Der Volksmund sagt: "In der Kürze liegt die Würze" – und liegt damit auch meist richtig. Eine Ausnahme von der Regel lieferte bisher allerdings der Renault Modus. Mit rund 3,80 Metern erwies er sich einfach als das entscheidende Stückchen zu kurz, um sich als Vollwert-Van wirklich erfolgreich in Szene zu setzen. Gegenüber Bestseller Meriva, der im letzten Jahr 37.828-mal neu auf unsere Straßen kam, erscheinen die 9825 Modus-Zulassungen hierzulande eher bescheiden. Doch das soll sich jetzt ändern. Als XL-Variante namens Grand Modus wächst der französische Mini-Espace auf 4,03 Meter – und rückt dem deutschen Klassenprimus damit bis auf zwei Zentimeter ans Blech. Im ersten Vergleich stehen sich die kleinen Diesel mit Partikelfilter gegenüber.

Karosserie/Innenraum: Der Meriva ist flexibler

Der Kofferraum des Meriva glänzt mit wunderbarer Variabilität.
Das ziemlich schlaue Sitzkonzept des Meriva bleibt unübertroffen – da kann der Modus sich so groß machen, wie er will. Die Fondsitze im Opel lassen sich mit ein paar Handgriffen völlig eben im Boden versenken und außerdem nach innen sowie ein Stück nach hinten rücken – fertig ist die Opel-Lounge mit üppig Platz. Ohne dass es im Grand Modus kneift und zwickt, muss er sich sowohl beim reinen Raummaß als auch bei der Variabilität geschlagen geben. Bei seiner längs verschiebbaren Rückbank klappt nur die Lehne geteilt, das ganze Paket lässt sich aufrecht hinter die Vordersitze klappen. Dazu muss die erste Reihe aber nach vorn rutschen – für große Fahrer wahrlich kein Vergnügen. Dafür geht es in beiden Mini-Vans so gemütlich zu wie bei den Großen. Im etwas teureren Meriva Edition schreckt der funktional einwandfreie, aber sehr schlichte Arbeitsplatz zwar zunächst etwas ab, doch dafür machen gut ausgeformte Sitze und eine sinnvolle Ausstattung das Reisen sehr angenehm. Wie im schwungvoll gezeichneten Renault-Cockpit dürfen wir uns sogar über Klimaanlage und CD-Radio freuen – in dieser Klasse nicht selbstverständlich. Andererseits sparen sich beide Raumfahrer eine Tiefenverstellung fürs Lenkrad, das nur wenige Zentimeter auf und ab kippt. Entsprechend unbefriedigend fällt die Sitzposition aus – dieser Geiz ist alles andere als geil.

Antrieb/Fahrwerk: Der Renault dieselt sanfter

Auf und davon: Der Renault Grand Modus (links) lässt den Opel Meriva glatt stehen.
So eindeutig, wie Opel beim Sitzkonzept abräumt, so uneinholbar erscheint Renaults Vorsprung beim Motor. Weil heutzutage ohne Partikelfilter eigentlich nichts mehr läuft, wählten wir den 86 PS starken 1.5 dCi statt der schwächeren 68-PS-Variante. Ein herrlich laufruhiger und angenehm kraftvoller Common-Rail-Diesel, der seine 220 Newtonmeter über sechs Gänge (ohne FAP: 200 Nm und Fünfgang) an die Vorderräder schickt. Gleichmäßig und doch druckvoll zieht der Grand Modus los – und dem Meriva auf und davon. Wobei der elf PS und 50 Nm schwächere 1.3 CDTI im Opel nicht nur bei den reinen Fahrleistungen hinterherfährt, sondern auch deutlich rauer zu Werke geht und noch dazu mehr verbraucht.
Sorry, liebe Rüsselsheimer, aber hier haben die Franzosen eindeutig die Nase vorn. Das gilt auch für die Bremsen: Während der Grand Modus aus 100 km/h im Mittel nach rund 39 Metern steht, braucht der Meriva dafür bei gleicher Reifengröße rund einen halben Meter mehr – keine Katastrophe, aber doch Grund genug, um schnell nachzubessern. Unentschieden steht es dagegen in den Disziplinen Komfort und Handling. Beide Mini-Vans federn fest, aber fernreisetauglich, fahren dank ESP auf der sicheren Seite – wobei die elektronische Rettungswacht im Opel serienmäßig arbeitet, bei Renault jedoch 500 Euro extra kostet (Serie nur bei 103/112 PS).

Preise/Kosten: Der Grand Modus rechnet sich eher

Wenn es ans Bezahlen geht, spricht vieles für den Renault. Das beginnt schon an der Kasse, wo der Grand Modus 1.5 dCi FAP Dynamique ab 18.150 Euro den Besitzer wechselt. Im Opel-Autohaus werden für den Meriva 1.3 CDTI Edition immerhin rund 1000 Euro mehr aufgerufen. Dafür lässt Opel uns derzeit bei der Garantie breiter grinsen. Noch bis zum 31. März locken die Rüsselsheimer mit sechs Jahren Garantie (bis 150.000 km) – da sehen wir über die wenig selbstbewußte Mobilitätsgarantie von zwei Jahren (Renault unbegrenzt) doch fast hinweg. Einen starken Konter fährt der Grand Modus bei der Versicherung. Reparaturfreundlich konstruiert, schafft er bei Haftpflicht und Vollkasko die Klassen 15 und 17, Meriva-Lenker müssen mit 18 und 19 leben. Was bei aller Würze der Kürze aber nichts damit zu tun hat, dass der Grand Modus zwei Zentimeter kürzer ist als der Meriva.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Gerald Czajka

Was so ein paar Zentimeter mehr doch ausmachen können. Der Grand Modus wächst auf ein sehr vernünftiges Vier-Meter-Format und kann so am Klassenprimus Opel Meriva vorbeiziehen. Der Rüsselsheimer bleibt zwar weiterhin spitze bei der Variabilität, kann aber dem tollen Renault-Diesel wenig entgegensetzen.