GM 2.7 Liter Vierzylinder

Chevrolet L3B 2,7-Liter-Vierzylinder: Technik, Motor und Verbrauch

Vierzylinder so durstig wie ein V8

General Motors bietet in den USA einen ziemlich großen 2,7-Liter-Vierzylinder an. AUTO BILD erklärt den Motor, der so durstig ist wie ein V8.
Jeder Motor ist für einen bestimmten Einsatzzweck konstruiert worden. Kleinvolumige Dreizylinder finden sich oft in sparsamen Kleinwagen wieder, große Motoren mit acht oder mehr Zylindern dienen oft Sportwagen oder Nutzfahrzeugen als Antrieb. Manchmal gibt es aber auch Ausnahmen von diesen fast schon ungeschriebenen Gesetzen. Der 2,7-Liter-Vierzylinder von GM ist so ein Beispiel. Er wandelt zwischen den Welten und verbindet verhältnismäßig viel Hubraum mit relativ wenigen Zylinder. Seinen Einsatz findet der großvolumige Vierender vorwiegend im Chevrolet Silverado (314 PS, 473 Nm), aber auch im sportlichen Cadillac CT4-V (329 PS, 515 Nm) ist er zu finden. Macht so ein Motor überhaupt Sinn, und wie sieht es mit dem Kraftstoffverbrauch aus? AUTO BILD klärt auf!

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Aufbau: Vierzylinder mit großem Hub

Entwickelt wurde der Motor als Nutzfahrzeugmotor. Seinen Einsatz findet er im Pick-up Silverado.

Der amerikanische Vierzylinder ist als Langhuber ausgelegt und besitzt eine Bohrung von 92,25 mm und einen Hub von 102 mm. Das ergibt einen Hubraum von 2727 Kubikzentimeter. Diese Konfiguration verhilft dem kleinen Motor zu viel Drehmoment, schmälert dagegen aber die Spritzigkeit und die Drehfreude. Um wegen der großen Kolben und des langen Hubs nicht unerwünschte, sekundäre Vibrationen zu erhalten, verfügt der Motor über zwei Ausgleichswellen. Sie sind unterhalb der Kurbelwelle montiert und drehen sich mit der doppelten Geschwindigkeit wie diese.

Zylinderkopf: Verstellbare Nockenwellen für den L3B

GM verbaut bei seinem 2,7-Liter-Benziner eine variable Nockenwellensteuerung, die es erlaubt, zwei Zylinder zeitweise stillzulegen. Daher verfügen die beiden Nockenwellen über je drei Nocken pro Ventil. So können bei leichten Autobahnpassagen im Teillastbereich die beiden mittleren Zylinder außer Kraft gesetzt werden, während die Ventile geschlossen bleiben. In der ersten Position der Nocken wird das Ventil lange und weit offen gehalten, um vor allem im Vollastbereich den Brennraum mit genug Gemisch zu versorgen. Die zweite Position macht das genaue Gegenteil und öffnet das Ventil nur kurz und nicht besonders weit. Das hilft, im Teillastbereich Kraftstoff zu sparen. Für die Zylinder eins und vier ändert sich in der dritten Position im Vergleich zu Position zwei nichts, allerdings werden die Ventile der Zylinder zwei und drei hier geschlossen gehalten – der Motor schaltet die beiden Zylinder ab.

Turbolader: Doppelspirallader für mehr Spontanität

So ist ein Doppelspirallader aufgebaut. Als Beispiel dient hier ein Lader von Borg Warner.

©Borg Warner

Eine Besonderheit des Motors ist seine Aufladung. Sie soll dem Motor mehr Spritzigkeit verleihen und das Ansprechverhalten verbessern. So wird versucht, den großen Hub und die damit verbundene Trägheit beim Antritt zu kompensieren. Beim hier verwendeten Lader handelt es sich um einen Doppelspirallader. Anders als von Twin-Scroll Ladern gewohnt, verlaufen die beiden Abgaskanäle nicht nebeneinander, sondern übereinander. Das hat einen entscheidenden Vorteil: Die beiden Kanäle versorgen zwei gegenüberliegende Seiten der Turbolader-Turbine. Dabei münden die Abgase von je zwei Zylindern in einem Abgaskanal. Das sorgt für einen effizienteren Betrieb, als das bei einem Twin-Scroll-Ladern der Fall ist. Hier treffen die beiden Abgaskanäle an der gleichen Stelle auf die Turbine. Das kann zu Überlagerungen führen, welche die Leistung der Lader-Turbine beinträchtigen können. Außerdem spricht der Doppelspiral-Turbolader besser an.

Kraftstoffverbrauch: Kein Vorteil gegenüber einem V8

Der 2,7-Liter-Vierzylinder ist auch im Cadillac CT4-V als Basismotor zu finden.

Der 2,7-Liter-Vierzylinder von GM ist in Europa nicht erhältlich. Demnach fehlen die Spezifikationen für den europäischen Markt. Daher ist der Kraftstoffverbrauch des Motors nicht wie gewohnt in Liter auf 100 Kilometer angegeben, sondern in Miles per Gallon, kurz mpg (Meilen pro Gallone). Im Chevrolet Silverado ist der Durchschnittsverbrauch des L3B Motors mit 23 mpg angegeben, umgerechnet sind das 10,3 Liter auf 100 Kilometer. Vergleicht man diesen Wert mit dem 5,3-Liter-V8 (360 PS, 519 Nm), der ebenfalls im Silverado angeboten wird, stellt man eine Sache fest: Beide Motoren sollen gekoppelt an die Achtgang-Automatik gleich viel verbrauchen! Auch der große V8 ist seitens Chevrolet mit 23 mpg angegeben. Betrachtet man diese Werte, darf zurecht nach dem Sinn des großvolumigen Vierzylinders gefragt werden. Downsizing soll dem Zweck der besseren Kraftstoffbilanz dienen, wenn dabei aber ähnliche Werte wie bei einem deutlich größeren Motor herauskommen, ist das Aggregat obsolet. Der zweite Einsatzzweck im Cadillac CT4 zählt hier nicht als Argument, denn schließlich vermarktet der US-Konzern den L3B-Motor in erster Linie als Nutzfahrzeug-Motor.

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