Unfall in Berlin: Diskussion über SUV

Unfall in Berlin: Diskussion über SUVs

SUVs raus aus den Innenstädten?

Deutschland diskutiert: Sind SUVs gefährlich, sollte ihnen gar die Zufahrt in Innenstädte verwehrt werden? Anlass der Diskussion ist ein Unfall mit vier Todesopfern in Berlin, darunter ein dreijähriger Junge.
(dpa/cj) Ein schwerer Unfall in Berlin mit vier Toten – darunter ein dreijähriges Kind – hat eine heftige Diskussion über SUVs (Sport Utility Vehicle) in deutschen Innenstädten ausgelöst, es ist die Rede von Zufahrtsbeschränkungen und "Obergrenzen". Der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch, forderte im "Tagesspiegel" rasch umsetzbare Maßnahmen gegen große, schwere Geländewagen: entweder eine City-Maut, die die Einfahrt in Städte sehr teuer mache, oder ein Parkverbot beziehungsweise deutlich erhöhte SUV-Parkgebühren in Städten. Auch der stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende Oliver Krischer rief in derselben Zeitung nach einer "Obergrenze für große SUVs in den Innenstädten. Am besten wäre eine bundesrechtliche Regelung, die es Kommunen erlaubt, bestimmte Größenbegrenzungen zu erlassen." Die Autos bräuchten immer breitere Parkplätze in Städten, wo der Raum immer knapper werde. "Sie sind eine Gefahr gerade für Fußgänger und Radfahrer", so Krischer.

Göring-Eckardt: "Vorfahrt für Elektroautos"

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt sprach sich hingegen bei einem BILD-Talk gegen ein Verbot dieser Geländewagen aus. SUVs sollten aber durch Steuern wesentlich teurer werden, sagte sie am Montag: "Die Frage, was es kostet ist viel entscheidender als ein Verbot." Sie wünsche sich eine "vernünftige Gleichberechtigung zwischen Fahrradverkehr, Fußverkehr und Autos". Göring-Eckardt forderte "Vorfahrt für diejenigen, die vernünftig fahren: die elektrisch fahren und die ohne CO2 fahren". Der CDU-Innenpolitiker Philipp Amthor sagte bei BILD: "Dieser Unfall schockiert. Er zeigt das Gefährdungspotenzial. Aber ich würde keine Verbotsdebatte lostreten."

Unfallforscher: SUVs nicht grundsätzlich gefährlicher

Bereits im Juni 2019 wurden Forderungen nach einer Drosselung der SUV-Produktion in Deutschland laut.

Der Unfallforscher Siegfried Brockmann sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Man kann nicht einfach sagen, SUV ist grundsätzlich gefährlicher als ein Polo oder als ein Smart." Mehr Einfluss als das Gewicht hätten Geschwindigkeit und Art des Zusammenstoßes. Im Berliner Fall hätte aber der Ampelmast einen Polo möglicherweise gestoppt. SUVs sind bei Autokäufern in Deutschland zunehmend beliebt, obwohl sie von Kritikern als besonders umweltschädlich bezeichnet werden. Ein Bündnis von Umweltschützern forderte mit Blick auf die IAA 2019 in Frankfurt Autofahrer und -industrie dazu auf, für den Klimaschutz auf spritschluckende Geländewagen zu verzichten. Bereits im Frühsommer 2019 gab es Rufe aus der Politik nach einer Drosselung der SUV-Produktion. Bislang vergeblich: In diesem Jahr werden nach Branchenschätzungen erstmals über eine Million SUVs in Deutschland neu zugelassen.

Ermittlerkreise: Epileptischer Anfall beim Fahrer

Bei dem Unfall war am Freitag (6. September 2019) ein Porsche-SUV aus noch ungeklärter Ursache von der Straße abgekommen und hatte vier Fußgänger tödlich verletzt. Am folgenden Montagabend verdichteten sich Hinweise auf einen medizinischen Notfall des Fahrers als Ursache. Nach ersten Erkenntnissen könnte der 42-jährige Fahrer des Wagens einen epileptischen Anfall erlitten haben, hieß es aus polizeilichen Ermittlerkreisen. Ein Sprecher der Polizei wollte das am Montag weder bestätigen noch dementieren. Die Polizei hatte nach dem Unfall mitgeteilt, dass es Hinweise auf einen medizinischen Notfall gegeben habe. Ob die Hinweise vom Fahrer selbst, der älteren Beifahrerin oder von Dritten stammten, wurde nicht mitgeteilt. Die Polizei will nun mit Hilfe der Krankenakte und einer Blutuntersuchung klären, ob der Fahrer krank war und die Hinweise auf den Anfall stimmen. Der Fahrer wurde bei dem Unfall schwer verletzt.

Polizei ermittelt wegen fahrlässiger Tötung

Am Tag nach dem  Unglück kamen rund 500 Menschen zu einer Mahnwache an die Kreuzung Invalidenstraße/Ackerstraße zusammen, auch am Sonntag legten Passanten Kerzen, Blumen und Bilder an der Unfallstelle nieder. Die Polizei ermittelt wie bei derartigen Vorkommnissen üblich wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung gegen den Fahrer.

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