Bild: Tom Salt
Zwei große, komfortable Mittelklasse-Modelle, besonders begehrt als Kombis – Opel Insignia B und VW Passat B8 werden vor allem von Vielfahrern und Flottenkunden geschätzt. Das sieht man gleich an den hohen durchschnittlichen Laufleistungen, mit denen Insignia und Passat zu den TÜV-Terminen antreten.
Liegen die Durchschnittswerte aller Prüflinge bei 42.000 Kilometern zur ersten HU und 62.000 Kilometern zur zweiten, werden Insignia und Passat deutlich mehr gefordert: Im Mittel haben Insignias nach drei Jahren schon 60.000 Kilometer abgespult, zum zweiten Termin sind es dann schon 84.000 Kilometer. Der Passat setzt da noch einen drauf: 70.000 Kilometer bei der ersten, sogar 93.000 Kilometer sind es im Schnitt bei der zweiten HU. Bei all dem, was der TÜV den beiden ankreidet, sollte man ihr außergewöhnlich hartes Leben berücksichtigen.
Insignia gebraucht deutlich günstiger
Doch während der VW Passat auch als Gebrauchter heiß begehrt ist, wird der Opel Insignia etwas unterschätzt. Das zeigt sich schon beim Preis. Wer nach scheckheftgepflegten Modellen im Alter von fünf bis sechs Jahren mit maximal 125.000 Kilometern sucht, stößt beim Passat auf Angebote, die bei etwa 18.000 Euro beginnen.
Im Vergleich dazu (aber auch absolut betrachtet) ist der Insignia ein richtiges Schnäppchen. Hier beginnen die Angebote bereits bei rund 12.000 Euro. Dabei bietet der Opel ein ausgezeichnetes Fahrwerk, tolle Sitze, viel Platz und interessante Extras wie das adaptive Matrix-Licht (IntelliLux). Und wer ihn fährt, der weiß: Im Insignia fühlt man sich richtig wohl.
Das gilt natürlich auch für den VW, aber rechtfertigt der souveräne Passat seinen deutlich höheren Gebrauchtpreis auch mit besseren TÜV-Noten? Schauen wir es uns an:

Sowohl der Insignia als auch der Passat erreichen in der Kategorie Mängelfreiheit zu beiden Terminen nicht den Gesamtdurchschnitt. Der Insignia steht zur ersten HU leicht besser da, der Passat beim zweiten Termin.
Bild: Mit Hilfe von KI erstellt
Zum ersten TÜV-Termin, nach zwei bis drei Jahren, liegt der Opel Insignia beim Anteil mängelfreier Fahrzeuge knapp vor dem VW Passat B8. Nach vier bis fünf Jahren dreht sich das Bild jedoch leicht: Der Passat zieht in der Statistik am Opel vorbei. Beide Modelle liegen bereits beim ersten Termin unter dem Durchschnitt, das ist angesichts der hohen Laufleistungen aber immer noch eine ordentliche Bilanz. Beim zweiten Termin verringert der Passat den Abstand zum Durchschnitt, zudem fällt er im Vergleich zur ersten HU nur um einen Prozentpunkt ab.
Anders sieht es beim Insignia aus: Weniger als 80 Prozent bestehen die zweite TÜV-Untersuchung ohne Mängel, ein deutlicher Abstand zum Gesamtdurchschnitt.
Geringe Mängel verkneift sich der Passat besser
Bei den geringen Mängeln hat der Passat durchweg die Nase vorn. Schon nach zwei bis drei Jahren liegt seine Quote bei nur 3,5 Prozent, während der Insignia mit 3,8 Prozent leicht schlechter abschneidet.
Mit zunehmendem Alter wächst der Abstand: Nach vier bis fünf Jahren finden die Prüfer am Passat in 4,3 Prozent der Fälle geringe Mängel, beim Insignia haben sich die Werte inzwischen fast verdoppelt, exakt sieben Prozent weisen jetzt geringe Mängel auf. Während der VW im ersten TÜV-Termin exakt auf Durchschnitts-Niveau und beim zweiten Termin sogar darunter liegt, reißt der Opel zu beiden Terminen die Werte des Gesamtschnitts.

