Verkehrsminister-Frage 2009
Das allerletzte Amt

Die Koalitionsverhandlungen zwischen CDU und FDP laufen - und damit auch der Kampf um Ämter und Posten. Der des Verkehrsministers scheint jedoch nur Spielmasse zu sein. Dabei gilt es, wichtige Probleme zu lösen.
- Alex Cohrs
Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung ist eine der besten Adressen der Republik – zumindest, wenn man der Selbstdarstellung des Ministeriums im Internet glaubt. Als "herausragendes Innovativministerium" und als "das wichtigste Investitionsressort der Bundesregierung" beschreiben die Mitarbeiter dort ihr eigenes Haus. Die Koalitionsverhandlungen zwischen Schwarz und Gelb sprechen indes eine andere Sprache: Die Liste der Kandidaten für den Ministerposten und die jeweiligen Begründungen legen den Verdacht nahe, dass die künftigen Koalitionäre das Verkehrsressort für gar nicht so herausragend halten – sondern viel eher für das allerletzte Amt.
Nur ein Kandidat hat Erfahrung

Bild: dpa
Ein Amt als "Verschiebebahnhof"
Merkwürdig ist das alles schon: Auf der einen Seite hat der Verkehrsminister mit 26,7 Milliarden Euro den drittgrößten Etat der Regierung und muss gerade jetzt viele dringende Probleme lösen wie die Bahnprivatisierung oder den Ausbau des Verkehrswegenetzes. Auf der anderen Seite wird das Amt schon seit langem als "Verschiebebahnhof, Personalparkplatz und Spielmasse für Koalitionsverhandlungen" (WELT am SONNTAG) missbraucht.
Kaum Gestaltungsmöglichkeiten
Warum ist das Ministerium bloß so unbeliebt? "Es gilt als schwer regierbares Haus", sagt Gerd Lottsiepen, Verkehrspolitischer Sprecher des Verkehrsclubs Deutschland (VCD). "Viele Mitarbeiter sitzen dort seit Jahren fest im Sattel, der Gestaltungsspielraum wird zudem durch viele langfristige Vorgaben eingeengt." Es ist mithin schwer, etwas zu bewegen. Reformer überlassen das Amt daher lieber Politikern, die gern repräsentieren – beispielsweise bei der Eröffnung von Autobahnabschnitten. Professor Richard Stöss (FU Berlin) fordert ein Umdenken: "Auf den Posten gehört ein Experte", sagt der Politikwissenschaftler, "und dieser Experte muss an die wichtigen Themen heran."
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