Volvo 240 von Pehr Gyllenhammar: Klassiker des Tages
Der langjährige Volvo-Chef fuhr den feinsten 240 aller Zeiten
Als Chef von Volvo war Pehr Gyllenhammar für seine schrillen Dienstwagen bekannt. Doch der Manager konnte auch anders: Hier kommt, kaum zu erkennen, der feinste 240 aller Zeiten.
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Äußerlich müssen selbst Kenner genau schauen, um die feinen Unterschiede von "The Beast" zu erkennen.
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Die Suche nach Pehr Gyllenhammar führte uns nach Schweden
Um das herauszufinden, ist AUTO BILD KLASSIK nach Schweden gereist. Wir wollen uns auf die Spuren von P. G. begeben. Was hat den ehrgeizigen Manager angetrieben, so konsequent mit der schwedischen Devise "nur nicht auffallen" zu brechen?
Vor Ort kommt alles anders. Der Chef der historischen Sammlung, Hans Hedberg, drückt uns einen Schlüssel in die Hand und sagt zwinkernd: "Steht hinterm Haus. Den kennt kaum einer." Doch auf dem verregneten Parkplatz hinter der Halle steht nur ein grauer 240. Ein spätes Baujahr, 1988 verraten die Stempel in den Scheiben.
Zur Erinnerung: Mit der Einführung der 7er-Baureihe wurde das schwedische "Allemansbil" 240, das Jedermannauto, mit jedem Jahr noch weiter heruntergefahren. Ab der zweiten Hälfte der Achtzigerjahre gab es ihn nur noch mit kleinen Vierzylindern oder mit einem lahmen Diesel. V6, Turbo und die sportliche GLT-Version wurden ersatzlos gestrichen. Vergleichbar in Deutschland mit dem Golf 2 Function, der, als der Nachfolger Golf 3 längst im Programm war, noch als preisgünstige und besonders einfache Variante weiterleben durfte.
Der knorrige Volvo 240 ist bis heute in Schweden anzutreffen
Der unscheinbare 240 war zudem zeitlebens nie besonders sportlich, komfortabel, geräumig oder sparsam. In zeitgenössischen Vergleichstests mit 5er BMW oder dem Mercedes W 124 zog er regelmößig den Kürzeren. Dafür war er gemütlich, heimelig und vor allem sehr zuverlässig. Und wenn doch mal was kaputtging, ließ es sich schnell und günstig reparieren.
Und so findet man die knorrige Baureihe noch heute vor vielen Höfen im Jämtland, vor Reihenhäusern in Stockholm und vor verschneiten Blockhütten in Arvidsjaur. In Schweden hatte der 240 als meistgebauter Volvo aller Zeiten einen Verbreitungsgrad wie in Deutschland höchstens der VW Käfer in den Sechzigerjahren.

Der Motor mit seinen 245 PS enormen Reserven bringt die entscheidendste Änderung am Auto.
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Dieser 240 sieht auf den ersten Blick aus wie jeder andere
Aber Gyllenhammar galt als technikverliebt, als unbescheiden und bekannte sich deutlich zur schwedischen Oberklasse. Was wollte der also mit dieser grauen Limousine? Okay, die schicken Multi-X-Felgen gehören eigentlich auf späte 760 Turbo oder das 780 Coupé. Ansonsten sieht sie, abgesehen vom guten Zustand, äußerlich aus wie jeder andere beliebige 240er-Ackergaul in Schweden.
Innen werden die Unterschiede dann deutlicher. Wo sonst die "Salz-und-Pfeffer"-Bezüge eine rustikale Kartoffelsackatmosphäre verströmen, gibt es hier feinen Velours, farblich abgestimmt dazu die Kissen auf der Rückbank und der lederne Schaltsack. Holzleisten in den Vordertüren und dem Armaturenbrett treffen im Kampf um Luxusambiente mit dem rumpeligen Cockpit aber auf einen übermächtigen Gegner. Auch das mit Sprühholz veredelte Telefon irritiert.