Bei den geringen Mängeln kassiert der Insignia die schlechteren Noten. Insbesondere beim zweiten Termin sind seine Werte deutlich erhöht. Eine der Ursachen: Die vordere Beleuchtung (Tagfahrlicht, Nebelscheinwerfer) fällt beim Insignia etwas häufiger auf.
Bild: Mit Hilfe von KI erstellt
Geht es um die geringen Mängel, also Defekte, die nicht die Verkehrssicherheit beeinträchtigen, aber dennoch umgehend behoben werden müssen, steht der Passat besser da.
Erhebliche Mängel: Erst siegt der Opel, doch der Passat holt auf
Bei den erheblichen Mängeln – also Defekten, die zum Nichtbestehen der HU führen – startet der Insignia mit der besseren Bilanz: Nur 8,4 Prozent der zwei bis drei Jahre alten Fahrzeuge fallen durch, der Passat liegt klar schlechter, denn mehr als jeder zehnte Passat rasselt durch die erste TÜV-Prüfung (10,1 Prozent).
Beim ersten TÜV-Termin siegt also der Insignia. Doch bei der zweiten Hauptuntersuchung kippt das Bild: Der Passat verbessert sich relativ betrachtet beziehungsweise verschlechtert sich kaum im Vergleich zum ersten TÜV-Termin, während der Opel stark abbaut. Mit 13,6 Prozent erheblichen Mängeln fällt der Insignia klar hinter den VW zurück, der mit 10,3 Prozent sehr stabil bleibt.

Mit leicht mehr als zehn Prozent erheblichen Mängeln rauscht der Passat häufiger durch die erste TÜV-Prüfung. Der Insignia absolviert den ersten Termin nach zwei bis drei Jahren besser. Während der VW seine Werte zur zweiten HU stabilisiert, verschlechtert sich der Opel nach vier bis fünf Jahren deutlich.
Bild: Mit Hilfe von KI erstellt
Blicken wir auf die gestrichelte Linie, die den Gesamtdurchschnitt aller TÜV-Prüflinge darstellt, dann sehen wir, dass sowohl der Insignia als auch der Passat zu beiden Terminen deutlich durch die Prüfung rauschen (Mittelwerte: 6,4 Prozent zur ersten HU, 9,1 Prozent zur zweiten HU). Hier zeichnet sich die Eingangs erwähnte besonders hohe Laufleistung der beiden Prüflinge deutlich ab.
Das sind die Schwachstellen
Wir blicken auf die Mängelampel und sehen bei Passat bereits nach zwei bis drei Jahren gleich drei rote Felder. Dem Wolfsburger kreiden die Prüfer besonders oft verschlissene Bremsbauteile und auch eine mangelnde Funktion der Fußbremse an. Dazu verliert der Antrieb relativ häufig Öl, seine Quote liegt hier 50 Prozent über dem Gesamtdurchschnitt und dadurch eben im roten Bereich.

Der Passat sieht gleich zur ersten HU viel rot. Doch zum zweiten Termin verbessern sich die Werte. Da liegt der Passat nur noch bei den Bremsbauteilen im roten Bereich.
Bild: Tom Salt
Doch zum zweiten Termin normalisieren sich die Werte, beim Ölverlust liegen die Werte nun unter dem Schnitt, und auch das Problem mit der Funktion der Fußbremse hat der VW nun besser im Griff. Beanstandungen an der Abgasanlage gibt es in sehr seltenen Fällen nur beim ersten Termin, beim zweiten werden dafür gelegentlich die Lenkgelenke moniert. Aber auch dabei handelt es sich eher um Einzelfälle.
Die Farben-Bilanz des Insignia sieht im direkten Vergleich zum Passat erst harmloser aus. Doch das Thema Ölverlust ist beim Opel gravierender. Bei der ersten HU liegen die Durchfallquoten aufgrund von Leckagen mehr als dreimal über dem Gesamt-Mittelwert, beim zweiten Termin wird der Insignia im Vergleich zum Durchschnitt diesbezüglich sogar mehr als viermal so oft aus dem Verkehr gezogen.

Der Insignia sieht nicht ganz so oft rot. Wenn, dann aber richtig: Die Werte beim Ölverlust sind deutlich höher als die des Passat. Zudem rauscht der Insignia besonders oft durch die Abgasuntersuchung.
Bild: Tom Salt
Und ein paar weitere Schwachstellen verhageln dem Insignia die TÜV-Bilanz. Kritischer Rost ist zwar sehr selten, kommt aber dennoch vor. Und das bereits zur ersten HU. Diesbezüglich zeigt der Passat bei den ersten beiden TÜV-Terminen überhaupt keine Auffälligkeiten. Dazu scheitert der Insignia besonders oft an der Abgasuntersuchung.
Beim ersten Termin liegen die Werte dreimal so hoch wie der Mittelwert, zum zweiten sogar mehr als fünfmal über dem Gesamtdurchschnitt. Auch deswegen fällt der Insignia beim zweiten TÜV-Termin hinter den Passat zurück.
Fazit
Der Insignia hält den Passat beim ersten TÜV noch in Schach. Doch beim zweiten Termin legt der Passat die stabilere Bilanz hin: Einige seiner Schwachstellen bekommt er in den Griff, dazu kennt er überhaupt kein Rostproblem und hat beim Ölverlust deutlich geringere Durchfallquoten. Auch mit der Abgasuntersuchung hat vor allem der Insignia zu kämpfen, der am Ende dieses Duell verliert.
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