Er ist das Enfant terrible der Kompaktklasse, der vielleicht untypischste Renault der Neuzeit, ein knallharter Hot Hatch mit Bestzeit-Abo, frontgetriebener König der Nordschleife und genau deshalb ein reichlich undankbarer, weil anspruchsvoller Tuningpatient. Denn dem schnellsten aller Renault schraubt man die Zehntel nicht einfach so im Vorbeigehen aus dem Chassis. Das durften schon seine Erbauer selbst kürzlich wieder erfahren, als sie ihren Nordschleifen-Rekord, der kurzzeitig in Spanien verweilte, zurück ins eigene Land holten. Denn im Gegensatz zu Seat, die ihren Leon Cupra lediglich mit Sportreifen und großer Bremse auf Bestzeit polten, musste Renault kurzerhand zur Kernsanierung schreiten. Dämmstoff und Rückbank flogen raus; die schwere Standard batterie ging ebenfalls den Weg alles Irdischen. Polycarbonatschalen von Recaro, Titananlage von Akrapovic; einstellbare Renndämpfer von Öhlins, Schmiederäder von Speedline, eigens abgeschmeckte Cup-II-Sohlen von Michelin. Erst dann stand er wieder dort, wo er sich am liebsten sieht: ganz vorn unter den Serien-Fronttrieblern. Kehrseite der Medaille: Wer einen Trophy R samt zugehörigem "Record Pack" ordert, bekommt eine knallige Performance-Büchse, die einem Porsche querdynamisch zwar ordentlich in den Auspuff kriecht, sonst aber herzlich wenig beherrscht. Oder könnten Sie sich vorstellen, den Wocheneinkauf zwischen Stahlstrebe und Renngurten hindurchzufädeln? Davon abgesehen ist seine Existenz auf lediglich 250 Exemplare limitiert.
Renault Mégane RS Trophy
Auf eine simple Formel heruntergebrochen kann man sagen: Renault macht’s mit Handling.
Renault Mégane RS Trophy Deutlich alltagstauglicher gibt sich dagegen der "normale" Trophy, der uns für diesen Test zur Verfügung stand. Mit der eigentlichen Rekord-Dröhnung hat er indes kaum mehr als einen Teil des Namens gemein. Tatsächlich handelt es sich hierbei "nur" um einen dezent umgestylten RS mit Cup-Paket und Akrapovic-Anlage. Nur dass man selbigen gegen Aufpreis mit 19-Zöllern, Semislicks und Öhlins-Dämpfern querdynamisch nach Art der R-Version aufrüsten kann.
Elia Mégane Tour de Corse 300
Der Tuner kontert mit deutlich mehr Fahrstabilität – und der haltbareren Bremse.
Elia Mégane Tour de Corse 300 Oder man spart sich den ganzen Hickhack um Sondermodelle und Optionen einfach und marschiert mit seinem RS gleich zu Elia; schließlich hat der fränkische Tuner seit Kurzem eine recht reizvolle Alternative zum Werks-Upgrade in der Schublade. Kern der Tuningmaßnahmen ist einerseits das einstellbare Clubsport-Fahrwerk von KW, andererseits eine nochmals kompromisslosere Reifenwahl. Statt des relativ regenfesten Michelin Pilot Sport Cup II, den das Werk aufzieht, schnallt der Tuner den klebrigeren Cup I auf seine hauseigenen Lombartho-Alus. Wohlwissend, dass die Querkraft-Party mit einsetzendem Niederschlag ein jähes Ende findet. Davon abgesehen bleibt das Elia-Set-up dem Alltag aber verbunden. Das KW-Gewinde knüppelt kein bisschen härter über Grobgeflicktes als das Cupfahrwerk der Franzosen, dämpft teilweise sogar aufmerksamer und schlüpft dank seiner nicht allzu überdrehten Sturzwerte (Vorderachse: -2 Grad) auch recht spursicher durch Rillen.

Bildergalerie

Renault Mégane RS Trophy Elia Mégane Tour de Corse 300
Elia Mégane Tour de Corse 300 Motorblock
Elia Mégane Tour de Corse 300 Detail
Kamera
Tuning: Renault Mégane/Elia Mégane

Fazit

von

Manuel Iglisch
Elia holt aus einer anspruchsvollen Basis deutlich mehr Performance heraus, bleibt preislich in fairen Regionen und hätte den Sieg somit mehr als verdient, wenn das Set-up nicht eine Spur zu brav geraten wäre. So siegt am Ende der Trophy, der genauso schnell und dabei einen Hauch mitreißender performt.

Von

Manuel Iglisch