Die maßangefertigten Kissen sind ein exklusives Chef-Extra und fanden sich in keiner Aufpreisliste.
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Im Innenraum gibt es Details, die nur dem Volvo-Chef vorbehalten waren
Die Mittelkonsole steht ganz im Zeichen der Unterhaltung. Oben Equalizer, in der Mitte die Ansteuerung für den CD-Wechsler (damit ist auch das Rätsel um die blecherne Munitionsbox im Kofferraum gelöst), unten ein Kassettenlaufwerk. Flankiert von zahlreichen Lautsprechern.
Auch sonst wurde nicht gespart. Klimaanlage, vier Fensterheber, Sitzheizung und ein Kurbelschiebedach. Noch interessanter aber sind die Turboanzeige rechts vom Lenkrad und das Overdrivegetriebe. Beides hat es 1988 im 2er längst nicht mehr gegeben.
Beim Dreh am Zündschlüssel springt der Motor zwar vor der tiefen Klangwand des Viscolüfters willig an, stirbt aber ebenso schnell wieder ab. War stabiler Leerlauf bei all dem Luxus nicht mehr drin?
Ich rolle durch das Gewerbegebiet. Vor jeder Kurve kommt der Wunsch nach einem dritten Fuß auf – der Motor muss ständig am Laufen gehalten werden. Aber wie gelassen und leise wir über Bodenwellen und durch Schlaglöcher rollen – das kennt man vom 240er anders. Alte Volvo sind zwar berühmt für ihre Langzeitqualität, nicht aber für ihre Liebe zum Finish.

Ein seltenes R-Sport-Lenkrad, Telefon und Hochtöner sorgen für hohen Komfort im Chef-Auto.
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Warum fuhr sich nicht jeder Volvo 240 so?
In der Kurve lässt er sich flott und exakt führen mit dem dreispeichigen Volvo-R-Sportlenkrad. Die Lenkung reagiert härter und genauer als in der Serie. Mit steigender Temperatur gesellt sich endlich auch der Leerlauf dazu. Auf der Autobahn folgt das Chef-Gefühl, als bei 2500 Touren die Turbonadel ausschlägt und die graue Maus zwar leise und unaufgeregt, aber ungemein vehement nach vorn drückt.
Hoppla! Hätte sich jeder 240er so gefahren, wäre das Image von Volvo weit früher ein sportlicheres gewesen. "The Beast", wie die Konstrukteure den grauen 240 getauft haben, läuft so BMW-mäßig und wirkt bis ins Detail so liebevoll verfeinert, dass es an eine Frechheit grenzt, dass er einem einzigen Mann vorbehalten war.

Die schönste Musik an Bord macht der 2,5-Liter von Volvo Penta, der die brave Limousine zu Höchstleistungen treibt.
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Der Gyllenhammar-Volvo hat 245 PS!
Unter der Haube lüften wir das süße Geheimnis. Anstelle des klassischen B230F-Motors mit 115 PS sitzt hier ein AQ171 von Volvo Penta. Der eigentlich für Boote vorgesehene Vierzylinder hat 2,5 Liter Hubraum und Vierventiltechnik. Dank gekonntem Feintuning mobilisiert er stramme 245 PS.
War Pehr Gyllenhammar am Ende also doch ein ganz anderer? Einer, der nicht zeigen wollte, was er hatte? Einer, der die schwedische Bescheidenheit doch voll lebte? Nein. Aber er trug den Spitznamen "Mr. 240". Erst realisierte er die Baureihe, dann verfeinerte er sie. Kurz nachdem er sie in Rente schickte, schied er bei Volvo aus.
Vom Sonder-Volvo gibt es zwei Exemplare
Arbeiter erzählen, dass P. G. fast jede Woche am Band stand, um sich nach Problemen und Entwicklungen zu erkundigen. So wirkt die unscheinbare Limousine in Solidlight-Grey am Ende selbst als Vorstandswagen wahnsinnig schwedisch. Bescheiden, nahbar, dennoch souverän. "P. G. ließ noch eine baugleiche Kopie anfertigen", verrät Hedberg und läuft voraus. Bestimmt in Rot, denke ich und werde entäuscht. In der Ecke der Halle schlummert das zweite Biest in British Racing Green. P. G. passte eben in keine Schublade.
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