Wie sich doch die Zeiten ändern: Als vor 20 Jahren der Verkehrsclub Deutschland seine erste Auto-Umweltliste herausbrachte, siegte der Kleinwagen Opel Corsa Eco 1.2i mit einem Verbrauch von 6,1 Litern Benzin. Der Sieger der diesjährigen Liste, der Toyota Prius dritter Generation, ist ein Kompaktauto mit einem Durchschnittsverbrauch von weniger als vier Litern – dank moderner Hybrid-Technik. Man kann also auch beim Verbrauch von einem beachtlichen Fortschritt sprechen, der zudem nicht mit Abzügen in der Sicherheit oder im Platzangebot erkauft wurde. Doch der VCD wäre nicht der VCD, wenn er zur Abwechslung mal freundliches Lob fallen ließe. Zum Beispiel für den Smart fortwo cdi, im vergangenen Jahr noch mangels Partikelfilters aus der Wertung gekegelt, der es zum "Klimabesten" noch vor dem Prius gebracht hat. Nein, kein Wort, auch im 20. Jahr der Umweltliste nimmt der traditionell industriekritische Verband einmal mehr die Rolle einer strengen Mutter ein, die den lieben langen Tag versucht, aus ihren bösen Buben brave Kinder zu machen, aber eigentlich kaum ein gutes Haar an ihnen lassen kann. Oder wie ein Lehrer, der seinen eigenen Sohn in der Klasse sitzen hat – und ihm extra schlechte Noten gibt, um sich bloß nicht dem Verdacht auszusetzen, er würde ihn bevorzugen.

VCD: Spritspar-Technik à la BlueMotion gehört in alle Modelle

Gerd Lottsiepen VCD
Bild: Roland Wildberg
Damit sind natürlich die deutschen Autohersteller gemeint, die aus Sicht der Öko-Aktivisten immer zu wenig tun, nur und ständig alles verhindern und böswillig gute Absichten hintertreiben. Der Wahlkampf hat anscheinend auch hier schon längst begonnen. "Da ist zu wenig Fortschritt", fasste Gerd Lottsiepen, Sprecher des VCD, die Kritik zusammen. Angesichts eines VW Lupo 3L, der vor zehn Jahren auf den Markt kam, sei die Entwicklung im Schneckentempo verlaufen – seitdem warte man weiter auf das Drei-Liter-Auto. Auch mit dem Beispiel der Mercedes A-Klasse von 1999, die auf einen CO2-Ausstoß von 119 Gramm kam, legte Lottsiepen den Finger in die Wunde: "In diesem Jahr kommt der sparsamste Mercedes gerade auf 118 Gramm." Selbst zur Spritspar-Offensive à la BlueMotion, EcoFlex, Econetic usw. fiel Lottsiepen nur ein: "Ein Passat mit lediglich 114 Gramm CO2, das ist schon ehrenwert – aber das betrifft eben nur jeweils ein Modell." Spritspar-Reifen und Start-Stopp-Automatik sollten in alle Modelle eingebaut werden. Immerhin: "Wer ein umweltverträgliches Auto sucht, hat heute so viel Auswahl wie nie." Mehr Lob war nicht drin; man hatte fast den Eindruck, es sei Lottsiepen hinterher peinlich gewesen, so verschwenderisch damit umgegangen zu sein.

Bei den Familienautos siegt Prius vor Golf Variant und Touran

Toyota Prius III
Bild: Roland Wildberg
Deswegen schüttete er gleich einen Kübel Kritik hinterher: "Die Autoindustrie hat die Krise genutzt, um die Reform der Kfz-Steuer zu verwässern. Es ist allenfalls ein Reförmchen ohne Lenkungswirkung geworden." Konsequent werden die Lorbeeren stets an die Konkurrenz aus Fernost verteilt: Bemerkenswert fand Lottsiepen etwa, dass der neue Prius auch etwas höher sei als der Vorgänger, was den Einstieg im Fond erleichtere: "Man kann auch hinten gut einsteigen, ohne sich die Wirbelsäule zu verbiegen – das spielt insofern eine Rolle, weil ich den Prius für das ideale Taxi halte." Und auch als Familienauto hat der Prius einmal mehr gesiegt; mit fast zwei Punkten Vorsprung vor Golf Variant und Touran. Das zeigt, dass Umwelt-Rankings nicht der Weisheit letzter Schluss sein können, denn wer zum Beispiel mit zwei Kleinkindern unterwegs ist, dem nützt auch der niedrige Hybrid-Verbrauch nichts, wenn er mangels Lade-Kapazitäten zweimal unterwegs ist...
Apropos Laden: In der Öko-Liste ist kein einziges Elektroauto zu finden. "Die einzigen Elektrofahrzeuge auf dem Markt sind Leichtbau-Kleinfahrzeuge mit eingeschränkter Nutzung", erklärte Lottsiepen vom VCD dazu und forderte "mehr Nüchternheit angesichts des derzeitigen Elektro-Hypes". Auch in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren werde dieser Antrieb nicht unsere Straßen beherrschen. Selbst wenn der Traum der Bundesregierung, 2020 eine Million Elektrofahrzeuge ins Rollen gebracht zu haben, wahr werde – die Masse der Autos sei dann weiterhin mit Verbrennungsmotor bzw. Hybridantrieb unterwegs. "Notwendig bleibt es, grundsätzlich alle Pkw deutlich sparsamer zu machen."

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